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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 198 und 199)

Salzburg, Franziskanerkirche. Sakramentshäuschen (1446 
datiert) in der nördlichen Lsibung des Chnrbogens 
Eggelsberg, Pfarrklrche, lnnenansicht gegen Westen 
merkungen 38 - 56 (Anm. 38 - 48 s. Text S. 21 7 
m. 57 - 85 s. S. 24) 
Das bei der Restaurierung der Franziskanerkirche ln den Jahren 1951 
bis 1955 aurgefundene Sakramentshausctlen gehörte nicht, WIEThGO- 
dor Hdppe In selnern Ftestaurierungsbericht(in. Ost. Zeitschrittf. K. u. 
Denkmalpflege e. 1955. s 99 mit Anm. r) annahm, zu einem während 
der eairzeii des gotischen Chores ausrirlisweise aulgeslellten Hochal- 
tar. der an einer das Langhaus von der Baustelle trennenden provisori- 
sehen Abechlußwsndstand, 144Edatiert,wurde eszusammen rnitdem 
darnels fertiggestellten cndrbdgen geschatlen, rider erst in Angriff 
genommen werden war, als die Erweiterung des Hallenraurvles nach 
demEntwurtdes Hannsvon Burghausenendgültlg aufgegeberiworden 
waru (Jan van der Meulen, Die baukünstlerlsclle Problematik der Salz- 
burger Franziskanerkirche, in! ÖZIKD, I3, 1959, S. 52 - 59, hier S. 57 . 
Das Sakramentshäuschen erfüllte seine Funktion vielmehr bis 160 
damals hatte Erzbiscnol Wdlt Dietrich von Raitenau uauf den Hoch- 
Althar in der Ptarr einen schönen vergulden khunStliCherl Tabernackl 
zu dem hochwürdigen Sacrament machen lassen, welcherrabernsckl 
an die G00 Gulden selle gestanden haben, denn vormals ist das hoch- 
wurdlgSacrarnentan einem unachtsamen Ort gleich oberhalbderStie- 
gen gegen dem Prodigr-siuei iibergestandenrlucsi. 13, 1073, Nr. 159 
au! s. 90), Fur die Lage dieses Sekrarrientshätuschens war WOhl die 
Nahe zum r-"ragrneß-Aliar- ausschlaggebend, worauf an anderer Stelle 
ausführlich eingegangen wird 
Martin Aufner, ein Enkel des gleichnamigen, im Text oben bei Anm, 11 
genannten Salzburger Kaulmanns, übergab arri 1 i. April i4D7(Konsl- 
storialarchiv Salzburg. ou o 40) an den salzeurger siadiplarrer das 
Gut Obertanigstetten am Heileerg, damit der Stadtplaner rund alle 
sein nachkommen all Wochen an dem ptincltag in der pfarr das ampt 
singen sullen vOn ediesleieriennern. 
Johannes Slairihauser wiederholt rnit diesen Worten in Seiner 1B!!- 
Schreibung aller Khirchen, so in der Statt Salzburg zu linden ,_ r von 
1593(Handschrlfi Nr. Hri 438GB! Prleslerhausbibliorhek Salzburg, hier 
s. 542) lasi buchstabengetreu den enlsprechenden Teil einer Original- 
urkuncfevom 2B. Juli i509(Konsistorialarchlv Salzburg. OU A 507). mit 
der Dr Johannes Prarner, Domherr und Stadtplaner zu salmurg, mit 
Wissen und Willen des Erzblschuls Leonhard VOn Keutschach die Er- 
neuerung der Stillung der Dcnnersiagsprozesslon in derStadtplarrklr- 
che durch die Alle-Burger-Bruderschali beurkundet 
Johannes Stainhauser wie Anm. 40, hier S 644. 
Lorenz Hühner, Beschreibung der . , , Stadt Salzburg, I, 1792. S, 266. 
