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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 128)

Kirchenrechnungen überliefern meist die Namen der 
Bildhauer, die in dem betreffenden Gebiet am 
Werke waren, aber keinerlei Quellen fließen über 
iene urtümlichen Schnitzarbeiten, die gelegentlich 
als Winterarbeit am Bauernhof entstanden sind. 
Der Schnitzer wird immer unbekannt bleiben, er 
grub seine angeborene Vorstellungswelt in Farm 
iener Sinnbilder ein, wie sie auf all den Block- 
trüherln, Rahmmessern, Bergstöcken und primitiv 
geschnitzten Buttermodeln zu sehen sind. 
Meist werden diese Gegenstände mit dem Rahmen- 
begriff „alpenländisch" oder „tiralisch" bezeichnet. 
Die im folgenden besprochenen drei Jagdsitze 
kann man aber durch ihren Standort, ihre Ähnlich- 
keit und durch das auf einem Stück eingeritzte 
Wappen als salzburgisdi einordnen. Schon allein 
ihre gleichartige Konstruktion verbindet sie mit- 
einander. Sie sind einfüßig wie die meisten Jagd- 
sessel; auffallend aber ist ihre bogenförmige 
Rückenlehne, die durch eine zweifache Strickverbin- 
dung beweglich mit der Sitzflüche verbunden ist. 
Die Verzierung aller drei Sessel verwendet nur das 
Ritzen, vermeidet aber den Tiefschnitt. Alle drei 
Objekte sind wohl die Arbeit von Jägern für ihren 
Jagdherrn. Daß diese Sitze auch an der Unterseite 
verziert sind, weist wohl darauf hin, daß sie vom 
Jäger ihrem Dienstgeber vorangetragen wurden, 
wobei dieser die Unterseite des Sessels stets vor 
Augen hatte. Daher wurde sie mit iadlichem 
Getier und einem Glückssinnbild, wie es der 
sechszackige Stern ist, verheißend geschmückt. 
Der Jagdsitz des Tiroler Volkskunstmuseums in 
Innsbruck (Abb. l] zeigt auf dem Rückenbrett das 
Wappen des Salzburger Erzbischofs Sigmund Graf 
von Schrattenboch (1753-1771). Die Sitzflöche trägt 
einen sechsstrahligen Zirkelschlagstern, der von 
einem Zweiblott-Kranz umgeben ist. Rundum laufen 
ein von einem Hund verfolgter Hirsch, ein Reh, eine 
große und zwei kleinere Gemsen. Darüber sieht 
man, schwach eingeritzt, ein Schwein ohne Hauer, 
das in die Gegenrichtung läuft. Vier Tulpen unter- 
brechen die Folge der Tiergattungen. In den vier 
Ecken der Fläche ist wieder der sechsstrahlige 
Stern angebracht, so wie über dem Reh ein „AR". 
Dies werden wohl die Anfangsbuchstaben des 
Verfertigers sein, denn am oberen Rückenbrettchen 
sieht man acht große Buchstaben, die wahrschein- 
lich als Titel und Anfangsbuchstaben des Bestellers 
zu verstehen sind. 
Ein weiterer Jagdstuhl hängt im Jagdzimmer des 
Schloßes Moosham im Lungau (Abb. 2). Seine 
Anlage ist dieselbe, mit der Ausnahme, doß er nur 
ein Riickenbrett hat. Statt eines Wappens zeigt er in 
einem Sechseck sieben sechszackige Sterne und die 
zwei Buchstaben „SR". Auf der Rückseite wieder 
diesen Stern, aber in Großformat; dazu vier 
verschiedene Initialen und das Monagramm Christi. 
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"llugdsiiz des Tiroler Volkskunsfmuseumä, Innsbruck, m11 
Wappen des Salzhurger Erzbischof: Sigmund Graf von 
Schranenbach (1753-1771) 
2, 3 Jugdstuhl aus dem Jagdzimmer des Schlosses Moosham 
im Lunguu 

	        

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