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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 128)

6 Alessandro Algardi (1602-1654), Attila und Papst 
Lea der Große, Terrakottamodell für das Mar- 
rßnorrellef IITI Petersdom, ehemals savoyischer 
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Der umgebende Mirabellgarten und das Mira- 
bellschloß - eine wohlerhaltene Vedute Bellet- 
tos - bilden ein Ambiente, einen vorbereitenden 
Vorhof, der das Barockmuseum zum erklärenden 
Brennpunkt des ganzen Bezirkes machen kann. 
Darüber hinaus findet die Architektur der Stadt 
selbst - seit Erzbischof Wolf Dietrich dem Ge- 
staltungswillen des römischen Barock huldigend 
- in einem derartigen Entwurfsmuseum ihre 
Einbindung im Europäischen. Salzburgs Brücken- 
stellung im Herzen einer barocken katholischen 
Kunstlandschaft Europas zwischen dem Zentrum 
Rom und den nördlichen Verbreitungsgebieten 
des Stils wird damit manifestiert. 
Das Museumsgut ist in einer einzigen Sammler- 
generation gebaut worden. Glückliche Umstände 
haben es dem Verfasser und seiner Gattin er- 
möglicht, gleichsam in letzter Stunde in zahl- 
reichen Reisen eine umfassende Entwurfssamm- 
lung zusammenzutragen. Sie umfaßt zwei Jahr- 
hunderte Kunstgeschichte zwischen Rubens und 
Kremser-Schmidt. Es sind vor allem zentrale 
Entwürfe zum römischen Barock vorhanden, aus 
der ZeitGianlorenzo Berninis, in der eine grund- 
sätzliche Metamorphose der Glaubenswelt gleich- 
zeitig mit dem neuen Weltbild Keplers und 
Galileis und der durch Entdeckungen vergrößer- 
ten Welt auch von einer umfassenden Stilerneue- 
rung begleitet wurde. Um diese Entwürfe für 
römische Monumentalkunst des Seicento ordnen 
sich die Erscheinungen des übrigen Italien eben- 
so wie die Kunst der Zentren nördlich der Alpen 
harmonisch ein. Dem österreichischen und süd- 
deutschen Barock ist neben den ltalienern natür- 
lich besonderer Raum gewidmet, während Frank- 
reich und die Niederlande nur durch einige her- 
ausragende Repräsentanten wie Rubens und 
Fragonard vertreten werden. Der Verfasser und 
Sammler der Objekte betrachtet es als einen be- 
sonders glücklichen Umstand, daß seine Funde 
mit derartiger Zielrichtung an diesem Orte in 
Salzburg in derart zentraler Situation aufgestellt 
werden. Ebenso glücklich ist die Tatsache zu 
nennen, daß die Raumgestaltung und Aufstel- 
lung des Museums in jedem Detail „maßge- 
schneidert" auf die Bedürfnisse dieser sorgsam 
gebauten Sammlung ausgerichtet sind. Das Ge- 
bäude - in seiner Außenansicht nach teilweise 
als Gärtnergebäude aus der Zeit Fischer von 
Erlachs erhalten - ist im Inneren total neu ge- 
baut worden. 
Durch die erfolgreiche und straffe Lösung der 
lnnengestaltung durch Architekt Gerd Cziharz 
und durch die Unterstützung der Baudirektion 
konnte der Wunsch des Verfassers verwirklicht 
werden, im Raum der zweigeschossigen Haupt- 
galerie an die Decke Fresken der Barockmaler 
zu projizieren. Durch sorgsame Lichtführung 
wurde erreicht, daß im dämmernden Galerie- 
raum in indirekter Beleuchtung die Bilderwönde 
hell schimmern, während auf zwei große Flä- 
chen, Decke und Schauwand, Fresken und Archi- 
tekturrisse projiziert werden können, wobei zeit- 
weilig Barockmusik aufklingt. 
Der große Raum gleicht damit einem Theater: 
Der Stil wird aufgeführt, die Entwürfe der Künst- 
ler sind an den Wänden zweier Geschosse 
rundum leuchtend präsent, während ihre Manu- 
mentalwerke, die Fresken, an der Decke und die 
Architekturrisse an der Schauwand durch das 
Licht der Projektion imaginiert werden. Dem Be- 
schauer bleibt damit die Einheit der Künste unter 
der Führung der Architektur stets präsent. 
Die Bild- und Tonanlagen sind so perfekt, claß 
in Zukunft durch dramaturgischen Gestaltungs- 
willen alle Gebiete des Barock und darüber 
hinaus die Kontraste der Gegenwartskunst le- 
6 bendig präsentiert werden könnten. Es ist die
	        

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