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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 198 und 199)

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den Kirchen" überhaupt erst im dreizehnten Jahrhun- 
dert nachgetragen wurden. Derselbe Eindruck wurde 
sogar noch unterstützt durch die Ansicht Eislers, daß 
die Erwähnung des in Millstattverehrten Herzogs Domi- 
tian zum 5. Februar (Abb. 4) nicht der ursprünglichen 
Kalenderlassung angehöre, sondern erst ein halbes 
Jahrhundert später eingefügt worden sei.'" 
Die Erwähnung der nTranslatio Benedictiw zum 11. Juli 
(Bl.86v)kannzwarauchnichtdieeben geschllderteAul- 
fassung entkräften, ermöglicht aber Insofern eine 
genauere Eingrenzung. als sie auf eine Benedikti- 
nische" Provenienz des Kalenders und der gesamten" 
Handschrift schließen läßt. Man kann also annehmen, 
daß das zu bestimmende Missale in einem Benedikti- 
nerstift des Salzburger Erwistums geschrieben wurde 
oder wenigstens für ein solches bestimmt war. 
Will man darüber hinaus noch eine genauere Zuord- 
nung erreichen, istzunächst ein Vergleich mit Kalenda- 
rien zeitgenössischer Salzburger Handschriften erfor- 
derlich, wie etwa dem des Antiphonars von St. Peter" 
(Wien. ÖNB, Cod. Ser. n., 2700) und dem des Toten- 
buchs des Salzburger Domsliftes" (St. Peter, Cod. a lX 
7). Dabei werden schon nach einer kurzen Gegenüber- 
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stellung wesentliche Unterschiede sichtbar. die im fol- 
genden kurz zusammengestellt seien: So lehlen in den 
Salzburger Kalendarlen die Nennung des Cluniacenser- 
Heiligen Odilo" zum 1.Jänner (Bl. 83V), der Eintrag des 
hl. Phoca" zum 14. Juli (Bl. B6v) oder die Erwähnung 
des sonst nur in Freising verehrten Abtes Nonnosus 
zum 2. September(i3l. 87V). Keine Entsprechung haben 
in Salzburg auch die Festvermerke alttestame licher 
Heiliger, wie der des Propheten Daniel zum 21. Juli 
(Bl. 86V), der des letzten Richters Samuel zum 20. Au- 
gust (Bl. 87r) oder der etwas jüngere Nachtrag des 
Festes des Propheten Jeremias zum 1. Mai (Bl. 85V). 
Abweichend gegenüber Salzburg ist aber auch die 
Bewertung verschiedener Feste. So werden nur im 
Kalender des Mlllstätter Sakramentars die Feste des 
hl. Blasius(3. 2.).des hl. Marcus(25. 4.; Patron von Vene- 
dig), des hl. Apollinaris (23. 7.; Bischof von Ravenna), 
des hl.Ägidius(1.9.)oderdes hl. Lambert(17. 9.; Patron 
von St. Lambrecht) als Feiertagemotschrelbung)einge- 
tragen. 
Auf der anderen Seite werden im Millstätter Sakramen- 
tar die fürSalzburg so bedeutenden Feste des hl. Aman- 
dus" zum 6. Februar (Abb. 4) und die Translatio sancti 
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