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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 198 und 199)

lalzburgerBeispielfürrückseltigeVerdürertmale- 
Elfl Marienbild mit dem hLThomas und Stifter des 
-rs von Großgmain, 1483, in der Prager National- 
i'. Häufig wurde auch die Rückseite von soge- 
en Standfiügein, das sind seitliche, nicht mehr 
ire Außenfiügei größerer Fiügelalläre, mit Verdü- 
malt, so in Zwickau 1479, Schwabach 1506 und 
ieim Marthaaltar in St. Lorenz in Nürnberg. 
serem Aitärchen Iäßt diese Verdürenmalerei den 
izu, daß es nicht für einen Standort gedacht war, 
iseine Rückseite unmittelbaran eine Wand stieß, 
'n daß es frei im Raum stand. Dies schließt wohl 
ursprüngliche Bestimmung fürdie Kirche in Nonn 
r die es dem Format nach allenfalls als Seitenai- 
bei geeignet gewesen wäre. Eher ist zu vermu- 
ß das Täfeichen aus dem Augustinsrchorherren- 
Zeno in Reichenhaii stammt, zu dem das Nonner 
ein biszurSäkuiarisaticn gehörte unddas von dort 
currendo versehen wurdeä. 
ilche Herkunftwürde auch am ehesten Reste von 
ack mit nicht mehr deutbaren Siegeibiidern auf 
ckseite der Tafel erklären hellen. Sie gehören 
til nach dem 18. Jahrhundert an und sind wohl 
1 einer inventarisation im Rahmen einer geord- 
Verwaitung, wie sie in größeren Stiften schon 
s üblich war. in der ehemaligen Stiftskirche von 
okönnen Altäre im 15. Jahrhundert in den Seiten- 
n zwischen den noch heute in situ befindlichen 
gen mit der Schmalseite an die Außenwände 
en haben? Die Rückseite der Retabeitafeln war 
Osten herfrei zu sehen. Um ein solches Seitenai- 
bei muß es sich bei unserem Täfelchen handeln. 
rei Dübeliöcher an der Unterseite des Rahmens 
, stand es ursprünglich noch auf einer Predella, 
Stilistisch gehört die Malerei in die Zeit um 1470. 
Damals geschah in Salzburg, relativ spät gegenüber 
den schwäbischen und bayerischen Städten. eine 
intensive Rezeption der Kunst des niederländischen 
Realismus in der Nachfolge der Brüder van Eyck. des 
Meisters von Flemaile, des Rogier van der Weyden und 
des PetrusChristus, die sich seitetwa 1467 im Laufener 
Hochaitar und verwandten Werken nachweisen laßt'. 
Auch bei unserer kleinen Tafel sind niederländische 
Vorbilder wirksam: Die suggestiv erzählerische Bildge- 
stalt der Geburt Christi geht in ihrer Gesamtaniage und 
in charakteristischen Details. wie dem metallischen 
ovalen Nimbus unterdem Kind, der ruinösen haibhohen 
Quadermauer als biidparallelem Mittelgrundabschiuß 
undden überdieMauerindas BildhereinbiickendenHir- 
ten auf die GeburtChristi von Petrus Christus. um 1445, 
in der National Galiery in Washington, zurücks. Frag- 
lich bleibt bei dem Maler des Nonner Bildes lediglich, 
auf welche Art die Übermittlung stattgefunden hat. 
Petrus Christus war für andere bayerische Meister der 
Zeit, etwa Siegmund (Huetter?) von Freising, unmittel- 
bares Vorbildg. Die Reduzierung der Details bei dem 
Nonner Bild auf Allgemeines scheint aber eher darauf 
hinzuweisen, daß unser Meister seine Kenntnisse aus 
zweiter Hand erworben hatte, wozu er im Nachbar- 
bistum, in Freising, Gelegenheit gehabt haben könnte. 
in der Kirche in Liefering nahe Salzburg, gleichsam in 
Sichtweite von Reichenhali, haben sich acht Bilder 
eines Fiügeialtars erhalten, die stilistisch eng mit dem 
Nonner Bild verwandt sindw. Sie erscheinen insgesamt 
etwas fortschrittlicher, doch gleichen sich charak- 
teristische Detaiis bis hinein in den Duktus des Farb- 
auftrags so sehr. daß derselbe Maler als Urheber 
angenommen werden muß. Erwurde von der Kunstge- 
schichtsschreibung nach dem Aufbewahrungsort der 
acht Bilder als vMeister von Lieferingir bezeit 
Nach der Lage der beiden Orte, aus denen Bilder: 
Hand stammen, ist nichtdaran zu zweifeln, daß er 
Werkstätte in Salzburg betrieben hat. 
