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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

QTMÖSIEFISiCHiSCDB Escorialir. ldealprolekt von Klosterneu- 
JfQ nach einer Federzeichnung von Joseph Knapp, 1774. 
tiftsmuseum Klosterneuburg 
artal zum Kaisertrakt der Kartause Mauerbach. 3, Viertel 
7. Jahrhundert. Xylographte wLibitzkalBrunnk 
:e, bildete 1695 erste und letzte Station der Marien- 
lfahrt." 
lVl. unternahm nur fünf Wallfahrten nach Mariazell 
bemühte die Gastfreundschaft der Kloster auch 
st nicht so häufig wie sein Vater, aber die Situation 
b im Prinzip die gleiche." 
nso wie die Bürgerschaften und Zünfte waren auch 
Kloster bestrebt, bei diesen allerhöchsten Besu- 
n durch Renovierungen und Anschaffung neuer 
)el sowie durch Errichtung von Triumphbogen und 
tdekorationen den Gästen einen prachtvollen 
lick zu bieten, Aber auch durch feierliches Zeremo- 
I. mit reicher Kirchenmusik gestaltete Liturgien, 
:h reichgedeckte Tafeln sowie durch abwechs- 
isreiche Unterhaltungen versuchte man dem Kal- 
iaus die Reverenz zu erweisen. Da an diesen Besu- 
n nicht nur die Adeligen des Hofstaates, sondern 
st auch die Nachbaräbte teilnahmen. kam dabei 
irlich auch die eigene Repräsentation des Stiftes 
. Prälaten nicht zu kurz. derzuliebe sogar - wie in 
rr - die Klausur aufgehoben wurde. 
-r die Besuche der kaiserlichen Familienmitglieder 
lelk im 18. Jh. liegen einige Berichte vor, die einen 
in Einblick in den Programmablauf und den damit 
iundenen Aufwand bieten," Einen Höhepunkt bil- 
l die Begegnung der Kaiserwitwe Amalia mit der 
iilie ihres Schwiegersohnes. des bayerischen Kur- 
 
fürsten Carl Albrecht, im Jahre 1739. Diese fand in Melk 
statt. da der nnicht minder herrlich als weitschichtige 
Bau. zu Legierung beeder Höfen, erkleckliche Wohnun- 
gen in sich begreiffet." Und tatsächlich galt es nicht nur 
216 Personen des mit Schiffen angereisten Münchner 
Hofes unterzubringen, sondern auch den Troß der Kai- 
serin, der aus 214 Personen, 26 Reitpferden und 133 
Wagen mit den dazugehörigen Pferden bestand. Wäh- 
rend des zwöiftägigen Aufenthaltes im Stift gab es ein 
reiches Programm mit Besuchen von Gottesdiensten 
und Vespern, Festmählern sowie Konzerten und Komo- 
dien in einem eigens aus München überbrachten neuen 
nin 2en Veränderungen bestehente(n) Theatrumu. wel- 
ches samt Zubehör im Stift zurückgelassen wurde, Die 
Kaiserin hingegen überließ derAbtei als Gastgeschenk 
eine wertvolle Monstranz. 
Hingewiesen sei noch aufdas Zeremoniell der Ankunft. 
bei dem derAbt der Kaiserin die Schlüssel des Klosters 
"wie es herkommens auf einem Ftoth-Sammeten Kiss 
Allerunterthänigst praesentieret hatten", da sich in 
Göttweig der dafür verwendete Zeremonienschliissel 
sowie eine Salutkanone - beide mit dem Monogramm 
Kaiser Karls VI. - sogar noch erhalten haben." 
Der schon einmal erwähnte Besuch Maria Theresias 
vierJahre später erforderte nicht nur eine vgantz neue 
und recht scharmante Einrichtungi der Kaiserzimmer. 
sondern auch die Verpflegung von ca. 200 Gästen. Dazu 
wurden eigene Köche sowie Zuckerbäcker aus Wien 
verpflichtet, und u. a. 855 Pfund Rindfleisch, 743 Pfund 
Kalbfleisch, 7 Rehe, 20 Fasane sowie 1165 Krebse 
benötigt. Die Gesamtausgaben betrugen über 2400 
Gulden, also fast soviel wie Paul Troger für die Aus- 
malung der Kuppel in der Altenburger Stiftskirche 
erhielt. Nach der Begrüßung durch den Abt an der 
Donau fuhr man in mehreren sechsspännigen Kut- 
schen durch einige Triumphbogen ins Stift, wo im Mar- 
morsaal und in anderen Sälen das Festessen 
stattfand." 
Die Kaiserzirrrmer: 
Aufgrund der Häufigkeit der Besuche in den an den 
Hauptverkehrs- bzw, Wallfah rtsstraßen gelegenen Stif- 
ten schien es daher sinnvoll. dort eigene Appartements 
für den Kaiser und den Hofstaat einzurichten. Die Initia- 
tive dazu ging jedoch mehrfach vom Hof aus. 
Schon die Kaiser Maximilian ll. und Rudolf ll. erfreuten 
sich der Gastfreundschaft des Stiftes Herzogenburg, 
dessen gegenrefcrmatorischer Propst Georg ll. Bren- 
ner (1578 - 90) aus diesem Anlaß das wKayser Stüblu 
erneuern ließ. Im Neubau des 18. Jh.s läßt sich hinge- 
gen nuraufgrund derlkonographieein 1715 stuckiertes 
Gastzimmer als Kaiserzimmer deuten." 
Melk verfügte bereits 1604 über vKayser Zimmern. die 
 
