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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

zehn Jahren etwa stellte ich die traditionelle Datie- 
g und Interpretation des weltbekannten Selbstpor- 
s Maulbertschs in der Österreichischen Galerie in 
ge. das früher als Altersporträt, ein oder zwei 
re vor seinem Tod entstanden, angesehen worden 
, worin das Jugendliche Porträt auf der Papierrolle 
Bildnis seines einzigen überlebenden Sohnes 
ieutet wurde, Ich fand, daß das Portrat auf einem 
leren basierte, dem des langiahrigen Kollegen 
l späteren Schwiegervaters Maulbertschs, Jakob 
imutzer, des Begründers und ersten Direktors der 
Kupferstecher-Akademie.die spätermitderKunst- 
demie vereinigt wurde. Diese Tatsache legte es 
iedaßessichhiernichtumeinezufalligeWiederver- 
idung einer Komposition handelte wie Haberditzl 
:hte', sondern andere Gründe maßgebend waren, 
auch eine neue Deutung des Selbstbildnisses 
töglichen. Ich meine, daß gerade die Ireie und sug- 
.tive Malweise und das Geheimnisvolle, dasalle For- 
ier in diesem Bild gesehen haben, seit es Haberditzl 
die ÖsterreichischeGalerieangekaufthat. rnitMaul- 
tschs enger Verbundenheit mit Schmutzer erklärt 
'den können, Dabei kornmtvorallem dieTatsachein 
racht, daß t780, weniger als drei Monate nach dem 
I seiner ersten Frau, Barbara, mit der er 35 Jahre 
ebt hatte, der 56iahrige Maulbertsch Schmutzers 
"ahrlge Tochter Katharina heiratete, ein Mädchen. 
ser seit dessen Kindheit gekannt hatte. Der Ehe sind 
in zwei Söhne entsprossen, wovon nur einer den 
ler überlebte. Das Problem wird noch schwieriger, 
1h man bedenkt, daß bei den wenigen Porträts und 
bstbildnissen (alle in Fresken), die Maulbertsch 
iut, er immer mitgroßem Konnen auf genaueste Por- 
ähnlichkeit bedacht war, wie ein Blick auf seine 
teren Selbstporträts 7 alle al tresco - zeigt. In 
rteg rnalte er als Sliiähriger 1757158 auf dem Seilen- 
zr der iiAnbetung der Hirten" einen Brot und Milch 
bringenden Hirten, der wohl ein Selbstporträt sein 
ß(Abb. 3). Die Details seiner Physiognomie sind klar 
1 markant: die lange, stark vorspringende Nase, die 
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breite gewolbte Stirn. der bewegliche. ausdrucksvolle 
Mund,diezurNasenwurzelzu buschigenAugenbrauen, 
daskleine runde Kinn undder lange Hals 7 lauterZuge, 
die auch im Selbstbildnis der Österreichischen Galerie 
trotz seiner Frontalitat zu finden sind 7. der starke 
Schatten im Gesicht rechts ist eben durch die stark vor- 
springende Nase bedingt (Abb. 5). 
Dieselben Züge konnen auch in einem anderen Selbst- 
portrat beobachtet werden. In den leider zerstörten 
Fresken der Schwechater Pfarrkirche von 1764 malte 
Maulbertsch in dem Vierungslresko ein Selbstbildnis 
als Kirchendiener im Talar mit Bettchen. der für Moses 
die Gesetzestaleln ernporhält (eine auch an sich nicht 
uninteressante Darstellung, denn es gab damals keine 
so gekleideten Mesner im katholischen Österreich) 
(Abb. 4). Hiersieht man, daßdie Physiognomiedieselbe 
ist. aber einen noch schalkhalteren Ausdruck hat als in 
Sümeg, den Ausdruck eines Mannes, dessen Humor 
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schon in Jüngeren Jahren evident war, Angesicht 
ser Beispiele genauer Selbstbildnisse begann IC 
der sogenannten iiexpressionistiscltenir Qualitä" 
Selbstbildnisses im Belvedere zu zweifeln und dar 
auch an der Deutung des Knabenbildnisses linl 
Bild. Konnte dieses nicht anstatt ein Porträts 
Sohnes des Künstlers auch ein Selbstbildnis se 
dem sich der alternde Maler im Rückblick als der 
zehniährigesieht,dervorvielenJahrennachdergr 
Stadt Wien kam, um seine künstlerische Ausbil 
zu beschließen? Konnte nicht die Tatsache, dal 
Selbstporträteine rascl-igemalte Kopievielleicht: 
eine Parodie aufdas Porträt Sclimutzers ist, daran 
deuten, daß Maulbertsch vielleicht der jungen K 
rina Schmutzer damit sagen wollte. daß er gealte 
und sich seitdiesen frühen Jahren sehrverändertl 
mit einem Wort, daß er "alt genug sei, um ihr Vat 
seinirv Könnte man nicht meinen, dal} Maulbertscl
	        

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