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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

 
Anmerkung 37 s S 48 
Wachstumsmoglichkeiten bis ins 21. Jahrhundert 
geben. 
Das Jßaul-Gerty-Cenler in Los Angeles 
Wenn die Projekte der National Galiery und des Metro- 
politan Museum of Art im Vergleich zu diesen Um- und 
Anbauten geradezu großartig wirken. so kann man 
erwarten, daß selbst sie von dem noch im PIanungssta- 
dium befindlichen l-Paul-Getty-Center in Los Angeles 
in den Schatten gestellt werden. Für rund 100 Millionen 
Dollar wollen die wTrusteesw des J.-Paul-Getty-Trusts 
das neue Kunstzentrum an der Westküste erbauen. 
Da das schon seit langem bestehende J.-Paul-Getty- 
Museum in Malibu (Abb. 14). das architektonisch eine 
Rekonstruktion der Villa dei Papiri in Herculaneum ist 
und sich wegen seines architektonischen Charakters 
nicht zum Ausbau eignet. plant man dank des enormen 
Reichtums. in dessen Besitz das Getty-Museum nach 
Paul Gettys Tod gekommen ist. ein räumlich getrenntes 
Kunstzentrum in West Los Angeles anzulegen. Auf 
einem rund 4 ha großen Terrain nördlich des Sunset 
Boulevard undwestlich des San Diego Freeway soll die- 
ser Riesenkomplex entstehen. Geplant sind ein Kunst- 
museum. das John Walsh Jr. leiten soll. und ein wCenter 
tor the History of Art and the Humanitiesw. das der For- 
schung der Kunstgeschichte im erweiterten Rahmen 
der Geisteswissenschaften dienen soll. Einer interna- 
tionalen Gruppe von Wissenschaftlern soll hier die Mög- 
lichkeit gegeben werden zu arbeiten und zu forschen. 
Ein wichtiger Teil des neuen Kunstzentrums soll die 
450.000 Titel umfassende Bibliothek und die 2 Millionen 
Fotografien umfassende Diathek werden. Kurt Forster 
vom Massachusetts Institute ofTechnology wurde hier- 
für als Direktor gewählt. Weiterhin ist ein neues iwCon- 
senlation lnstituteu vorgesehen, das ebenfalls ein inter- 
nationales Forum werden soll, an dem Konservierung 
und Restaurierung in Theorie und Praxis gelehrt und 
betrieben werden sollen. 
Der Architekt. dem die Ehre zukommt. dieses wichtige 
Projekt zu gestalten. wurde von einer siebenköptigen 
Expertenkommission ausgewählt. Die Wahl tiel autden 
50 
Amerikaner Richard Meier. in Europa bekannt durch 
das Frankfurter Museum. Meier hat gerade das High 
Museum of Art in Atlanta, Georgia. vollendet und gilt als 
der größte Vertreter der rationalen. funktionellen 
modernen Architektur und der Tradition von Mies van 
der Rohe und Le Corbusier. der heute in den USA tätig 
iSl. 
Das High Museum otArt in Atlanta ist ein typisches Bei- 
spiel für Meiers Stil. der besonders durch die Verwen- 
dung von weißen Porzellanplatten als Außenverklei- 
dung der Wände und weißen relingartigen Geländern 
charakterisiert ist. Das geplante Getty-Kunstzentrum 
wird aber. so meinte Meier in einem vor kurzem von 
i-Timeu publizierten Interview. eine neue Stilphase für 
ihn bedeuten. teils weil die weiße Porzellanverkleidung 
der spektakulären Lage des Getty Center - zwischen 
Pazifik und wDowntownk Los Angeles - nicht entspre- 
chen würde. teils weil er selbst seinen Stil etwas verän- 
dern möchte." 
