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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 203)

2 Matthäus Günther. wMartyrium des hl. Marinusu. Zustand vor 
der Restaurierung. Augsburg, Deutsche Baruckgalerie 
s  
3 Mallhaus Gunlher, vMavlyvwum des hl. Marmusu. Rot! am lnn, 
Fresko um bsthchen Gewölbe der ehem Benedlkunerkwrche 
An 
1 
merkungen t - 6 
Die Skizze war vom Vorbesitzer rea4 Hermann Bauer ln München vor- 
gelegt worden. der sie als ersler identilizierte. 
Hermann Bauer, Eine wiedergelundene Skizze Matthäus Günthers lür 
Roll am lnn. in: Das Münster, il. 1958. S. 267 ll. 
Apollo als Gott der Musik. Hälfte der Olskizze für dre Decke des Musik- 
saals im Stuttgarter Neuen Sohloß, 1976 aus Pariser Kunsthandel 
erworben, Musees de la Ville de Tours, sowie Venus vnr Jupiter, frag- 
mentiene Skizze für das Mltielteld des Aeneaslreskos im Stuttgarter 
Neuen SchloB. um 1978 aus Pariser Kunsthandel erworben. Frivatbe- 
sitz Mainz. Vgl. Johannes zahlten. Das Aeneaslresko Matthäus Gün- 
thersimStuttgarterNeuenschloß.in:Fantneon.XXXVlI,1979mS.i52. 
Farbtafel l. sowie Johannes Zehllen, r-Ein Saal von Apollo die Musique 
zu probieren: Im Stuttgarter Neuen Scnloß, In: Aussiellungskalaiog 
Barock in Baden-Württemberg, Brucnsal 1981, 5d. 2. S, l 12 ll, Abb. B. 
Willi Birkrnaier. Benedikt II. Lulz von Lutzenklrchen -Abt. Bauherr und 
rrHelllger verschwenden, ln: Rott am Inn. Beitrage zur Kunst und 
Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei, neraesweqeben von 
Wllli Btrkmsler, Welßenhurn rosa. s 1a. 
Hermann Gundershelmer. Mennaue eunrner, Augsburg rsao, s. a2. 
S. St. Anm. l53. 
w. Birkmaier (vgl. Anm. 4). s. 74, 75. 
schon 1757 mit der zunächst geplanten Renovierung 
und Modernisierung der baufälligen Klosterkirche in 
Flott beauftragt wordenf mit Fischer, dem Architekten 
des Neubaues, hatte Feichtmayr um 1736 in Diessen 
zusammengearbeitet. 
Dem Beginn des Neubaus muß eine ungewöhnlich 
genaue und detaillierte Planung vorangegangen sein. 
Am 30. April 1759, mehr als einen Monat vorder Grund- 
steinlegung, erhielten nicht nur der Architekt. sondern 
auch der Stukkator Feichlmayr, der Maler Günther und 
die Bildhauer Gotsch und Günther unterschiedliche 
Beträge für ihre Modelle ausbezahlt. Auf den Freskan- 
ten Günther entfielen 43 Gulden 8 Kreuzerf Damit 
dürften die beiden Ölskizzen in München und Augsburg 
gemeint sein, falls nicht auch eine dritte für das west- 
liche Kuppelfresko dazugehört hatte. Am 25. März 1 803 
verzeichnet nämlich der rwHerr Komissär Dillisu unter 
den Gemälden und Kupferstichen. die er in dem aufge- 
hobenen Kloster ausgewählt und in Kisten verpackt 
hatteä xEine Skizze von dem Dekenstük der Kloster 
Kirche mit der Geschichte des H. Benedict. Von Gün- 
ther. Eine dergleichen Skize von dem Nemlichen. Beyd 
auf Leinwand: Eine weitere Kiste enthält "Ein Decken- 
stück aus der Klosterkirche von Günther ohne Namemr. 
Dabei könnte es sich um die dritte Kuppelskizze han- 
deln,die indessen bishernlcht aufgetaucht ist.Auch die 
Skizzen für die beiden Seitenaltarblätter hatte Dillis 
damals aus Flott abtransportieren lassen. 
Ausgeführt wurde unsere Skizze vermutlich erst zwei 
Jahre später. lmAugust 1760 hatteJakob Rauch mitder 
Stuckierung im Choralchor begonnen, vom 4. Juni bis 
14. August des folgenden Jahres arbeitete Günther 
erstmalig an den Fresken. Nachdem er 1762 fünf 
Monate. vom 5.Juni bis6. November, 1763 dagegen nur 
vom 7. März bis April in Rott tätig war, das westliche 
Fresko aber 1763 datiert ist. wird man das östliche 
Fresko an den Anfang der Arbeiten setzen dürfen. nFür 
die Frescomalereyem wurden insgesamt 1700 Gulden 
ausgegeben? 
Die Ausführung (Abb. 4) unterscheidet sich nicht unbe- 
trächtlich von derSkizze. Aus der reinen Kreiskornposi- 
tlon ist ein Quadrat mit abgerundeten Ecken und leicht 
gekurvten Seiten geworden, während die Skizze offen- 
barnurfürdie eigentliche Wölbungsschale vorgesehen 
war. Günther mußte daher seine Komposition in die 
Ecken hinaus erweitern und dem Verlauf des vergolde- 
ten Stuckrahmens anpassen. Dementsprechend teilte 
er sie in vier Szenen auf, die er um die Apotheose des 
Heiligen inder Mitte herum an dievierSeitengruppierte. 
Der brennende Scheiterhaufen bildetjetzt die Hauptan- 
sicht, rechts folgen der Stutzer In der Unterhaltung mit 
dem Türken und die Holzträger, links staffelt sich die 
Klause mit der Soldateska empor. Die vierte Seite neh- 
men, auf den Kopf gestellt, die Engel auf den Wolken- 
bänken und die in Ausdehnung und Größe reduzierte 
Landschaft mitZeltlager, Wald und Klause des hl. Ania- 
nus ein. Verändert sind auch die Gruppen selbst. Die 
Flammen umlodern den Körperdes Toten zu beiden Sei- 
ten. die Schergen sind symmetrisch angeordnet. Der 
Türke hat sein linkes Bein angewinkelt, dafür erhalten 
dieHolzsammlerundTrägermehrPlatz. Die linke Szene 
ist sogar thematisch neu gestaltet. Das grausige Marty- 
rium fehlt, nur die zerstreut herumliegenden eisernen 
Haken und Morgensferne deuten die vorangegangene 
Untat an. Statt dessen beschäftigt sich die Horde mit 
der Plünderung der Klause. mit dern Verpacken schwe- 
rer Ballen, dem Transport einer Schatztruhe. der Ver- 
schleppung kostbaren kirchlichen Geräts. In dervierten 
Szene oben wird klein, aber deutlich. der kranke Anfa- 
nus in der Tür seiner Klause sichtbar. 
Diese Unterschiede haben nicht nur mit der Formabän- 
derung oder der Übertragung in den größeren Maßstab 
des Freskos zu tun. Vielmehr äußert sich darin ein künst- 
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