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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

 
r solchen fiktiven Habsburger-Ahnensaal als 
es lngebäu. auf die Art der alten Römischen Tempel; von 
vergleichbarer Herrlichkeit, daB wir erstes Anblicks dar- 
rrstutzeten. Es bestunde in Zwölf Seulen. und eben sovie- 
hwibbögemwelcheoben zusammenein Gewölbeschlies- 
zugleich den Bau trugen, als der sonst keine andere 
2 hatte. Das ganze Gebäude war von Marmor (und) die 
ie mit Goldstein überlegt. schienen gleichsam mit Gold- 
e bestreuet... 
chen den Säulen befanden sich Postamente. die 
a mit einem Emblem sowie seitlich mit historischen 
en geschmückt waren, und 
de auf iedem derselben ein Erzinn-verguldtes Bild, in 
tsgrösse, und in vollem Kilraß, über das mit Kron, Szepter 
Reichsapfel, und andrem Keyserlichem Zierat, ver- 
am. 
Statuen der zwölf Kaiser aus dem Hause Habsburg 
in von Büsten weiterer Familienangehöriger umge- 
Jiid vertraten jeweils eine Tugend, die sie - wie 
dem Eingang gegenüberliegende Inschrift verkün- 
- ihrem regierenden Nachfolger weitergegeben 
in: 
ihest Helden hier, du llsest Tugend-Gaben. 
leiden sind nun todl: der Tugend Erbe-Pfand 
och in ihrem Sohn. dem Dritten Ferdinand; 
iner Ahnen Zier ist ganz in ihn begrabenßm 
he oder ähnliche ldealvorsteiiungen wie sie später 
Fischer von Erlach beim Ahnensaal der Grafen Alt- 
I in Frain verwirklichtwurden. kann man wohl auch 
ie von Kaiser Leopold I, 1696 in Auftrag gegebene 
z von Marmorstatuen nzu Ewigen gedächtnuss 
Ertzhauses von osterreichu vermuten, obwohl es 
e Quelle für ein solches Ahnentempel-Proiekt 
"" Die bis 1714 von den Brüdern Strudel ausge- 
en 31 Bildnisse von Kaisern. spanischen Königen 
Erzherzögen wurden zunächst in den Arkadengan- 
des kaiserlichen Paradeisgartels und dann teil- 
e im ebenfalls ovalen Kuppeiraum Fischers in der 
iibliothek aufgestellt, um schließlich im polygona- 
-iabsburgersaal in Laxenburg eine vielleicht den 
rünglichen Intentionen entsprechende Verwen- 
i zu findenÄ" 
1utlich inden zwanzigerJahren des 1 8. Jh,swurden 
Feststiege und der Saal des kaiserlichen Lust- 
asses Favorita mit Stuckmedaillons geziert, die 
in Bildnissen der habsburgischen Kaiser auch sol- 
antiker Imperatoren und legendärer Ahnen 
an."" 
diesen genealogischen Zyklen in den Hofburgen 
Schlössern der Habsburger sind nun die eigentli- 
r Kaisersaie sowohl ikonologisch als auch funktio- 
zu unterscheiden. Denn dabei handelt es sich um 
tsgenealogienu, die die Mitglieder des Hauses 
Österreich in erster Linie in ihrer Funktion als Kaiserdes 
römisch-deutschen Reiches bzw. als Landesfürsten 
darstellen und der ldee des Reiches huldigen. Dies geht 
bereits aus einer nDefinition-r des Kaisersaales im 
Schloß Aschaffenburg aus dem Jahr 1616 hervor: 
nWeii aber dieser Churfürstliche Paliast. auch Kayserlicher 
Mayestet und dem Reich zu sonderen Ehren gemeinet, als hab 
ich vorgutgeachtehden Kayserlichen Saal(. . .)mitetiichen aus 
den Historiis zusammengetragenen Stückenzu zieren. (. . .) aus 
welchen nach außweisung der beygefilgten Beschreibungen 
genugsambb abzunemmen. das uhralte herkommen. fortbrin- 
gen und erhalten deß Römischen Reichs. auch Ieichtilch zu 
sehen. wie Gott sampt dem Römischen Reich angefangen seine 
Christenheit zuerbawen und fortzupfiantzen, wird auch leicht- 
lichabzunemmenseyn,mitwasTugendtendesReichsWolfahrt 
und succesion befürdert (. , .). Mag also dieser saai. als ein kurtz 
Compendium und Reichsspiegel denjenigen so sich darinnen 
ersehen dienlich seynmm 
Dieser Intention entsprechend werden die Bildnisse der 
Kaiser aus dem Haus Habsburg in den meisten Fällen 
mit solchen von Amtsvorgängern aus anderen Familien 
undloder antiken Caesaren kombiniert, und es ist ver- 
ständlich. daß dieses Dekorationsschema nur im 
Gebiet des deutschen Reiches anzutreffen ist. Auch 
diesbezüglich wird Maximilians wpolitisches Denkmal 
fürdas römisch-deutsche Kaiserturnc mit seinen 341m- 
peratorbüsten Anregungen geliefert haben, und schon 
einJahrvorTerziosPublikationerschien eineStichserie 
der Kaiser von Julius Caesar bis Ferdinand l. 1595 
bestand eine der Festdekorationen beim Einzug des 
Erzherzog Ernst in Antwerpen aus zwei Reihen von 
jeweils sechs mit Embiemen versehenen und eine 
Tugend verkorpernden Kaiserstatuen. und zwar je vier 
antik-römischen und griechischen (: ost-römischen) 
sowie vier Habsburgern als Vertretern des deutschen 
Reiches.'" 
