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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

xpolds lfm, sondern auch im Kaisertrakt des Stiftes 
anburgm 
rantikeTugendheldHerkules.derinderHabsburger- 
nographie eine lange Tradition besitztwe, wurde als 
zgorie der Fortitudo vor allem unter Karl VI. häufig 
gestellf". da dadurch "zugleich dessen Sinnbild 
ISZEIQIWITGQ. DieTaten des Herkules im Gastzimmer 
aStiltes Herzogenburg sind daher wohl ebenso auf 
sen Herrscher zu beziehen wie die Darstellung des 
iendhelden im Marmorsaal von MeIkÄ" 
s biblische Gegenstück zum Herkules bildet schon 
m Triumphbogen 1690 der Löwenbezwinger Sam- 
i." Diesem wird im Altenburger Kaisertrakt der 
slurz des Phaeton gegenübergestellt" und damit 
mittelalterliche Symbolikvom guten und schlechten 
giment in die barocke Allegorie gekleidet. In den Kai- 
zimmern von St. Florian finden wir neben dem alt- 
tamentlichen Helden. der den heidnischen Tempel 
rzt, Alexander den Großen mit den Frauen des Da- 
:,wodurchdiePflichtdesHerrscherszumSchutzder 
che und zurGnade gegenüberden Besiegten symbo- 
ert wird)" Als nein zart verklausuliertes speculum 
hter Regentenmoralir kann wohl auch derTelemach- 
rlus im Gobelinzimmer von Klosterneuburg gedeutet 
rdenf" 
flach tritt jedoch die moralisierende Funktion die- 
nuniversaI-historischen und weltumfassenden 
rrscher- und Tugendtypologiek" zurück zugunsten 
Verherrlichung des Herrschers als rzweiter Salo- 
nu, "neuer Herkulesr oder vanderer Alexanderri. der 
1 Vorbild sogar noch übertreffe. Besonders deutlich 
nmt dies bei den rtverkleidetenk Porträts zum Aus- 
ck, wo Fürst und Tugendheld identisch werden." 
aenderlkonographiederTugendhelden,diebeiallen 
wschern anzutreffen ist. gibt es einige Motive, die zur 
nonstration der Sonderstellung der Habsburger als 
ser besonders aussagekräftig waren. Auf einer 
IOTI des Propheten Daniel basiert die Darstellung der 
' Weltmonalchien, die in der imperialen lkonogra- 
e keineswegs so selten ist, wie in der Literatur 
iauptet wirdf" Schon Maximilian ll. ließ sich bei 
1nitzers Tischbrunnen als Vertreter des vierten, d.i. 
tischen Reiches darstellen. um anzuzeigen, ndaß 
tsonderlich das hochlöbliche haus Oesterreich mit 
Kaiserlichen Cron begnadtetW". und 1638 wurde 
dahinter stehende habsburgische Ideologie auch 
ssenschattlichk formuliert: nach des "allmächtigen 
ldigen verordnungr gebe es vier whaupt Regimenter, 
iAssyrische von Nimrod bis Belsazer, das Persische 
i Cyros bis Darios, das Griechische von Alexander 
Perseus von Makedonien und das Römische von 
usCaesarwoder.andererMeinungnachvon Octavio 
justo biß auftCarolum Magnumk. durch den es Mahl" 
Teutsche Nationem zu derselben unsterblichen 
m und ehren gebracht. und also biß aufdie zu gegen- 
"tiger zeit regierende Kayserl. Mal. Ferdinandumr 
geführt wurde. Weshalb seit iiCaroli Magni zelten 
1 kein familia mit wahrheit wird rühmen können, daß 
Rom. Reich teutscher nationis autt so lange zeit der 
iJahrbey 11 undmit FridericoAustriaco Pulchroautt 
12 unterschiedliche Kayser eines Geschlechts ver- 
ben seynß" 
mutlich nur wenige Jahre später wurde dieses 
lma im imperialen Ausstattungsprogramm des 
iIoßesWIndhaggernalt.undum1677als Hauptmotiv 
ren einer Folge römisch-deutscher Kaiser zur Deko- 
on des Bernsteinlhrons für Kaiser Leopold ebenso 
angezogen wie später bei einem der Brunnen in 
:hers erstem ProjektfürSchonbrunn. Im Bamberger 
sersaal erfuhren die vier Weltmonarchien ihre 
wmentalste Ausformung, und um 1710 bilden sie 
rohl in der Deckenmalerei des Audlenzsaales in 
Florianm wie in der Leichenpredigt für Kaiser 
eph I. in der Stephanskirchem das wichtigste 
ima. 