Muß man sich heute noch mit Spekulationen über die- 
ses Riesenproiekt eines Museumsbaus begnügen. so 
kann man doch aus den schon vollendeten Enueiterun- 
gen der amerikanischen Museen einige Schlüsse zie- 
hen. Die Entscheidungen. die aufgeführten Museen zu 
erweitermberuhenalle aufdersehrpositivenTatsache. 
daß sowohl die Sammlungen selbst wie auch die Besu- 
cherzahlen innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte sehr 
gewachsen sind. Besonders die National Galiery of Art 
und das Metropolitan Museum of Art profitieren von 
äußerst großzügigen Spenden aus privater Hand, die so 
umfangreich waren. daß ganze Flügel bzw. ein neues 
Gebäude erforderlich wurden. Sehr interessant zu ver- 
merken ist auch die Tatsache. daß die Museumsneu- 
bauten etwa in Atlanta und in Los Angeles die Verschie- 
bung der Bevölkerung der USA in die südlichen und 
westlichen Staaten reflektieren. Eine Bewegung. die in 
der Industrie begann, da diese sich dorthin verlagerte. 
wobilllgereArbeltskrättezufinden waren,hatzurFolge, 
daß durch die Erschließung dieser Gebiete nun auch 
dort Kunst- und Kulturzentren entstanden sind. 
Der Grund, weshalb die Museen besser besucht wer- 
den. liegt in den von vielen der großen Museen der USA 
veranstalteten Sonderausstellungen. Nie zuvor waren 
Kunstschätze aus so vielen Teilen der Welt einmalig 
dem amerikanischen Publikum zugänglich. innerhalb 
kurzer Zeit wurden Ausstellungen wie "Tutankhamunk. 
wDer Reichtum Dresdens". "Schätze der Bronzezeit in 
Chinau, "Schätze des Kremlsii und wGriechische Kunst 
der Ägäischen lnselnit usw. in New York. Washington. 
San Francisco. Chicago und an anderen Museen 
gezeigt. Diese Art von Sonderausstellungen fand beim 
amerikanischen Publikum sehr großen Anklang und 
wurde somit rasch zu einem wichtigen Finanzierungs- 
mittel der Museen. Diese werden ja nicht wie in Europa 
vom Staatfinanziert. sondern müssen sich selberfinan- 
zieren. Die Sonderausstellungen brachten Millionen 
von Besuchern in die Museen. die dann auch zu häufige- 
ren Museumsbesuchen wiederkehrten. Um diese lukra- 
tiven Attraktionen so gestalten zu können, daß der Mu- 
seumsbetrieb als solcher nicht davon gestört wird. be- 
nötigten alle erwähnten Museen neue Räumlichkeiten. 
Der größere Publikumsandrang brachte weitere not- 
wendige Vergrößerungen der Museen mit sich. Restau- 
rants, Caleterias und die im großen Stil aufgezogenen 
Museumgeschäfte, in denen neben Büchern auch 
Museumsreproduktionen verkauft werden, sind heute 
schon ein lMuß-i fürjedes größere Museum in den USA. 
Eine weitere. sehrzu begrüßende Neuigkeit der ameri- 
kanischen Museen ist ihr verstärktes Einsetzen für die 
Kunstforschung. Forschern zugängliche Bibliotheken 
und Fototheken sind an allen größeren Museen zu lin- 
den. Ganz besonders wichtig sind darüber hinaus For- 
schungsstipendien und die neuen internationalen For- 
schungsinstitute. wie man sie in Washington und bald 
auch in LosAngeies eingerichtet hat bzw. plant. Sie stel- 
len einen ganz besonders positiven Ansatz für das 
Kunstleben in den USAdar. da sie überdieSensationen. 
die das breitere Publikum auch auf dem Gebiet der 
Kunst liebt. hinausgehen und eine hervorragende Basis 
für seriöse wissenschaftliche Forschungsarbeit im 
Gebiet der Kunstgeschichte. der Restauration und der 
Konservierung von Kunstschätzen sind.
	        

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