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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

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15 Waschtisch aus der Ateliereinrichtung für Ernst Stöhr - 
Welchholz massiv, mit zwei Türen und einer Lade. An den 
Seiten je eine Nische mit Rundstab. Höhe 73 cm - Länge 
108,5 cm - Breite 53,5 cm. Entwurf von Josef Hoffmann. 
um 1898. Österreichisches Museumfür angewandte Kunst. 
inv. Nr. H 2717 
16 Ernst Stöhr. Zeichnung zu einem zweitürigen Kasten. Stadt- 
museum St. PöItenlErnst-Stbhr-Archiv (ohne lnv. Nr, - mit 
freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Karl Gutkas) 
17 Ernst Stöhrleichnungzu einem Bett. Stadtrnuseum St. Pöl- 
tenlErnst-Stöhr-Archiv (mit freundlicher Genehmigung von 
Prof. Dr. Karl Gutkas) 
18 Bett aus der Ateliereinrichtung von Ernst Stöhr - Weich- 
holz. massiv, Höhe 1 38 cm(Kopfteil)- Hühe81cm(FußteiI) 
wLänge2i4cm__-Breite160,5 cm. EntwurfvonJosef Hoff- 
rnann. um 1898. Osterreichisches Museum fürangewandte 
Kunst, lnv. Nr. H 2708 
19 Ernst Stöhr, Skizze zu einem Schreibkaslen. Stadlmuseurn 
St. PbltenIErnst-Stöhr-Archiv (ohne lnv. Nr. - mit freund- 
licher Genehmigung von Prof. Dr. Karl Gulkas) 
20 Ernst Stöhr. kolorierte Zeichnung zu einem Atelierkasten. 
Stadtmuseum St. PöltenlErnst-Stöhr-Archiv (ohne lnv. Nr. 
- mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Karl Gutkas) 
Anmerkungen 13 - 15 
rt r-Einfache Möbel- von Josef Hoffmann, Das lnterieur, ll. Jg., 190i, 
s 193-208. 
rl Ernst-Stbhr-Archlv. Stadtmuseum St. Polten, ohne lnv. Nr. 
ß Kolo Moser. Atellerkasten. Österreichisches Museum für angewandte 
Kunst. lnv. Nr. H 2062. 
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nie aufder Hohen Warte, erschien in derZeitschrift Das 
Inrerieur einer seiner wenigen Aufsätze über Kunst: 
vEinfache Möbeln." Die Gedanken. die Josef Hoffmann 
darin explizierte, spiegeln den Anfangsidealismus der 
secessionistischen Bewegung wider: das Ziel war, dem 
Leben durch Einfachheit. Ehrlichkeit und Gediegenheit 
seine Würde zu erhalten. illustriert wurde dieser Auf- 
satz mit Skizzen. die schon ein Jahr zuvor entstanden 
sind und die tatsächlich den Versuch darstellen, dem 
modernen Fühlen und Denken passende Gestalt zu 
geben. Hoffmann unterscheidet in dem Begleittext zwi- 
schen drei Möbeltypen: Brettl, Pfeiler- und Koffermö- 
bei. Zwei dieser Möbeltyoen finden ihre Ausführung ent- 
weder in den Möbelstücken der Stöhr-Einrichtung oder 
in den Möbelskizzen Ernst Stöhrs. Zu dem Brettl-Typus 
gehörend, sind esdie schon besprochenen Kästen, das 
Bett mit der Truhe und außerdem ein Arbeitstisch. Was 
man unter Hoffmanns Bezeichnung nKoffermbbel-r zu 
verstehen hat. kommt bestens zum Ausdruck in Stohrs 
Zeichnung eines hohen Kastens mit ausklappbarer 
Schreibfläche." Mehrere gezeichnete Versionen die- 
ses Schreibkastens sind vorhanden: offenbarhaben wir 
es ebenfalls mit der Ausarbeitung einer Idee. mit dem 
Prozeß des Gedankenwechselspieles zwischen Stöhr 
und Hoffmann zu tun. Englische Vorbilder imitierend. 
zeigt der Schreibkasten innen kleine Kompartimente, 
genannt wpigeonholesli. für die Aufbewahrung von Brie- 
fen oder anderen Papieren. Durch Aufklappen der 
Schreibfläche steht der Kasten mit zweit" igem Unter- 
bau und verglaslem Oberteil als geschlossener, schiffe- 
kofferähnlicher Schrank da. Der Oberteilwurde zusätz- 
 
 
lich durch eine persönliche Note. ein Bild einer lesen- 
den Frau von Stöhr, geschmückt. Eine ähnlich geartete 
Zusammenarbeit bei der Ausführung eines Möbel- 
stückes gab es beim Atelierkasten Kolo Mosers: hierhat 
Moser Hoffmanns ursprünglich grüngebeizten Kasten 
miteinem von ihm entworfenen Kupferrelief geziert (um 
1898).'5 Der Schreibkasten Stöhrs erinnert augenfällig 
an seine Zeichnungen einer Alten Stube, worin er 
Freude an dem aufgehäuften Alltagskram auf einem 
Kasten fand (Abb. 2. 19). 
Zusammenfassend liegt die Vermutung nahe. daB der 
Maler Ernst Stöhr und der Architekt Josef Hoffmann in 
der Ausarbeitung dieses Projekts eng zusammengear- 
beitethaben. ÜberdieAusführung istkeine Dokumenta- 
tion auf uns gekommen. Allerdings variiert die Qualität 
der Tischlerarbeiten erheblich. Wahrscheinlich waren 
einfache Tischler aus der Umgebung des Wocheiner 
Sees am Werk. Eine Ausnahme sind die zwei Etageren, 
die von der Secession stammen. Die Einrichtung, 
zusammen gesehen mit den Zeichnungen Stöhrs, gibt 
uns eine wesentliche Auskunft über die künstlerische 
Intention derAnfangsphase des Secession. Der Stil der 
Möbelstücke expliziert eine Übergangsphase im Schaf- 
fen Josef Hoffmanns: die Abwendung vom gekurvten 
Stil derfrühsecessionistischen Phasezum Beginn einer 
tektonischen Durchbildung. Man erkennt diese Ent- 
wicklungslinie, wenn man die stilistische Vielfältigkeit 
und Verschiedenartigkeit der ausgeführten Möbel- 
stücke mitden Skizzenideen von ErnstStöhrvergleicht. 
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