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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

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93mm 
Die älteste Glasmalerei Europas ist uns aus dem Jahre 
800 bekannt und stammtausSery-les-Mezieres. Es han- 
delt sich dabei um ein Ornamentfenster, von dem aller- 
dings nur mehr Bruchstücke vorhanden sind. Auch die 
tiguralenScheibenausdem Kloster Lorch, um880,sind 
nur in wenigen Resten Zeugen jener Zeit. 
Die verhältnismäßig kleinen Fenster und damit düste- 
ren Fiäume in der Bomanik ließen nur selten den 
Wunsch nach einer farbigen Gestaltung der Scheiben 
aulkommen. Ganz anders die Gotik. Sie bringt mit ihren 
großen Maßwerkfensfern, mit dem Aufbrechen der 
Fläume, mitdern Bestreben, die Materie durch den Geist 
zu überwinden, eine Hochblüte der Glasmalerei. Das 
Licht wird als unmateriellste Gestaltungsmöglichkeit 
erkannt und als Symbol (die Flamme überden Häuptern 
der Apostel zu Pfingsten, das Licht, das Paulus vor 
Damaskus umflutete u. v. a.) transzendenten Schdpfer- 
tums eingesetzt. 
Im 12. Jh. erreicht die Glasmalerei in Frankreich eine 
besondere Blüte, während sie im deutschen Raum erst 
in derzweiten Hälfte des 1 3. Jh.san Bedeutung gewinnt. 
In Österreich finden wir aber bereits um 1400 eine Wie- 
ner Herzogswerkstatt, und zu Beginn des 14. Jh.s war 
die Judenburger Werkstatt weithin berühmt. Zu Beginn 
des 15. Jh.s wurden mit dem sogenannten weichen Stil 
der österreichischen Glasmalerei dann ganz hervorra- 
gende Werke geschalfen, die weit über unseren Raum 
bekannt sind. Besonders in der Steiermark und Kärnten 
finden wir noch heute viele Zeugen dieser Kunst. 
Mit dem Aufkommen der Renaissance wurde die Glas- 
malerei zurückgedrängt. Nach 1530 verlor sie stark an 
Bedeutung Erst im 1 9. Jh. mit dem Einsetzen des Histo- 
rismus können wir wieder eine Belebung dieser Kunst- 
gatfung feststellen und schließlich wird von den Künst- 
lern des Jugendstils wieder eine eigene dem Glas 
adäquate Aussage angestrebt und in etlichen Gesamt- 
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kunstwerken (wie ja auch in der Gotik) gefunden. In 
Österreich wären hier besonders die Glasfenster Otto 
Wagners, Kolo Mosers und Leopold Forstners zu nen- 
nen. Die Wiener Kirchen am Steinhof und im Zentral- 
friedhof können hier als Beispiele genannt werden. 
Doch auch an profanen Bauten finden wir schon Glas- 
malerein. So etwa im Hotel Astoria, im Restaurant "Zur 
großen Tabakspleifeir, und besonders bekannt wurden 
jene der Villa Otto Wagners, alle in Wien, 
Waren diese und viele andere Werke, die wir dem 
Jugendstil zurechnen können, bis kurz vor dem Ersten 
Weltkrieg entstanden, so sehen wir in den Jahren zwi- 
schen den beiden großen Kriegen nur vereinzelte Fen- 
stergestaltungen hierzulande, was natürlich haupt- 
sächlich auf die schlechte wirtschaftliche Lage 
zurückzuführen ist. Da auch die Bautätigkeit stagnierte, 
wurden die Künstler kaum zu einer Arbeit auf diesem 
Gebiet gefordert. Ab und zu kam es zu Aufträgen bei 
Restaurierungen, die dann in Naturalien abgegolten 
wurden. S0 schuf etwa der 1887 geborene Salzburger 
Anton Faistauer, von dem die Fresken im Salzburger 
Festspielhaus stammen, 1923l24die Fenster fürdie Kir- 
che in Morzg im Lande Salzburg und hatte dafür zwei 
Jahre mit seiner Familie in dem Ort freie Kost und Quar- 
tier. Unter ähnlichen Bedingungen gestaltete der 1907 
in Oberlaa geborene Heinrich Tahedl1933 die Glasfen- 
ster von Maria Saal in Kärnten. 
Dieliguralen DarstellungenderMorzgerFensterzeigen 
das Marienleben. Sie sind in eine gotische Architektur 
gestellt und stark von der graphischen Struktur der Blei- 
ruten geprägt. Während die in freundlichen Farben 
gehaltenen Scheiben in Salzburg einen ruhigen, volks- 
nahen Erzählton bewahren, sehen wir bei dem Maria 
Saaler Fenstereine Pieta in expressivem Naturalismus 
in einem aus der Überlieferung kommenden symmetri- 
schen Ordnungsgefüge eingebunden. 
Heinrich Tahedl, der noch bei Josef Hoffmann, Steinhof 
und Povolny auf der Wiener Kunstgewerbeschule stu- 
diert hat, widmete sich schon truh der Arbeit mit Glas. 
Erheiratete in dieGlasfirrna Dürr ein und lernte hier alle 
praktischen Einzelheiten, die für diese Arbeit wichtig 
sind, kennen. Schon 1933 erhielt er den begehrten
	        

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