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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 195)

 
wurden. Den Anfang machte 1924i25 die hochbegabte 
und vielversprechende Angela Stadtherr, die für den 
von Arch. Leischner entworfenen nPfannenstielhofa in 
der Kreuzgassein Wien-Währing einen 12 m langen und 
1,6 rn hohen Fries in Kupfertreibarbeit gestaltete. 
Kehren wir noch einmal zu Hanaks Radiovortrag aus 
dem Jahr 1931 zurück: Nach Gedanken über die 
moderne Plastik mit Rückblicken auf vergangene Jahr- 
hunderte gab er auch einen Ausblick auf die künftigen 
Aufgaben des Bildhauers und meinte: v. . . DerSteinwird 
ihm den Weg der ewigen Form weisen und wird aus ihm 
wiedereinen Baumeistermachen und dann erstwerden 
die Plastiken unserer Zeit geschaffen werden . . .ri Wer 
denkt bei diesen Worten nicht sogleich an jene Kirche, 
die der Hanak-Schüler Fritz Wotruba 43 Jahre später 
am Georgenberg in Wien-Mauer zu errichten begann 
und die heute bereits als wWotruba-Kircheir zu einem 
festen Begriffgeworden ist? Jenes von einem Bildhauer 
geschaffene plastische Bauwerk, für welches die 
ebenso bekannte Wailfahrtskapelle von Ftonchamp in 
der Haute SaönelFrankreich des Baumeisters Le Cor- 
busieraus dem Jahre 1 955 zweifellos einewichlige Vor- 
stufe darstellt. Le Corbusier (oder Charles E. Jeanne- 
ret), der im Jahre 1907 in Wien weilte und mit Josef 
Hoffmann nicht nurVerbindung aufnahm, sondern auch 
für ihn arbeiten sollte, hat mit dieser Kapelle eine an 
monumentale Freiplastik erinnernde Architektur 
 
geschaffen. Und Wotruba hat mit diesem seinem letz- 
ten Werk dieAhnungen seines Lehrers erfüllt, denn bald 
nach der vorhin zitierten Stelle in Hanaks Vortrag stellt 
er die Frage: w. . . ob unsere Zeit ein großes, plastisches 
Bauwerk schaffen kannmu, und es schwebt ihm vor, 
daß eine solche Lösung vielleicht die einzig würdige 
Form wäre! 
Diese Überlegungen wären unvollständig, wenn nicht 
auch die Zusammenarbeit Hanaks mit Clemens Holz- 
meister (1886 Fulpmesffirol bis 1983 Salzburg), der 
1924 von Innsbruck an die Wiener Akademie berufen 
wurde und sehr bald den Weg in Hanaks Atelier fand. 
enivähnt würde. Es ergab sich zunächst eine Zusam- 
menarbeit bei mehreren Ausstellungen wie etwa: 
1925l26dieAusstellungfürChristliche KunstinderWie- 
ner Secession, zum Jahresende 1926die nWeihnachts- 
schau im Künstlerhaus: undim Sommer 1 927 die Kunst- 
ausstellung im Münchner Glaspalast. Bei den beiden 
WienerAussteliungen lernte Holzmeister aber auch die 
vielversprechenden Ansätze der Hanak-Schüler ken- 
nen und zog sie bei seinen eigenen Aufträgen - z. B. 
beim Ausbau des ersten Festspielhauses inSalzburg ab 
1926 und bei zahlreichen Kirchenneubauten - für die 
Ausstattung in steigendem Maße heran. Als Beispiel für 
ein besonders wirkungsvolles Zusammenspiel zwi- 
schen dem Baumeister und dem Bildhauer sei hier nur 
die Hauptfassade der 1930 in Merchingen (Saargebiet) 
6 Giebelplastik von Anton Hanak an der von Josef H: 
erbauten Gartenvilta Primavesi-Skywa in Wien 13. G 
gasse18. 1913-1915 
7 Doppelplastik iwDie Früchteträgerinuvon Anton Hans 
von Josef Hoffmann erbauten Wohnhausanlage nKl 
in Wien 19, Philippovichgasse 1, 1923- 1925 
 
8 Kunstausstellung 1927 Im Münchner Glaspalast. 
staltung von Olemens Holzmeister; Hanakplas 
schwebenden 191 7 (oder uDaS Große Leidm) und nE 
nende Mensch: 1922 
9 Studie zu Hsnaks Großplastik nDer brennende Men: 
für Bronze, vor 1922 
14 Anton Hanak und Clemens Holzmeister. um 1932
	        

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