MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

4 
11-1 
' n" y A 
"III 
l 
l 
E 
P1 
I 
Hiwi 11.11 
12 Giselbert Hoke. vGesang der Jünglinge im Feuerolenk, 
1966. Hinterglasmalerei, Liebfrauenkirche Oberursell 
Frankfurt am Main 
13 Clarisse Schrack-Praun, eines aus drei Glasfenster, 4,5 x 
2,6 rn f Pfarrkirche Hochneukirchen 
s iiiwraqigggr: 
w; 7i'i'v?Ä-' 9x 
e ifäkvq 
56 
14 Heinrich TahedLApsisgestaftung HPYIHQSKEHK. 130 mlgroße 
Glasfensterwand Wildendurnbach (Weinviertel) 
15 Peterßischof. wDie Verwandlung des Lichtsii. Glasfenster in 
der Kryptaapsis Stift Göttweig - Entwurf und Ausführung 
1982 
X- Q v. 
 
undschufschon1953inLa Motte-Chalancon,Südfrank- 
reich, sechs Fenster figural in dieser Technik, von 
denen Dr. Franz Eppel sagt, daß sie iiwie aus romani- 
schen Figurerinischen herausleuchten,diestrenge Pro- 
portion der ehrwürdigen Architektur annehmen und 
sich, wie diese selbst, symbolisch verdichtenri. In der 
Kirche von Schondorf bei Stuttgart wurdedann von Flo- 
rian Jakowrtsch1954 das erste Mal im deutschsprachi- 
gen Gebiet die Technik des Glasbetonfensters einge- 
setzt, und ein Jahr später finden wir den Künstler in 
Haubersbronn (Bundesrepublik Deutschland) in eben- 
dieser Technik das Bonifatiusfenster gestalten. 1957 
merkte man endlich auch in der Heimat, daß hier ein 
Künstler am Werk ist, der Beachtung verdient, und er 
wird 1957 mit der Apsisgestaltung der Herzmarienkir- 
che in Wiener Neustadt betraut. Hier ist keine figurale 
Darstellung mehrdurchgefuhrt, Wir sehen ein strahlen- 
förmiges Ausgehen von Energiebündeln aus einem 
kreisrunden, hostienförmigen Zentrum. Es folgten 1958 
zwei große Wandgestaltungen in Vandans. Vorarlberg, 
wo Jakowitsch ieweils die Oberlichttührung in das Kir- 
chenschiff mit geometrischen Anordnungen, rhyth- 
misch derSonnenbestrahlung aber auch dem sakralen 
Geschehen entsprechend gestaltet. 
Hier muß noch eines wichtigen großen Malers gedacht 
werden, der in den frühen sechzigerJahren eineAnzahl 
schöner Glasfenster schuf: Alfred Wickenburg. Der 
1885 in Bad Gleichenberg geborene, immer mit den 
Bestrebungen der Jugend verbundene Künstler, schuf 
fast achtzigjährig für die Sankt-Michaels-Kapelle des 
bischöflichen Schlosses Seggau bei Leibnitz 1960 figu- 
rale, symbolträchtige Fenster aus Betonglas. Walter 
Koschatzky schreibt dazu: n. .. Emanzipation zur Frei- 
heitbiszurErkenntnisderGrenzezu neuerBindung.So 
entstand schließlich das Seggauer Glasfenster aus 
einer solchen, aus der visionären Unfaßbarkeit in der 
Synthese, ausderBegnadungß Es folgen Fensterin der 
Dreifaltigkeitskirche auf der Tauplitzalm 1963, Maria 
SchutzinKalkleitenbeiGraz1963undimCaritas-Alters- 
heim St. Martin in Straßgang bei Graz 1964. Wir sehen 
auch hier reine Farbflächenzu liguralen Formen geord- 
net. 
riAus der visionären Unfaßbarkeit in der Synthese, aus 
der Begnadungii werden solche Fenster geschaffen. 
Dieser Satz scheint uns auf viele der Fenster zuzutref- 
fen,dienun in dieserZeitvondenverschiedenen Künst- 
lern gemacht wurden. Die Visionäre Unfaßbarkeit redu- 
ziertediefiguralen FormenaufsymbolischeKürzeloder 
auf reine Kompositionen in Licht und Farbe, Eine Syn- 
these jenes Glaubens und jener Gnade aus der die 
Schau des Künstlers gespeist wird und in der er Unfaß- 
bares, Unvorstellbares. wie es der Religion gemäß ist, 
auszudrücken imstande sein soll. 
Ein besonders schönes Beispiel finden wir für diese Art 
des Ausdrucks in Wildendürnbach im Weinviertel, wo 
dieApsisderKirchevonH.TahedlzumThemaPfingsten 
gestaltet wurde. Die 130 Quadratmeter große Glas- 
wandbringtdieAusgießung des HLGeistesalleindurch 
Farben und Formen zum Ausdruck. Das strahlende 
Hellebricht ins Dunkle. dievollendete Form des Kreises 
wiederholt sich im Zentrum, während in den dunklen 
Randzonen die viereckigen (weltlichen) Glaselernente 
vorherrschen. 
Eine noch größereund ebenfallsaliein aufdie Farb- und 
Formwirkung aufgebaute Gestaltung sehen wir bei den 
Fenstern der Pfarrkirche St. Florian in Wien 4, die von 
dem 1927 in Warnsdort (Böhmen) geborenen und in 
Kärnten lebenden Giselbert Hoke 1962 geschaffen 
wurde. Hoke schuf schon 1953 für das Krematorium in 
Villach Fenster, und wir sehen bereits bei diesen eine 
symbolhafte Verkürzung dertiguralen Formen zu neuen 
Ausdrucksmöglichkeiten. Der überaus fleißige und 
erfolgreiche Maler, Universitätsprofessor auf der tech- 
nischen Universität in Graz, führte inzwischen etwa 
SDGIasaufIräge durch, Als Beispiel der letztgenannten 
Gestaltungsweise seien die Tafeln der Liebfrauenkir- 
che Oberursel-FrankfurtlM. genannt, denen der Ge- 
sang der Jünglinge im Feueroten thematisch zugrunde
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.