Zur Priesterbruderschelt Vgl; Christian Greinz wie Anm. 36. hier 
S. IBS- 190. 
Zur Saivatorklrcne: Johannes Graf Moy. Beitrage zur Geschichte des 
r-Neubaues: In Salzburg, in MGSL 109, 1965, S. 185 - 220, hierS. 212 
bis 217 
Dazu: MGSL 13, 1571330, als Anmerkung Zu Nr 40. 
Monumente Bolca 20, 181 1, Nr. CCV aufS. 254 7 255. 7 Peter Pfister 
und i-lanenarviisch, Die Frauenklrchezu München, München 1983, hier 
S l1. 
Urkundenbuch derStadtSiraubing, 191 W191i), hier Nr. 32631115. 263 
bis 264. 
Vgl. ' Bestätigungen zu der in Anmerkung 40 genannten Erneuerung 
derStiftung der Donrierslagprozession in der SalzburgerStadtpfarrklr- 
che a) durch Erzbischof Leonhard von Keutschach vom 18. Oktober 
1509fKons a. 8., OU A365). biBernsrdin, Kardlnaibischofvon Frascati 
undpapstllcher Leget In Deutschland, bewilligte am 5.Augusl1508der 
AIten-BiJrger-Bruderschaft, die Donnerstagsämter vor auscesetzlem 
Allerheiligsten anstatt wie bisher an dem dem hl, Petrus geweihten 
AltarderBruderschalinun am HochaliarderStadtptarrkircheabhalten 
zu dürfen (kdns. a, s,. ou A 3er). c) Papst Jullus ll gestattete am ls, 
Februar 1509iKdnS. a 5., OU A 505) der genannten Bruderschaft, die 
Donnerstagsprozession im Falle einer Verhinderung ausnahmsweise 
am vorhergehenden MittWOCh zu halten und verlieh am 2, März 1509 
(KOns. e.S ,OUA506)tl.lrdle MltteiervOn Prozession undAmt genannie 
Ablasse, 
Dazu Browe Wie Anm. 33, hier S. 123 -134. 
lgnazZiberrnayr. Die Legatibn des Kardinals Nikulausvon kuesunddle 
Ordensreform in Salzburg, Mirnsrer. 1914, 
Brcrwe wie Anm. 33, hier S 170 
Florian Dalham. Concilia Salisburgensis, Augsburg was. s 235; altem 
urevidearur quod sacramentum eucharistiae norl liai nirnis edrnrnune, 
quialerrlisquintispercertos deferturpubllcecumprocessione perecc- 
lesias et circuites In ecclesiis absque Iicentia superiorum. Et hDC idem 
fita rellginsisterllsquinlls. perhclc attrahentespopulum et impedientes 
iura parochlalia . 
Dalham wie Anm. 52, hier S. 2392 altern dignetur Sacra Synodus istam 
mirabilem, imo revera insanarn consueiudinem imrnutare et delere, 
gue in quibusdam psrdeniis die Hesurrectlunls Durninicae mane vene- 
rabitis Sacramentum manibus presbyteii euntis vel equltantls, 
adiundia sibi plebeslrie reverentia et devntione. rnDdO quodam ridiculd 
clamorlbue et cantibus insolitls per circulium oarochlae detertuu 
Ludwig Andreas Velt, Volksfrommes Brauchtum und Kirche im deut- 
schen Mittelalter, FrelburgIBr. 1936. hier S. 106 
Kdnsisturialarchlv Salzburg, Franziskanerkirche. Oeconomica 5170. 