Waren die antiken Vorgänger zunächst gleichwertig 
den Habsburgern gegenübergestelltworden. so kam es 
seit der Mitte des 17, Jh.s vor allem in Österreich zur 
Ausbildung reiner Habsburgerzyklen, während die 
römischen Kaiser nur mehr in kleinerem Format ausge- 
führt oder überhaupt ins Treppenhaus verbannt 
wurden"? 
Wenn daherfast 150 Jahre nach Aschaffenburg im Kai- 
sersaai von Klosterneuburg nicht mehr das Herkom- 
men, Fortbringen und Erhalten des Reiches. sondern 
xehre. ruhm und maiestat des hauses osterreich. wel- 
che schon im Babenbergischen stamme angefangen. 
im Habsburgischen hause mehrerhöht und im Lotharin- 
gischen betestiget wardü", das Thema abgeben. so 
wird man dies wohl nicht nur auf die iokaibedingte lan- 
desfürstliche Tradition zurückführen können. Diese 
Akzeniverschiebung zugunsten des regierenden Kai- 
6 Stuckdecke im Kaisertrakt des Stiftes Liiienfeid 
1715 -1720. Ausschnitt mit Devise und Emblem Karl: 
7. 8 KaiserAugustus und Inschrift über den Beginn der 
burgischen Herrschaft in Österreich. Details der Deko 
der ehemaligen Galerie des Stiftes Zwetti, um 1680 
Anmerkungen 106 - 144 
l" Birken, Lnrbeerhayn, S. 102 ff 
"V Herbst. Kaisersaai, S 227 und 233 
"" KÖNIG Peter. Die Ahnenreihe der Habsburger von Paul unl 
Strudel. ungedr. Aufnahmeerbelt am Kunsthrst. lnSl. der Uniil 
1965. 
w! lGALFFY-IGALY Ludwig - SCHLÖSS Erich. Auf den Spur 
Stuckportraits Habsburgischer Ahnen in der Favorita. in: Jal 
richt d. bffenti Gymnasiums d. Stillung Theresianische Akad 
Wien 1981182. Wien 1982. S. 15-29. 
"' Herbst. Kaisersaal, S, 214: Beschreibung des Architekten 
Ridinger. 
"l GOLTZluSi-lubert.Vivaeomnlumiereimperatorum lmagines 
Caes.usqueadCarolumVetFerdinandum eiusfratremWAntt 
1557 7 Descriplio Publicae Gratulatronis  Ernesir  Anh 
1595. S. 125 f. 
"l Herbst, Kaisersaai, S. 290 und 306. 
'" Konzept Daniel Grans für das Kuppelfresko 1749. KNAB E 
Daniel Gran, lMen - München, S. 255. 
l" Bemerkenswerterweise findet man solche Türkentriun 
gramme in den Klöstern jedoch zuerst in den Kirchen. l. B. ba 
lSBSin Garsten und um 1589m KlosterneuburgiGRüTHAUsl 
lian. Die frühe Monumentaldarstellung des Sieges vor Wien vr 
in der ehemaligen Stiftskirche von Garsten. in Oberöstern 
(1995), S. 39- 45; Kiosterneuburg 1583, Turkensturm und t 
gung, Ausstellungskatalog. Klosterneuburg rasa, s 114. 
"Ä Neben St. Florianwodieöganzfigurlgen Porträts spaterentfe 
demisthierauchderKaisersaalderl-iofburgzu nennemwoeln 
sebericht zufolge rles tableaus des Empereurs netoient qur 
toiie sans quadre d sans boiseu, also ohne fixe Rahmung. Un 
Aitpoiia vorhandenen Kaiserporlrats gehörten wohl ebenf. 
ursprünglichen Mbblierung des wAdierzirnmersu. 
