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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

zlö Moholy-Nagy, der sich international einen gro- 
Namen machte, erkannte in seinem Landsmann 
ila Kaesz dessen hervorragenden Sinn für Pädago- 
und berief ihn in der zweiten Hälfte der zwanziger 
re als Lehrer an das Bauhaus. Urn diese Zeit war 
llB Kaesz noch Aushilfslehrer an der Budapester 
istgewerbeschule. Dessenungeachtet lehnte er die 
anvolle Berufung mit der Begründung ab, daß er 
r daheim gute Künstler erziehen wolle'. 
die Entwicklung von Kaesz übte - neben der unga- 
hen Volkskunst - die Wiener Schule eine entschei- 
de Wirkung aus. Seine Frühwerke zeigen ganz deut- 
die Stilmerkmale von Dagobert Peche, wie im 
Ieren diejenigen der Art Deco, dem Stil, der sich in 
zwanziger und dreißiger Jahren entwickelte und 
lerne Elemente mitTradition und dekorativen zu ver- 
"nelzen suchte. 
Entwicklungsrichtung der ungarischen Gegen- 
idskultur knüpfte sich im Zeitabschnitt zwischen 
beiden Weltkriegen mit zahlreichen Faden an die 
ner Werkstätte. In Österreich wie auch Ungarn - 
torial beide gleichermaßen aus der k. k. Monarchie 
:hrumpft- blieb die lndustrie unterentwickelt. Das 
len der Möglichkeit von Großbetriebsproduktionen 
abriken sicherte die Vorbedingungen höher ent- 
xelter Manufakturen. Gyula Kaesz und einige seiner 
orragendsten Kollegen befaßten sich - gleich den 
stern der Wiener Werkstätte - mit dem Gedanken 
der Übereinstimmung von Konstruktion und 
ichbarkeit, mit der Schönheit von Material und 
l, dies alles zu vereinen. Auch beachteten sie vor- 
nlich und in gesteigertem Maße die Prätensionen 
erster Qualität. 
a Kaesz publizierte auch immerwiederund betonte 
einen Schriften und pädagogischen Werken stets 
neigende Bedeutung der sozialen Bedürfnisse. Er 
te und verkündete, daß der Weg in Zukunft zur Mas- 
vroduktion führt und es die zu lösende Aufgabe sei, 
nungen von kleinen Leuten mit geringen Erwerbs- 
lichkeiten dementsprechend auszustatten: "Die 
senproduktion von Möbeln hoher Qualität ist das 
tige Mittel, welches ermöglicht, daß sich die kleine 
tenz eine Wohnung verschafferi? Niemals verlor er 
VlenschenausdemAuge,dieBedürfnissederer, für 
ir seine Gegenstände entwarf und ausführte und 
lfl er mit seinem so engagierten Naturell nicht nur 
in, sondern auch deren Umwelt umformen und ver- 
ern wollte. 
hoher Bildungsgrad, gepaart mit äußerster künst- 
:her Sensibilität, halfen ihm stets bei der richtigen 
zhatzung der allerneuesten internationalen 
nntnisse und deren Umsetzung auf heimische Ver- 
iisse. Erwar ein Kunstschaffender, der seine Über- 
ung jederzeit und überall lehrend verkündete. 
irch wollte er auf Zeitgenossen und Schüler und 
raufdieGesellschaftseinesZeitaltersbewußtWir- 
ausüben. Oft beschrieb er, den heimischen Ver- 
issen vorausschauend, seine humanen Prinzipien 
verbreitete diese, die, wenn auch ihre Verwirkli- 
g in dem gegebenen gesellschaftlichen Rahmen 
möglich war, zu jeder Zeit aus rationalen Wurzeln 
nrkeimten. Alle diese Eigenschaften heben Kaesz 
tierische und schöpferische Persönlichkeit über 
er Zeitgenossen. 
in den Aufgaben des Möbelentwerfens und denen 
nnenausstattung befaßt er sich vorwiegend mit 
itektur. Aus seinen Händen kommen viele Bau- 
e, Villen in Budapest am rechten Donauufer, in 
idrä, am Plattensee, Häuser in der Provinz. Dazu 
lentlichen Bereich Bankpaläste, wie die National- 
:asse in Budapest, die Oberländische Handels- 
Kaschau sowie die DebrezinerSparkasse. Ferner 
i er Ausstellungseinrichtungen, wie für die Mai- 
er Triennale 1933, die nNationale Drucksachen- 
ellung 1938rr u. a. Auch zahlreiche Ausstellungs- 
ons sind mit seinem Namen verknüpft. Seiner 
rsellen Anlage entsprach es, sich auch zeitlebens 
iebrauchsgrafik zu beschäftigen. So stammt eine 
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Reihe von Plakaten, Signeten, Titelblättern von ihm. 
