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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 198 und 199)

Erschließung allerdings noch aussteht - fallen 
che iiunrömischeu Eigenheite auf. Nach der Ein- 
Jng des Fronleichnamsfeste u Anfang des 14. 
hunderts und seiner raschen Verbreitung entstan- 
zum Beispiel eigene Votivmessen nDe corpore Chri- 
die als sogenannte Aussetzungsmessen während 
ganzen Jahres an allen Donnerstagen außerhalb 
Wonleichnamsoktav zelebriert wurden und die vim 
mittelalter in Deutschland und Österreich zu den 
ebtesten Volksandachten gehörtentt." Schon um 
l" hatte Abt Johannes vom Benediktinerkloster 
leter in Salzburg eine frühere Schenkung dahinge- 
l vermehrt. daß der Wochenpriester jeden Don- 
tag eine Messe iiDe corpore Christin lesen sollte; 
dings ist daraus nicht zu ersehen, ob damit schon 
Aussetzung des Allerheiligsten verbunden war. 
2h die Alte-Bürger-Bruderschaftas gestiftet, wurden 
lonnerstäglichen Aussetzungsmessen in der Salz- 
er Stadtpfarrkirche in besonders feierlicher Form 
iert: vErstlich daß durch den Mesner jeden Pfinztag 
mers um 6 und winters um 7 mit dergroßen Glocken 
ein viertel Uhr lang geleitet werde, S0 sich nun solches 
Läuten vollendt. sollen ein iedlicher Nachpfarrerß. 
Caplan, Cantor, sambt denen zweyen S. Andre und S. 
Sebastian Althäreny Caplänen, auch alle Priester, so 
[in der Stadtplarrkirche] gestiftte Mess haben, sambt 
des obgemelts Nachpfarrers Schreiber, aines Stifts- 
herrn zwen Schreiber und den vier Corporales oder 
Schülern, so singend mit dem hochwürdigen Sacra- 
ment gehen, von Stund an das sein. [Dann soll] der 
Nachpfarrer das heilige Sakrament aus dem 
Sakramentshäuschen" iAbb, 30] nehmen und auf den 
höchsten Altar tragen, darnach aufheben und singend 
mit den obbemelten Priestern und Personen tragend 
umgehenundnachsolchemUmgangwiedera bemel- 
ten Altar setzen, daraufhin den Antlaß, damit dieselb 
Bruderschaft begabt, öffentlich verkündigen. Dann soll 
das Ambt. so weylandt der Aufner selig", gestiftet. 
durch gemelten Nachpfarrer oder Caplan mit der Orgel 
gesungen und löblich volbracht werdemr" Hatte noch 
Erzbischof Wolf Dietrich von Raltenau (1587 1611) 
gleich nach Beginn seiner Regierung zu der Donners- 
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tagsmesse der Stadtpfarrkirche die erzbischöfliche 
hHofcantorey und Hofmusic verordnetrr", so hatte sein 
Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems im Zuge der 
gegenreformaforischen Bestrebungen der von ihm 
iiden 29. Juny 1613 fundierten Bruderschaft Corporis 
Christi mit ihren purpurfarbenen Kuttentt" die mittel- 
alterliche Priesterbruderschaft" und die Alte-Bürger- 
Bruderschaft inkorporiert und ihr imJahre 1618die von 
Wolf Dietrich begonnene und von ihm vollendete Salva- 
torkirche in der Salzburger Kaigasse" übergeben; eine 
(iiretormierteir?) Donnerstagsandacht wurde ab 1629'5 
in der neuen Domkirche abgehalten. 
Leiderwird hierwie in ähnlichen Zeugnissen dergenaue 
Weg der Prozession nie beschrieben. Aber die vielen 
Stiftungen in anderen Städten, etwa 1432 für die Stadt- 
pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau in München"; oder 
1423 für die Sfadtpfarrkirche St. Jakob in Straubing", 
ihre reiche Dotierung und ihre stetige Bestätigung 
durch Bischöfe, Kardinäle und Päpste" zeigen von 
einer fast uneingeschränkten Zustimmung der damali- 
gen Ordensgeistlichkeit und der Pfarrbevölkerung, sie 
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