"' Reinie, Das stellvertretende Bildnis. S. 9G, 
l" Herbst, Kalsersaai. S. 271. 
"l WALTER Renate von, Das Augsburger Rathaus. Abhandlunt 
Geschichte der Stadt Augsburg 20, Augsburg 1972, S. 64 ff. 
"' KLAIBER Hans Andreas, Die allegorischen Deckenbilder im 
saal des reichstädtischen Rathauses in Esslingen, Esslingeril 
1957. 
'" Programm und Entwurf imCxadexAlbrechtz TIETZE Hans, Pro; 
und Entwürfe zu den großen österreichischen Barockfres 
Jb.d.Kh. Slgn. d.A. Kh, in Wien 3D (1911f12), S, 25A 2B, Tal. 
1" AST Doris, Die Bauten des Stiftes Selem im l7. und 18. Jahr? 
Tradition und Neuerung in der Kunst einer Zlsterzrenserabl 
DisS., München 1977, S, 7fJ ff. - Herbst. Kaisersaai, S. 299 
'11 Ebenda. S. 301 - SDS-WAGNERt-ielga. BarockeFestsaleir 
schert Schlössern und Klöstern. München 1977. S. 112 ff. 
"J Herbst, Kaisersaal. S. 320- 322. 
"f BRUNNEH Ludwig. Eggenburg - Geschichte einer niede 
Stadt 2, Eggenburg 1939, Abb nach S. 128. 
"5 POLLEROSS Friedrich B., Bildende Kunst. Kirche, Pfarrhufuni 
ien. in" ders. (Hg.), Geschichte der Pfarre Ailpolia 1132 - 15 
poiia 1982, S. 209 und Abb. l7. 
"i PETRIN Silvia. Siukkateur und Maler der Perchtoldsdorter R 
Stuben, in: UH 45 (1974), S. 93 lf. und Abb. 1. 3 
1" KALINOWSKI Konstaniy, Die Glorlllzierung des Herrschersi 
HerrscherhausesinderKunsiSchleslensim l7. und fdJahrr 
inI Wr. Jb. f. Kg. XXVIII (1975) 112. 
'" Herbst, KaisersaaLS. 310 - 315.DieserSaalwarbereitsseit l 
einem Landeslilrstenzykius ausgestattet, 
'" Barock in Innsbruck, Aussteiiungskatalog. Innsbruck 198D,t 
"i" GHADAUEH Peter. Bischol, Landesfürst und Praiaienstant 
Erzherzogtümern ob und unter der Enns  ungedr. HaolL. Grz 
'" Roth. Seckau, S. 66 tt. - Herbst, Kaisersaei. S. 2901i. 
"i BUBEHL Paul. Die Kurtstdenkmäler des Zlsterzlenserklosters 
ÖKT 29(Baden 1940), S 54 und 285. 
l" FllEWEL Hermann von. Neue Funde im Stllte Zwetli1l393,in: 
K.K. Centrai-Comission XXI (1895) 87 - 90 
'" EGGER Hanna. DerTrlumph der Gerechlrgkeißder Tapferkeit 
Liebe. ZurAussiattung derTraktedes l7. Jahrhunderts umde 
turhof des Stilles Altenburg. in: alte und moderne kunst 189! 
6 f. 
"i Herbst, Kaieersaal. S. 306 f. 
"" Korth. St. Florian, S. 122. 
1" LUGER Walter, Mariän Rittlngerund Johann Karl von Ftesifeld 
Barockkünstier von Garsten. ln' Oberösterreich 35 (1985 
(Abb ). 
'" AURENHAMMER Hans. Martina Altomonie. Wlon - Munchi 
S. 137. 
i" MUSSBACHER Norbert SOClst. Das Stift Lillenreld.Wien19l 
f. und Abb 35. 
"I KaiinorwskLGlorlfizierung. s. 117'121. 
i" Korth, sr. Florian, s. 11a - 209. 
"I Herbst, Kaisersaal, s. er: f. 
'" Als Vorstufen des 15. Jh s sind ln diesem Zusammenhang. 
Verherrlichung Karls V. gewidmete Säle in Italien (Herbst, Kai 
S. 277 fi.) zu nennen, und der Habsburgerzykius aus rudoli 
Zelt (siehe Anm. 102). von dem es Kopien auf den Schlössern 
und Ottensiein gab, entstand wohl ebenfalls in adeligem Be 
1" Herbst. Kaisersaal. S. 284 ff.
	        

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