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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

ergestellt und verleimt. Der sechste Punkt betrifft 
in und Pfeiler. Danach wkönnen dieselbe auß har- 
oltze nach dem verjüngten Maaßstabe gedrehetl 
"eitet werden; Aber die Knäuffe und Seulenfüsse 
an besser auß Bley gegossen. Scamozzi preisetl 
ian die Stämme auß schönen Holtzelweiches des 
iors I den man gebrauchen will I Farbe am nech- 
xämelbereiteSiekonten abersonstenlwann man 
einen Stein zubrauchen gesonnen ist: auch auß 
ipffel : Bäumen oder auß Birnbäumen-Hoitze 
g thun . . ß 
achten I die Baumeisterische Zierden I als die 
itschnüre I Bilder: Blinde I Bilder: und Gelän- 
Gängiein kan man auch schnitzen . . . und kan dar- 
itwas auß Bley gegossen werden I besonders die 
an Stücke I die offtmahls in einer Grösse in einen 
er vorkommen . . . Man kan die Fruchtschnüre und 
eichen niederige Zierrathen in Stahl graben I und 
last schlagen . . .ri Gebalke und Sparrenköpfe sind 
auszuarbeiten, ndie Simse auff dem Fiammstock 
Jziehenri (Fiammhobel) spart Zeit gegenüber dem 
itzen. Nach weiteren Angaben für Dächer und 
knäute heißt es abschließend: iiWann also das 
:eMuslerbereitetlundaneinandergefügetistlkan 
tOeifarben nach dem Leben angestrichen werden 
man keinen Unterschied sehe I was auß HoItzeI 
was auß Bleye bereitet sey: jedoch muß man mit 
Iarben nicht der Sache heucheln, I daß man es 
1er mahle als es in Wahrheit seyn soliß Zu allem 
sind "geschickte Hand :Arbeiterii Voraussetzung. 
Wenn aber aus Geldmangel der Bau nicht ausgeführt 
werden kann. soll es den Baumeister nicht reuen. da 
dann nder Mangel" nicht an ihm gelegen seif 
Die verbindliche Rolle von Altarmodellen im Kraftespiel 
zwischen Auftraggeber und Projektanten zeigen am 
deutlichsten Wettbewerbe mit mehreren Konkurrenz- 
modellen, wie sie in der Barockarchitektur des frühen 
1B. Jahrhunderts mehrfach belegbar sind (1.8. Neue 
Sakrlstei von St. Peter in Rorn 17155. Wiener Karlskir- 
che 17166). Denn nur genaue Modelle konnten geistli- 
chen oderweltlichen Auftraggebern. die in Kunstdingen 
weniger erfahren waren, eine verlaßliche Urteils- und 
Diskussionsbasis liefern, wie der Dekan von Unertl 
1729fürden Hochaltarvon St. Peter in München treimüv 
tig zugibt: wWie aber sich ein grosses und khostbahres 
Werkh, als ein in diser Kunst nit genuegsamb erfahrner 
ohne einen Model zu setzen mir nit getrauet, so habe 
erwendten Asamb bedeithet. Ersolle eines dergleichen 
anfertigen . . .ii' Eben diese Motivation stand auch hin- 
terden beiden für den Hochaltarder Stiftskirche Zwettl 
erhalten gebliebenen, geschnitzten und illusionistisch 
gefaßten Altarmodellen. Das erste wurde 1726 nach 
den Planen von Matthias Steinl hergestellt; das in der 
Folge realisierte zweite Modell entwarfen in Zusam- 
menarbelt von Architekt und BildhauerJosef Munggen- 
ast und Johann Känischbauer. Für beide Modelle sind 
die mit der Ausfertigung betrauten Tischler. Bildhauer 
und Faßmaier bekannt und auch mehrere Entwurfs- 
zeichnungen erhalten? uer 1131 mit dem Pas: 
Bildhauer Josef Matthias Götz für die Bildhauer: 
der endgültigen Ausführung geschlossene Kor 
erwähnt eigens eine Vergrößerung seiner Fig 
gegenüberdem Modell um etwa 1 Schuh." Daraus 
die entscheidende Rolle der Modelle in der Beurte 
der Entwurfsproportionen erkennbar und geht ii'li 
deren maßstäbliche Konstruktionsform hervor, ot 
diese meines Wissens noch nirgends genau übe 
werden konnte. 
