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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

Eranz Anton Maulbertsch, Selbstbildnis in jungen Jahren. 
OllPappe, 38 x 28,7 crn. Privatbesitz 
anz Anton Maulbertsch, Kopf des Hirten (Selbstbildnis)aus 
m Fresko der "Anbetung der Hirtenri, 1757158, in der Pfarr- 
che SumegiUng Ausschnitt 
anz Anton Maulbertsch. Kopf des Kirchendieners (Selbst- 
dnis) aus dem Vierungsfresko der Ptarrkirche zum 
Jakob des Alteren, 1764, SchwechatiNiederosterreich 
zrstört 1945) Ausschnitt 
anz Anton Maulbertsch, Selbstbildnis ca. 1779180, Wien, 
sterreichische Galerie. Ausschnitt 
anz Anton Maulbertsch, Die Hand des Malers aus dem 
ibstbildnis in jungen Jahren (Abb. 1,2) Ausschnitt 
anz Anton Maulbertsch, Die Hand des Malers aus dem 
rlbstbildnis in der Österreichischen Galerie (Abb. 5). Aus- 
hnitt 
zrkungen 1 - 3 
ie EdwardA MasermFranzAnton Maulbertsch as Portraitist Some 
stions about lhe Viertrta SetlPorlraitm Panllreon, XXlXIA. 1971. 
292-307 
tl Martin Haberdiizl, FranzAlrtari Maulbertsch, Sonderhelt der uMll- 
ngen der Österreichischen Galerien, bearbeitet von Gertrude 
äriharrtmer WIEN l977,S 566,Artm 451 
inschflll lauter SEIDSIEPOIIIEH VON fMäiEIÄIUICOIIIIGUSÜGIFSIHWQ 
m; x (BaumeisIer-Famiilß) x - Conslanz Spätere Provertieriz 
trinOltoWessnerH85t e i924) JetzttmeulopäischenPrlvatbesitz 
5 
einer alten und noch immer lebendigen Tradition eines 
Vanitasbildes folgt (Subleyras Selbstportät in der Aka- 
demie, schon damals in Wien, ist ein gutes Beispiel 
dafür), das den unaufhaltsamen Gang der Zeit symboli- 
siert, und daherannehmen, daß das Bild nicht um 1794, 
zwei Jahre vor seinem Tod. sondern, mehr überzeu- 
gend, näher dem Datum seiner Hochzeit rnit Katharina 
Schmutzer, also um 1780, anzusetzen wäre? Dasganze 
Problem des Selbstbildnisses in der Österreichischen 
Galerieistalsoweitgehendnoch nichtgelösLelnelnter- 
pretation, wie eben vorgeschlagen, ist durchaus mög- 
lich, sie entspricht den tatsächlichen Gegebenheiten 
in Maulbertschs Leben eher als das gefühlvolle und 
melancholische Wermächtnisrr, das die Forschung der 
dreißiger Jahre dem Bild mitgegeben hat. Seine Bezie- 
hung zum Schmutzer-Porträt und seine skizzenhafte 
Malweise wären dann kein Rückgriff aut eine frühere 
Stilphase, den Maulbertsch kurz vor seinem Tod voll- 
zogen hätte, denn in seinem Alter malte er ja ganz 
anders, sondern sie wären vielleicht durch Hast oder 
einen ganz bewußten Mangel an Ernst zu erklären, näm- 
lich als privaterScherz zwischen dem ungleichen Paar. 
Daurkundliches Material nichtvorhanden ist, bleibt das 
Ganze natürlich eine offene Frage. Da aber bewiesen 
werden kann, daß Maulbertsch ein ausgezeichneter 
Bildnismaler von großer Genauigkeit war, fehlt für die 
höchst eigenartige Selbstdarstellung der Österreichi- 
schen Galerie die entsprechende Erklärung. 
Das ganze Problem von Maulbertschs Porträtrnalerei 
- sicherlich nicht die Hauptsache in seinem Werk, als 
welche die monumentalen Fresko- und Ölgemälde gel- 
ten müssen - stellte sich mir neu, als ich im vergange- 
nen November von einem Freund eine Fotografie und 
ein Ektachrom eines Selbstbildnisses in Wien erhielt. Er 
hatte es gerade als ein dem Italiener Amigoni zuge- 
schriebenes Werk erworben. Beim ersten Blick (der 
inzwischen von anderen Maulbertsch-Forschern bestä- 
tigt wurde) erkannte ich, daß es nicht von dem italieni- 
schen Rokokomaler, sondern nur von Maulbertsch 
gemaltwordenseinkonnte,abereinSelbstbildnisinsei- 
nenjungenJahrendarstellte(Abb.1), DiePhysiogni 
ist unverkennbar. Interessanterweise zeigt eine 
schritt auf der Rückseite (Abb. 8), daß es sich ein 
Besitz eines Mitglieds der Architektenfamilie Thur 
Konstanz befunden hatteä - so stammt das 
immerhin aus dem Bodenseegebiet, wo Maulbei 
geboren wurde. 
Ein Vergleich mit den gesicherten Selbstporträts bi 
tigt die Identität des Dargestellten (Abb. 2): dies 
Nase, Stirn, stark vertretende Backenknochen, gt 
die Nasenwurzel buschige Augenbrauen und das kl 
runde Kinn wie das Porträt in Sümeg (Abb. 3) und l 
mehr das verlorene Porträt in Schwechat (Abb 
obwohlzweifellosin äiterenJahrenAberhierhabe 
nicht die eher witzige Darstellung in der Verkleir 
eines Hirten oder eines Kirchendieners, sonderr 
ernsteres, verbindlicheres Selbstporträt eines jur 
Mannes, der in einen Spiegel hinunterblickt(dieser 
sehr klein gewesen sein) und sehr sorgfältig seine} 
in Malerei überträgt ä und zwar in meisterhafter W 
trotz seines jugendlichen Alters. Das wird noch dt 
oher, wenn man das Bild mit dem Selbstbildnis 
Österreichischen Galerie vergleicht (Abb. 5), wc 
Züge dieselben zu sein scheinen, die Art der Ma 
aber sehrversohieden ist. Das späte Selbstporträt; 
die freiere skizzenhaftere Malweise, diedie Forscl 
als seinen frühen Malstil betrachtet. wie auch sein- 
skizzen, Das frühe Selbstporträt hingegen ist sorgf 
malerisch ausgeführt. Das beweist wiederum, daß 
Selbstporträt in der Österreichischen Galerie nich 
Rückgriff auf einen früheren Stil zu verstehen ist, 
dern als eine flüchtige, hastige vinformelleii Art 
Malerei, die der biedere Maulbertsch nicht für solcl 
bedeutungsvolles Porträt verwendet hatte. als welr 
das Bild in derösterreichischen Galerie bishervers 
den wurde. 
Das neu gefundene Selbstporträt ist eine Bereiche: 
unserer Kenntnisse von Maulbertschs Frühzeit, 
noch immervoll ungeloster Fragen ist. lndiesem Bil 
der Künstler noch einjunger Mann, etwa in den Zwz
	        

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