Emil Joseph Lengeiirig, Die Bitiprozesslorlen des Domkapilels und der 
Pfarreien der Stadt Münster vor dem Fest Christi Himmelfahrt, in' 
Monasterium k Festschrift zum siebenhundertjahrigen Weihege- 
ddchtnis des Paulus-Domes zu Münster. Munster 1965. S 151 - 220, 
-- olid von walipach (Die Verehrung des allerhelllgsten Altarsakra- 
menlee in ger Erzdiözese Salzburg, Salzburg 1912i gab nur dberiiserr- 
lieh einen Uberbiick über die iheophorlscnen Prozessionen in Salzburg 
zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 
 
 
 
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räumten Bau der Pfarrkirche Großgmain - mit seinen 
sieben Säulen ursprünglich nein treues Abbild der Fran- 
ziskanerkirche in Saizburgrr" - zu dem Augustiner- 
chorherrnstift St, Zeno bei Fleichenhall, war Hochburg 
sowie die Stadtpfarre und damit die Spitalskaplanei in 
Braunau dem Kloster Ftanshofen, Anger dem in Hügel- 
wörth inkorporiert. Ist es damit zusammenhängend 
wirklich nur Zufall, daß die Bestrebungen des schon 
erwähnten Kardiriallegaten Nikolaus von Kues um die 
Durchführung der riRaudnitzer Fteformir in den Augusti- 
nerchorherrnstiften der Salzburger Kirchenprovinz in 
den genannten Klöstern scheiterten, daß sich die Kano- 
niker des Salzburger Domstifts am 4. Februar 1451 an 
Papst NikolausV. mitderBittewandtemermögesie von 
der Durchführung der Reformbestimmungen befrei- 
en", daß nweder in Ranshofen und Reichersberg noch 
in St. Nikola die Anordnungen derCusanischen Kloster- 
reform befolgt wurdenir?" Die Baugeschichfe aller die- 
ser Kirchen kann hier nicht im einzelnen behandelt wer- 
den; Norbert Nußbaum hat die gesamte Literatur dar- 
über sorgfältig zusammengestellt." Aber: Ist es wie- 
derum nur Zufall. daß durch gewisse gegenreformati- 
sche Tendenzen und durch analoge Bestrebungen im 
19, Jahrhundert die Mittelstütze in der Hauptachse der 
Kirchen von Anger. Braunau, Berg. Hochburg, Schnait- 
see und Tacherting nach entsprechenden Veränderun- 
gen des Gewölbes entfernt worden ist? - Sie sei näm- 
lich nunpraktischk meinten jeweils die Pfarrherrn. 
Die Braunauer B gerspitalskirche warwie die Kirchen 
dergleichen Funktion in Landshut und in Meran-auch 
diese mit Mitlelsäule" 7 dem Hi. Geist geweiht. In 
Braunau entsprachen dem Hauptpatrozinium und den 
beiden Nebenpatrozinien (Maria bzw. ZwölfApostelidie 
Patrozinien des Hochaltares im Chor und der beiden 
Nebenaltäre in den Seitenapsiden. Haben auch die drei 
Stützen dieseirBede-utungri? Norbert Nußbaum stellte in 
dem, irGedanken zur lkonologier überschriebenen. 
Kapitel seinerArbeit fest, daßdie Braunauer Bürgerspi- 
talskirche in ihrer uns überkommenen Gestalt keine 
unmittelbar programmatischen lnterpretationshilfen 
biete, ndie zu einer Benennung zeichenhafter Bezüge 
der Bauformen Anlaß und Anleitung geben könntenri, da 
von iider Bildersprache des ehemaligen Inventars, der 
Fensterverglasung und einer Freskierung der Wände 
nichts zu vermelden istir." Nußbaum scheint die Suche 
nach einersolchen wBilderspracherr nichtfürso notwen- 
dig zu halten, da für ihn sowieso feststeht, daß die den 
Bauformen auferlegten Sinngehalte in der Gotik irge- 
meinhin spekulativen Charakters seien, weil sie nicht 
auf rationale, jederzeit benennbare Zeichen verallge- 
meinert sindri," Er nennt deshalb Deutungen für das 
Spätmittelalter, die die vFormelri vom irdischen und 
himmlischen Tempel wiederholen, ripopularisierendir" 
und meint schließlich feststellen zu müssen: nSelbSt 
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