2h das Reichsstift Salem verzichtete nicht aufdieses 
tiv, und der "kleiner- Kaisersaal in Melk unter der 
rise wjede herrschaftliche Gewalt kommt von Gottk 
erhielt 1726 vier Ölgemälde dieses Themas." Im Kai- 
sersaalzu Fulda(t 738I40)wurden die vier Reiche durch 
große Gipsfiguren repräsentiert, während sie inden Kai- 
serzimmern der Stifte Altenburg und Ottobeuren in der 
Stuckdekoraticn dargestellt sind. 
Wurden zur Darstellung von Allegorien mythologische 
Figuren herangezogen, so war natürlich die Gestalt des 
Jupiterbesonders geeignet. umdie Vorrangstellung des 
Kaisers nicht nur innerhalb seiner Familie. sondern 
auch hinsichtlich der Vorherrschaft in Europa zum Aus- 
druck zu bringen. Als sich Ferdinand lll. 1653 inmitten 
einer habsburgischen Götterversammlungporträtieren 
lieliwardaherderKaiserauldessen eigeneAnordnung 
als Jupiter mit Donnerkeil und Adler, aber auch mit der 
Weltkugel versehenf" Sein Nachfolger Leopold 
scheint nicht nur auf Thesenblattern in dieser Rolle 
auf", sondern thront auch im Kaisersaal von Alteglofs- 
heim (um 1685l90) als Jupiter im Zentrum der Decke 
und umgeben von den Kurfürsten und Königen, darun- 
ter Ludwig XIV. sowie Karl ll. von Spanienfß 
Zwarohne Porträtähnllchkeit, aberdurch das erhaltene 
Programm gesichert ist die Deutung des blitzeschleu- 
dernden Jupiter in St. Florian als Allegorie des über die 
Türken triumphierenden Karl VII" Analog zu diesen 
Beispielen können daher auch die anderen Darstellun- 
gen des Göttervaters inderGalerievon Altenburg sowie 
in den Kaiserzimmern von Kremsmünster (um 1680), 
St. Florian (1705108). und Altenburg (um 1738) als Allu- 
sion auf den jeweiligen Herrscher gedeutet werdenf" 
Obwohl bereits Kaiser Maximilian I. die These nQuod in 
Celis Sol, hoc in Terra Caesar estk formuliert hatte, 
spielte die Sonnensymbolik bei den Habsburgern zu- 
nachsteine geringere Rolle. Erstals die Franzosen Lud- 
wig XIV. 
nüber alle andere vornehmere Potentaten erheben. und in spe- 
cie dem Allerhöchsgedachten Glorwürdigsten und Unüber- 
windlichsten Kayserlichen Ertz-Haus Oesterreich vorzuzlt 
sich hochmüthig unterstanden. wann sie denselben alleir 
nichtsandersvergleichen als mitder Sonne, dann gleichwii 
eine Sonne, also auch nur ein Regierender Welt-Monarch 
undwie dieselbeeine Herrscherindesgantzen Firmament: 
des Gestirns. also auch dieser König auf Erdenü", 
warendle Habsburgergezwungen,daraufzu reagie 
Mit dem Triumphbogen der Niederleger anlaßlich 
Krönung Josephs I. zum Römischen König 1690"" 
dem wenig späterebenfalls von Fischer von Erlach 
worfenen zweiten Projekt für Schönbrunnw" wurde 
junge Monarch denn auch deutlich als nnovus solr 
vsol romanusrr - neben Leopold-Jupiter (I) - 
herrlicht. 
Das damals vom Bamberger Hofmaler Melchior S1 
im Kaisersaal von Kremsmünster ausgeführte Decl 
fresko mit dem Sonnenwagen kann daher wahrsch 
Iich ebenso als Allusion auf den Kaiser verslandenl 
den wie die späteren Darstellungen dieses Thema 
den KalsersälenderSchlösserArnsdorf(1714ebeni 
von Steidl)"" und Milotice (um 1722). 
Die mcnumentalste und gleichzeitig eindeutigste Ri 
slerung erfuhr dieses Thema jedoch erst 1739 in 
gers Deckenfresko der Göttweiger Kaiserstiege dL 
die tatsächliche Identifikation Karls VI. mit Phöl 
Apollof" 
Der beim Sonnengott Apollo und beim Weltenherrsc 
Jupiter besonders naheliegende Zusammenhang 
den kosmologischen Allegorien der Jahreszeiten, 
mente und Erdteile weist schließlich darauf hin. daß 
che in zahlreichen dergenannten Räume anzutreffe 
Personitikationen wohl nicht - wie Herbst meint 
wohne Beziehung zu einem imperialen Programme 
hen. sondern wie schon beim Bernsteinthron l 
polds I. und bei derTriumphptorte Josephs den mit c 
Kaisertum verbundenen Anspruch der Habsburger 
die Weltherrschaft zum Ausdruck bringen.
	        

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