In der Ausstellung wSpälgotik in Salzburg, Die M. 
1400 -1530rr ordnete Aibin Rohrmoser" den Alte 
Liefering in die Zeit um 1465 ein. Diese stilkrit 
Datierung erfährt dadurch eine gewisse Einsc 
kung, daß erst zwischen 1469 und 1475 Ablässe fü 
tungen zum Bau und zurAusstattung der Kirche in 
ring verliehen worden sind? Auch wirken gegei 
den 1467 datierten Bildern des Lautener HOChi 
sowohl das Nonner Alfärchen als auch die Tafel 
LieferingerAltars deutlich moderner". Ich möchtr 
halb mit dem zeitlichen Ansatz etwas hinautrü- 
Gegen 1470 fürdas Nonner Bild, 1470175 für die i 
ringerTafeln. Damit gewänne auch eine ansprecl' 
Beobachtung von Alfred Stange mehr Signifikanz 
inden Bildern des Meisters von Lieteringeine ders 
schen Quellen für das Werk des Meisters von f 
gmain sieht. wobei er nicht nur an ein Lehrer-Scl 
Verhältnis, sondern auch an eine unmittelbare l 
stattübernahme durch den jüngeren Meister denl 
das früheste datierte Bild des Meisters von Großgi 
die bereits erwähnte Muttergottes mit dem hl. Thl 
und einem geistlichen Stifter in der Prager Nati 
galerieß, die Jahreszahl 1483 trägt, könnte er um 
seine Tätigkeit in Salzburg auf- und die Werkstaf 
Meisters von Liefering übernommen haben. Seir 
haltnis zu Rueiand Frueaufd. Ä., wie es Baldass d 
legt hatw, bleibt von dieser Beobachtung Alfred 
ges unberührt. Mit dem Fund des Nonner Altärc 
gewinnt unser Bild von der Saizburger Malerei der 
ziger Jahre des 15. Jahrhunderts neue Akzente. 
ner von Lieleringu. Aulerslandener Christus mit Maria 
Walena (Detail aus Abbildung 1) 
ungen 4 - 16 
g von Baldass, Conrad Laib und die beiden Rueland Frueaul. 
1945, S. 71. Nr. 110. Nach dem Ausslellungskalalog Salzburg 
relindel sich das Bild im österreichischen Kunslhandel. dagegen 
zs G Wachmeier, Prag, Ein Kunsl- und Reiseführer. Sluligan 
, S. 337 als Bestandteil der Prager Nationalgalerie aul. 
Mayer. Georg Weslermayer. Sralisliscne Beschreibung des 
lums MünchenrFreising, Regensburg IBBO. ll. S. 123 H. 
insldenkmaledes Königreiches Bayern. Die Kunsldsnkmale des 
rungsbezirkee Oberbayern. G. v, Bezold. B. Fliehl, G. HigBr. 
eil. München 1905. S. 288D (Grundriß der Kirche S1. Zeno). 
Flamisch, Der Fridoliinger Altar. In Jahrbuch der Slaallichen 
Sammlungen in Baden-Württemberg 1. 1964, S. 145 - 153. 
Panolsky. Early Nelnerlandisn Painling, Cambridge Mass. 1966, 
Flale 249. 
Ramiscn in Didzesanmusreurn für cnrisll. Kunst des Erzbislums 
ran und Freising. Kataloge und Schrlllen Band l, Peler Sieiner, 
lenke, Leingaben. Erwerbungen 1975- 1982. München 1952. 
7 22. 
m13. Farblalel ll. S. 50 Nr 24. 
1m, 3, S. 105 ll., Nr. 65 - 73. Farblalel VI b. Tal. 37, 38. 
"aul Buberl. Die Denkmals des Garlchlsbezlrkes Salzburg, Wien 
S. 33 und Fug. 309 w 316. ES lSl zwar üherlialerl, G35 die 36h! Bll- 
xh in der Friedholskapelle von Lielering landen. bevor sie In dle 
everbracht worden sind, doch können sie dorthin ebensogul aus 
die gelangt sein. als man in der Barockzerl dorl ein neues Hoch- 
rrabel anscnalfte. Zu diesen Vorgängen vgl. Hans Hamlscn, Rea- 
s rrgesunkenes Kullurguu, in: Lebendige Vdlkskullur, Fesigaba 
Sabeih Rolli zum 60. Geburtstag, Bamberg. 198D. A. 227 - 238 
1m. 9. 
Stange, Deutsche Mslarei derGotlk. m. Band, Sailburg, Bayern 
rol in der Zelt von 1400 bis rsou. München 1950, s. 44 und 45. 
1m. 4 
1m. 4
	        

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