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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

7 Altarmodell zum Sonntagberger Hochaltar (Abb. 1). E 
nung während der Restaurierung 1980181. Rechts sin 
Schnitzliguren und gegossenen Ornamente abgenon 
und ist die originale rosa-blaue Marrnorierung freigele 
 
t jedoch die Goldinschriften sorgfältig ausgespart. 
s der fein abgestuften Farbkomposition der Marmo- 
'ungen dürfen wir jedoch annehmen, daß der Firnis 
priinglich nur als Oberflächenschutz und nicht als 
bverändernder Faktor aufgebracht worden ist, so 
5 durch den Restaurierungsvorgang seiner Entfer- 
tg keine Verfälschung desursprünglichen Fassungs- 
tzeptes eingetreten ist. 
te interpretierende Auswertung des Vergleiches die- 
kräftig bunten Modellmarmorierung mit dem verbli- 
anen Farbaspekt der gemalten Darstellung der zwei- 
big-hellen Marmorausführung fällt schwer. Hinsicht- 
1 derAusbleichung der Farben der gemalten Ansicht 
re eine gesonderte Spezialuntersuchung nötig. 
Ienfalls fallen heute dort die dunkeloxydierten Gold 
d Silber bezeichnenden Metallpulverhöhungen als 
I zu harter Kontrast zur Altararchitektur heraus. 
dererseits linden sich für den intensiven Blauaspekt 
r Modellfassung in Seitenstetten keinerlei Hinweise. 
daß auch hinsichtlich der Marmorierung die gemalte 
rstellung (ebenso wie in der SiIber-Weißmarmor- 
ferenz bei den Engeln) ganz in die Nahe der endgülti- 
n Ausführung gerückt werden muß. Zu diesem 
tgensatz der Farberscheinung von plastischem 
idell und Altarausführung ergeben sich mehrere Fra- 
n. Zunächst wird die ursprüngliche Absicht eines 
iglichen Materialillusionismus gemäß der geplanten 
sführungstechnik interessieren. In Österreich sind 
rartige blau-rosa gesprenkelte Marmore nicht hei- 
sch und entsprechen nichtden vor allem in Italien tra- 
ionellen Marmorsorten." Daher dürfen wir anneh- 
zn, claß dem plastischen Modell ein Sockel aus ech- 
n Marmor, aber Stuckmarmor für den Aufbau ent- 
rochen hätte. Analogien dazu bieten unter anderem 
e schon genannten Gnadenaltäre von Zwettl oder 
ariaTaterl, aberauch dfeWandgliederung inderWall- 
irtskirche am Sonntagberg selbst." Heute ist deren 
rbkonzeption von Innenarchitektur und Dekoration 
igrünweiße Architekturmalerei mit erdgrünen Fel- 
rn, grauvioletter Stuckmarmorarchitektur und Gold- 
tamentik gestimmt. Aufgrund der Baudaten der 
1enausmalung(DanielGran und Agostino Tassi schu- 
1 1738-43 die Gewölbemalereien, Josef Wiedon 
48-50 die Langhauswande und Kapellen)" muß 
m Zeitpunkt des Altarkontraktes zwischen Abt Domi- 
t und Melchior Hefele die farbige Raumkomposition 
reits festgelegt und weitgehend vollendet gewesen 
sein. Nach der Kenntnis zeitgenössischer Fiaumpla- 
nung ist es nicht vorstellbar, daß die Farbfassung von 
Hefeles Vertragsmodell beliebig gewählt worden wäre, 
Vielmehrkönnenwirin ihrden Versuch annehmen,dem 
fast vollendeten Raum sein farbiges Zentrum zu geben. 
das mit der ähnlich kleinteilig marmorierten Stuckmar- 
morgliederung in farbiger Beziehung gestanden wäre. 
Aufgrund fehlender Analysen kann angesichts der heu- 
tigen, in graurosaundgrauvioletten Tönen variierenden 
Stuckmarmorfarbe von Pilastern und Gesimsen nurver- 
mutet werden. daß diese ursprünglich intensiver blau 
und rosa getönt waren. Derartige einseitig ins Warme 
erfolgte Farbveränderungen konnten zuletzt in der 
Stiftskirche Melk am Verlust der Blau- und Grünwerte 
innerhalb der Raummarmorierung nachgewiesen wer- 