Auch die Buchkunst war ein Gebiet, das ihm stets am 
Herzen gelegen war. im Buche sah er die Verkörperung 
vom Gedanken des jedermann übermittelbaren Schö- 
nen. 1958 eröffnet er seine Bücherausstellung mit fol- 
genden Worten: 1110000 Exemplare eines Buches - 
so hoch stellt sich heute eine Durchschnittsauflage - 
können, pro Band zumindest 5 Menschen zählen, 
50.000 Menschen genießen . . . eine so bedeutende Ent- 
faltung der Buchgrafik gehört zu den schönsten Ergeb- 
nissen unseres kulturellen Lebens vv4K 
Gyula Kaesz starb siebzigjährig am 12. Mai 1967. Seine 
umfassendeTätigkeitals Künstler, EntwerterundArchi- 
tekt, insbesondere jedoch seine Arbeit als Kunsterzie- 
her, belohnte der ungarische Staat - von zahlreichen 
künstlerischen Auszeichnungen abgesehen ä mit der 
höchsten Verleihung eines solchen, dem Kossuth- 
Preis. Seine künstlerisch anspruchsvolle, Liebe und 
Harmonie ausstrahlende Persönlichkeit bleibt für alle 
ungarischen Künstlerzu allen Zeiten ein Vorbild und gilt 
als ethischer Maßstab} 
Die Planung für die Confiserie Altmann und Kühne in 
Wien aus dem Jahr 1935 weist alle Merkmale der Art- 
Deco auf. Eingang und Schaufenster sind vollkommen 
glatt, ein leichtes Metallgerüst trägt die großen Glas- 
platten. Im Innenraum wird die kühle Eleganz des Wie- 
ner Grabens durch intime Atmosphäre, gediegenen 
Komfort und Geborgenheit abgelöst. Hinter dem halb- 
kreisförmigen Ladentisch, dem eine Metallschiene 
gesetzt ist, reihen sich in einem eingebauten t 
schrank die von Frau Kato Kaesz-Lukats entworfi 
Bonbonnieren. Neben den grazilen runden Metallt 
chen stehen einladende rotlackierte Taborette. R: 
um, die Wand entlang, läuft ein wunendlichesu Sofa 
dem Raum die Prägung gibt. Der Grundton des Sto 
zugs ist graublau mit eierschalenfarbenen Tüpi 
Die noble, heitere NotederFarbigkeitdiegewinnel 
Proportionen des Mobiliars, die launig straffe Fröh 
keit der Verpackungen heben die Kühle des mode 
lnterieurs - Glas und Metall - in eine einlar 
freundliche, behagliche Stimmung. Eine harmonis 
Begegnung des Natürlichen mit dem Ästhetischen 
Elegance mit der Modernität des erforderlichen, 
Bestimmung angepaßten Komfon, mitder intimenE 
mung. Gyula Kaesz erhielt für die Einrichtung 
lnterieurs der Confiserie Altmann und Kühne in 
Wiener City 1935 den Großpreis des ungarischen 
desvereins für Kunstgewerbe. 
Auf der MailanderTriennale des Jahres 1938WUfdl 
Confiserie von Altmann ä Kühne mitsamt den Kon 
kassetten und Bonbonnieren und allen übrigen 
packungspapieren von Katö Kaesz-Lukats aberr 
ausgestellt. Das lnterieur wurde mit dem Grande 
mio D'onore der Triennale gekrönt. 
Heute befinden sich einzelne Stücke des Mobiliars 
Altmann B. Kühne im Besitz von Frau Kaesz-Luka
	        

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