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Full text: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

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ständigen und Forschern reicht"! Die Kunstwerke wur- 
den in drei qualitativ abgestufte Gruppen unterteilt: in 
Meisterwerke, die für jeden Besucher interessant sind, 
in Kunstwerke von eher genereller Bedeutung, die den 
Hauptbestandteil der ständigen Sammlungen ausma- 
chen. und in Objekte. die nicht unbedingt dauernd aus- 
gestellt zu sein brauchen. Nach dieser Einteilung wur- 
den dann die Ausstellungsräume arrangiert. Für jede 
Abteilung wurde ein lnformationsbereich eingerichtet, 
der dem Besucher die historischen und gesellschaftli- 
chen Hintergründe der Sammlung erläutert, eine Hilfe, 
deren der Sachverständige natürlich nicht bedarf und 
die deshalb so angeordnet ist, daß sie die Betrachtung 
der Objekte selbst nicht beeinträchtigt." Nach diesem 
meist am Eingang zu den Schauräumen der Abteilung 
liegenden lnformationsbereich wurden die restlichen 
zur Verfügung stehenden Räume so eingeteilt. daß 
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einige Räume den Meisterwerken und den Werken der 
zweiten Kategorie zukommen und einige Fiäume für 
wechselnde Ausstellungen der jeweiligen Abteilung zur 
Verfügung stehen. Diese kann der Kurator dazu nützen, 
seineSammlung nachverschiedenen Gesichtspunkten 
interpretativ dem Besucher vorzustellen. Weitere 
Räumlichkeiten, die iStudy-storageu. enthalten die 
Objekte, die für das allgemeine Publikum von geringe- 
rem lnteresse sind. Der Zugang zu diesen iiStudiende- 
potsti wird von Forschern und Sachverständigen beson- 
ders geschätzt, da sie ihnen die Möglichkeit bieten, 
viele die bekannten Hauptwerke ergänzende Kunst- 
werke kennenzulernen und zu untersuchen." 
Die Büroräume der Kuratoren liegen jeweils nahe bei 
den Ausstellungsräumen. Wenn möglich, sind auch die 
Restaurationsräume und die Bibliothek. die zu jeder 
Abteilung gehören, daneben angeordnet, so daß jede 
Abteilung einen wissenschaftlichen Nukleus hat, um 
den sich die Ausstellungsräume gruppieren. 
Als erster größerer Anbau wurde der iiLehman-Pavilionu 
in Angriff genommen. Robert Lehman hatte es bei sei- 
ner großzügigen Schenkung zur Bedingung gemacht, 
daß seine Sammlung zusammen bleiben müsse." 
Diese letzte der großen privaten Sammlungen Ameri- 
kas stellte einen solchen Gewinn für das Metropolitan 
Museum dar, daß man zum ersten Mal bereit war. sich 
Bedingungen solcher Art zu beugen. Somit wurde der 
Bau eines neuen Flügels unumgänglich. Für diese Ver- 
größerung des Museums wurden von den Architekten 
Roche und Dinkeloo mehrere alternative Pläne vorge- 
legt. Einer dieser Pläne sah vor, das ursprüngliche 
Lehman-Haus an der 54sten Straße, fürdas Flobert Leh- 
man seine Sarnmlungzusammengestellt hatte, nachzu- 
bauen. Denn Fiobert Lehman ging es sehr darum. die 
Atmosphäre dieses Hauses, die für ihn so große Bedeu- 
tungfürdieWürdigungseinerSammlunghatte.zuerhal- 
ten." Dieser Plan wurde jedoch abgelehnt, da die 
Räume für Besucherströme zu klein waren. Schließlich 
gab Robert Lehman seine Einwilligung, daß ein zwei- 
stöckiger Pavillon für seine Schenkung erbaut wurde. 
Der iiLehman-Paviticnu stellt im Grundriß ein auf eine 
Ecke gestelltes Quadrat dar, das mit einer Ecke an die 
westliche Langsseite des Metropolitan Museum 
anschließt, an der Stelle, wo nach einem Plan von Cal- 
vert Vaux von 1880 ein Eingang vom Central Park her 
vorgesehen wann Große Pfeiler tragen das pyramidale 
Glasdach des Pavillons, das Tageslicht in den Innenhof 
eindringen läßt. Der Pavillon ist soweit in den Erdboden 
eingebettet. daß von außen nur die schrägen Glasflä- 
chen des Daches zu sehen sind. 
Die wichtigsten Räume des ursprünglichen Lehman- 
Hauses, die von der Pariser Firma Floyaux ausgestattet 
worden waren, wurden reproduziert. Für die übrigen 
Kunstwerke - die Sammlung Lehman umfaßt italieni- 
sche Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts, Bronzen 
vom Mittelalter bis zum Manierismus und 1600 Zeich- 
nungen - dient eine Reihe von Ausstellungssalen, die 
umeinenzentralen Innenhof angeordnet sind. Dankdes 
Nebeneinanders der Ftoyaux-Zimmer und der moder- 
nen Galerien läßt sich sowohl die private Atmosphäre 
des Lehman-Hauses nachempfinden wie auch jeder 
Vorteil eines modernen Museumsbaus genießen. 
Büros. Depots, Seminarräume und eine Bibliothek sind 
ebenfalls hier untergebracht. Das Publikum kann durch 
die weiten. vorn Innenhof her beleuchteten Säle gehen, 
ohne gedrängt zu werden. Die durchbrochenen Wände 
zum Innenhof erlauben immer wieder Durchblicke auf 
Kunstwerke an gegenüberliegenden Wänden, so daß 
sich die Werke von vielen Seiten und aus interessanten 
Blickwinkeln darbieten. In dem vor direktem Licht 
geschützten unteren Stockwerk befinden sich die 
Räume, in denen die reichen Schätze der graphischen 
Sammlung dieser Schenkung in oft wechselnden Aus- 
stellungen zu sehen sind. Der iiLehman-Pavilionu wurde 
irn Mai 1975 eingeweiht. 
Der neue Flügel für den Tempel von Dendur war der 
nächste Schritt in dem Eniireiterungsplan des Metropoli- 
tan Museum. Direktor Hoving war es 1967 gelungen, 
dieses großartige Kunstwerk für das Metropolitan 
Museum zu erwerben, indem er einen besonderen 
Raum dafür zugesichert hatte, der diesem ägyptischen 
Steinbau des ersten Jahrhunderts vor Christus 
geschützte Aufstellung bieten würde. Der logische 
Platz für den neuen Flügel war in der Nähe der beste- 
henden Ägyptischen Abteilung am Nordende des 
Museums. 
DerGesamtplan von Floche und Dinkeloo sah ursprüng- 
lich einen Ganzglasbau vor, in den Maßen von 61 x 
40 x 18 m, in dem der Tempel in der traditionellen Ost- 
West-Ausrichtung aufgestellt werden sollte. Die uner- 
wartete Schenkung in Millionenhöhe von Dr. Sackler 
machte jedoch für diesen Flügel eine bedeutende 
Umplanung erforderlich, denn nun wurde es nötig, ihn 
an seiner Südflanke mit dem Altbau zu verbinden und 
eine Empore einzuziehen. Infolgedessen fällt jetzt das
	        

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