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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 195)

Harmonie sich abmühen; ich spürte einen Menschen. 
ein Drama, Wahrheit, rücksichtsloseste Wahrheitlf 
Die Zerrissenheit. die Heimatlosigkeit, die Emigratio- 
nen und dennoch dieSehnsucht nach Mitteleuropa cha- 
rakterisierendieStrukturendes NordismdGustavMah- 
ler sagt: i-lch bin dreifach heimatlos: als Böhme unter 
den Österreichern, als Österreicher unter den Deutv 
sehen und als Jude in der ganzen Weins 
Widerspruch und Unmöglichkeit, vielfältigste Momente 
einerGeisteshaltunginnerhalbeineswerkesodereiner 
Person prägen die mitteleuropäische Kultur unseres 
Jahrhunderts. Der Drang zum Expressiven, zur Mittei- 
lung, zeigt sich in den vielen Doppelbegabungen bei 
jenen Künstlern. die sich nicht aul eine Materie festge- 
legt haben. sondern immer wieder zwischen den ver- 
schiedenen Künsten pendeln. Ich erinnere an Arnold 
Schönberg (Komponist und Maler), Oskar Kokoschka 
(Maler und Dichter), Alfred Kubin (Maler und Dichter). 
Fritz HermanovskyvOriando (Dichter und Maler). Diese 
Doppeibegabungen setzen sich besonders intensiv 
auch nach dem Kriege lort, z.B. Gerhard Rühm, Chri- 
stian Ludwig Attersee. Hermann Nitsch, Günter Brus 
(Aktionist, Zeichner. Fiomanschreiber). 
Mit Nitsch kommen wir zu Günter Brus, Otto Muehl und 
Rudolf Schwarzkogler. zum Wiener Aktionismus, der 
geradezu beispielhaft von den Komponenten des Nor- 
dismo durchdrungen ist. Die Künstler suchten zu 
Beginn der sechziger Jahre eine Antwort auf den 
14 
5 Markus Prachensky. wRouge sur blanc - Sebastianplatzu, 
1959. LackILeinwand. Wien, Museum moderner Kunst 
6 Maria Lassnig. iiFliegen lernenl, 1976. OllLeinwand, 
177,5 x 127 cm. Wien, Museum moderner Kunst 
7 Arnuii Rainer, nHiroshimair, 1983. Öikreide auf Fotografie, 
50 x 60 cm. im Besitz des Künstlers 
8 Tibor Gayor. Janos Megyik, riGroBe Beobachtungs, Abhöre 
und Bloßstellungsanlageir, 1984. Ausstellung der Wiener 
Festwochen M984 - Orwell und die Gegenwart-r, Wien, 
Museum des 20. Jahrhunderts 
Anmerkungen 5, 6 
l Zitiert nach H. H Stuckenschmidt.Schönberg, Zürich 1974. S. es. 
' Zitiert nach: Gustav Mahler und wien, mit einer Einleitung von Pierre 
Bouiez, siungan, zurien. 1976. s 22. Boulez charakterisiert den Nor- 
disrrie Maiiiers. ohne den Begritr zu verwenden, wie folgt. wDie Schwie- 
rigkeit, die Nlahier seinem ,Leser' bereitet. liegt otrne zweiiei im ÄLISEIHP 
anderklaffen von Geste und Material, die Geste neigt dazu, Immer 
grandioser zu werden. das Material dagegen droht, immer mehr zum 
,Vulgären' abzugieitem (s. 28) 

	        

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