wohl auch Kaiser Matthias anläßlich seines Besi 
am Grabdeshl. Koioman beherbergten und dieurr 
neu eingerichtet wurden." 
In Stams plante Rudolf ll. sogarden Bau eines eig 
wKaisertraktesu, und der stattdessen vorn Tirolei 
desfürsten Maximilian lll, 1615 - 20 als Sommei 
Alterssitz errichtete vFürstenbaua wurde von di 
zumindest teilweise auch finanziert." Ebenfall: 
hdfischer Initiative, nämlich auf Befehl Kaiser l 
nands lll„ entstand der neue Gasttrakt mit dem K 
saal im Stift St. Lambrecht." 
Schon drei Jahre vor der Errichtung des Stamser 
stenbauesk, 1612. existierte im Gasttrakt des E 
Zwettl ein "Kaiserzimmeru, das mit einem Orat 
(Kaiseroratorium?) verbunden war und dessen 
decke im Jahr 1801 in den Thronsaal nach Laxe 
gebracht wurde." Eine ähnliche, aber schlic 
Kasettendecke vom Ende des 16, Jh.s bildet auc 
letzten Rest der ursprünglich sehr reichen Ausstz 
des Kaiserzimmers in Lambach." 
In der Kartause Mauerbach. der Stiftung und Gra 
des Habsburgerkaisers Friedrich des Schonen. bt 
man in den 1620er Jahren mit dem Bau eines eig 
Gebäudes, wcuius structure potissimus sit ad exc 
dam S.C. Maiestatemu und das 1639 teilweise: 
1651 zurGänze vollendet war. Dergroßzügige Nc 
warvielleichtnotwendig geworden,weildas Klosti 
ses besonders strengen Ordens bis dahin über 
größeren Gastzimmer verfügte. Dieses schloß. 
Gebäude. dessen Nordseite das Priorat aufnahm, 
rend die übrigen Flügel die Gastzimmer enthi 
schien dem kaiserlichen Bibliothekar Lambek 16 
prächtig, daß es wnon pro domicilio monachorun 
pro imperiali palation habendum sitri, und wjure n 
igiturCAESARprandium hic sumpsitir. Nach der PI 
rung durch die Türken wurden die ilCUblCUla Aula 
denen auch eine Kapelle nS. Mariae assumptae ii 
Caesariau gehörte, noch prunkvcller hergestelltf 
Der Widerspruch zwischen dem asketischen lde 
Kartäuser und der höfischen Repräsentation 1 
schließlich nicht nur zu einer längeren Kontrovers 
schen Ordens- und Diözesanbehorden sowie der 
wegen der Verleihung des Prälatentitels an die nö 
täuserprioren, sondern auch zu einer Verstimi 
anläßlich kaiserlicher Jagdauienthalte 1738 und 
nSchon die Mitglieder des Hofstaates, die einige 
vorher für die Vorbereitungsarbeiten eintrafen, v 
nicht gerade bescheiden. Die Versuche des Präl 
sie aus Ehrfurcht vor der Kartäuserregel zum Vei 
auf Fleischgenuß zu bewegen. blieben erfolglos. l 
KaisertraktkeingeeigneterSpeisesaalfüreinesog 
Gesellschaft vorhanden war, rnußte das Refekti 
zur Verfügung gestellt werden. Karl Vl.. Maria The
	        

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