Ihrer zweiten Hauptfunktion nach sollten diese Mr 
mit Hilfe der im 18. Jahrhundert zu letzter Hocr 
entwickelten Faßmaierei einen Vorgeschmack de 
bigen und materiellen Erscheinung bieten. 
kamen, immer noch auf traditionell empirischer G 
iage, auch zahlreiche Ersatztechniken zum Zwecl 
Materialillusion zum Einsatz, bei denen kostbarel 
stoffe durch billigere lmitation dargestellt, aber 
gesteigert und optisch bereichert werden konnter 
den deutschsprachigen Malerhandbüchern c 
Periodegibtvcraiiem deriiWohianführende Mahli 
Johann Meichior Crökers (9 Auflagen von 171 
1804)'" einen guten Einblick in die Vielzahl von R 
ten und Techniken. die ihrerseits selbst bereits in 
langen literarischen Tradition stehen. Zur Bestät 
ihrer Anwendung benötigt man allerdings stets ve 
chende Prüfung der zeitgenössischen kunstte 
schen Praxis an erhaltenen Objekten. die vor alle 
Zuge der Befunderhebung für geplante Restaun 
gen nie versäumt werden sollte." 
Zu dem kunsthistorischen Interesse an derartige 
taticnen tritt mit der heute möglichen anaiyti: 
Überprüfbarkeit immer stärker auch die techn 
Seite, da bis ins Fiokoko wder Künstler noch sein eii 
Technologeri bleibt und erst gegen Ende des 18. 
hunderts (Johannes Beckmann, Göttingen 
erstmals Technologie als selbständige Wissens 
auftritt." Unterdiesen Perspektiven betrachtet, s 
die erhaltenen barocken Altarmodelle und derjew 
Vergleich mit ihrer Ausführung im großen ent: 
dende informationsquellen dar. nach dener 
ursprünglichen künstlerischen lntentionen Uni 
technisch-wirtschaftlichen Umstände ihrer Umse 
indasangestrebtewerkerstangemessenbeurteil 
den können. Daher erleichtern derartige Modelle 
die Beantwortung aller Fragen nach der vUrsprün 
keitii und wOriginalitäfrr der verwirklichten Arb 
Zugleich erhellen sie die Utopie dieser Begriffe im 
del langer Planungs- und Entstehungszeiten od 
folge der Spurentilgung durch spätere Schicksal 
Von den zahlreichen Großalfaren des österreichi: 
Hoch- und Spätbarock sind an Modellen neben r 
für Zwettl nur die für das Neukloster in Wiener 
stadtß und für Sonntagberg erhalten geblieben 
auch mit ihrer ausgeführten Großform zu vergiei 
innerhalb dieser Gruppe kann das letztgenannt- 
auch zeitlich späteste als das künstlerisch und 
nisch am meisten vollendete eingestuft werden 
SonntagbergerAltarmodell ist. wie die übrigen ge 
ten Beispiele (außer von Zwettl il). im Besitz s 
damaligen Besteilers.der Benediktinerabtei Seite 
ten. NÖ.,verblieben, gemeinsam miteinergraphi: 
Variante (Pricrat Sonntagberg), in dieser Zeits 
wurde dank der Forschungen von Franz Wini 
Graetz die Entstehungsgeschichte des Altares 
Sonntagberg und seines prachtvollen Silberrah 
für das Gnadenbild bereits dargelegt und zu letz 
auch das originaigroße hoizgeschnitzte Biidl 
modeil als Vorlage für den Silberschmied (jetz 
lin, Kunstgewerbemuseum im Schloß Charlotier 
identifiziert." Die 198OI81 durch das Bundesder 
amt in Wien erfolgte Untersuchung und Ftestauri 
des Sonnfagberger Altarmodelle liefert den Anlat 
nochmals mit dessen Besonderheit und dem Veri 
mit den Ergebnissen der 1967 abgeschios: 
Restaurierung des aufgeführten Hochaltares der 
fahrtskirche Sonntagberg zu befassen." 
Der in den Jahren um 1750 im Zenit seiner Berühi
	        

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