den (Ausbleichung von Indigof. Die Farbausmischung 
von Stuckmarmor mit organischen Farbstoffen (beson- 
ders lndigoblau, Gelb- und Pupurtöne) geht auch aus 
den zeitgenössischen Rezepturen hervor." Ob nun 
Daniel Gran oder Joseph Munggenast für die vDirec- 
tionit der Polychromie" des lnnenraumes entschei- 
dend gewesen sind. muß hier dahingestellt bleiben. In 
diesem Zusammenhang verdientjedoch die bei der letz- 
ten Fassadenuntersuchung erschlossene und auch 
durch eine alte Ansicht erhärtete Außenfarbigkeit von 
Munggenasts Architektur in hellgrauer Gliederung zu 
lichtrosa Flachen Beachtung." 
Mit der schließlich vollzogenen Entscheidung für eine 
Ausführung in Salzburger Marmorsorten schränkte 
sichdieverfügbare Farbpalettenaturgemäßwesentlich 
ein. Doch vielleicht verrät dieser Umstand auch den in 
der zweiten Projektphase stärkeren Einfluß der als 
Gutachter beteiligten Akademiemitglieder (zu denen 
Daniel Gran bekanntlich eher in Konfrontation gestan- 
den ist). Es könnte sein, daß sich einmal aus neuen Quel- 
len die aufgezeigten Widersprüche klären lassen und 
die hier gestellte Frage nach der Autorschaft der farbi- 
gen Gesamtkonzeption des Sonntagberger Heiligtums 
Ihre Auflösung findet. Unabhängig davon führt uns aber 
das restaurierte Sonntagberger Hochaltarmodell Hefe- 
Ies die hohe Qualität und Intensität der Planungsarbeit 
im spätbarocken Kunstschaffen vor Augen. Diese 
Erkenntnis sollte uns weiter anspornen über die faszi- 
nierenden Einzelwerke hinaus stets diegrößeren künst- 
lerischen und geistigen, aber auch die technisch-wirt- 
schaftlichen Zusammenhänge ihrer Entstehung im 
Auge zu behalten. 
Anmerkungen 31 - 37 
" Vgl. A Kleslinger, Die nutzbaren Gesterne Salzburgs, Salzbu 
und Enzyclopedia lialiana. Bd. Xlll. Art. Marmore (71287 - 1' 
Verwendung der italienischen Marrnortypologte und Sortent 
nung um WAÜISO nördllßh der Alpen belegt ein mit l4 Marrno 
ausluhrltch beschnlteter Altareniwurl von J. B Fltcardi lur den 
tar der Walllanrtskirche Maria Einsledeln in der Schweiz (Ausst 
berger Barockbaumeister. Bregenz 1973, außer Katalog) 
" Eine Parallele zur kostbaren Marmdraustührung eines Altar 
ursprünglich geplanterStuckmarmorausluhrung stelltdervon 
1720entstandene Hochaiiarder Benedikttnerstrftskirchevon L: 
in 0Ö.dar. stehe Punrtnger-Zwanowetzizit Anrn 8),S, 236. Nr. 
hohen Aufwand feuervergoldeter Bronzegtisse an Marmoraltl 
man Sich In der dsterrAltarkunst des lB. Jahrhunderts uberau 
leisten können (Z B. Hochaltar der Basilika Marlazell 1692 
HochaIiarDomWienerNeustadi1769 - 75). HeuttgeAltarsche 
den häufig durch diese aus Spargrunden erfolgte Zusammen 
von miteinanderunstabtlen Materialien irire Erklärung (Z Hba 
goldeie HolzschnitzereientnverbtndungmttMarmurwtein derl 
Che von Melk extrem stark ab. erhalten Sich dagegen aufStuckr 
aitären viel besser). 
" E. Knab. Daniel Gran, Wien - Muncrien 1977. S, B9 ff, 
II M Koller-l Hamrner- H PaschingerAM FlanacheLKtr 
Fralatursaal von snrt Melk, Untersuchung und Restaurierung v 
ms 193a, in' Ösrerr Zeitschrift tut Kunst und Denkmalpflege 
tsao. s IOI t 
1- Vgl J M cmkertwte Anm toi-xAurtage Jena rzaetneu nie 
u Schlessl. Mtttenwald tsaaykunstkabtneitcap 25, s. aeo 
1' Schiessl 1979 (zti Anm s), s. at tt 
"' Unveröffentlichte Uniersuchungsberichte des Bundesdenkm: 
Wien l9B1 (M Koller). suwtevotivansicht im NÖ, Landesmuseu 
log Barcckausstellung Melk tsso, Kai, m zum: t2).
	        

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