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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 145)

 
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in England waren die Observatarien dazu in 
Zeiten, die etwa 6000 bis 2000 Jahre v. Chr. 
liegen. So erweist sich die Chronologie, das 
heißt die Geschichte der Zeitfestlegung, als er- 
ste Konsequenz der Zeitböndigung und die ge- 
nannten Observatorien als die entscheidenden 
Hilfsmittel dazu. Van dieser Basis sind in die 
nächsten Jahrtausende die sich immer verfei- 
nernden Zeitmeßgeröte entstanden: Sonnenuh- 
ren (Abb. 2a, b], Gnomone, Astrolabien, Sa- 
phen u. a. m. 
Die Folge dieser schon verfeinerten Taktiken in 
der Zeitbändigung ist die Einführung der Stun- 
den, Minuten und, zuerst nur gedanklich, auch 
der Sekunden. Auch heute noch bekommen wir 
im täglichen Leben unsere Zeitorientierung aus 
den Observatorien der Astranomen, auch wenn 
wir nicht daran denken, wenn wir unsere Arm- 
banduhr nach dem Teletonsignol richten. 
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Ein ganz neues, viel universelleres Hilfsmittel 
zur Zeitbändigung als die Sonnenuhren ist um 
1300 in unsere Kultur eingetreten: Die Röderuhr, 
die auch in der Nacht und bei bewölktem Him- 
mel Zeiterkennen möglich macht. Ihre Anfänge 
liegen im Dunkel der Geschichte. In China wur- 
den aus uralten Wasseraustlußuhren um 1000 
v. Chr. wassergetriebene Röderuhren entwickelt, 
deren Wirkungsweise den europäischen Räder- 
uhren verwandt ist (Himmelsmaschine Abb. 3). 
Ob die europäische Entwicklung der Räder- 
uhren von China beeintlußt worden ist, wissen 
wir nicht. Um 1300 erscheint in Europa die erste 
gewichtsgetriebene Raderuhr. Mit dem Besitz 
des Röderuhrprinzips beginnt eine ungleich in- 
tensivere Aktivität hinsichtlich der Technik der 
Zeitböndigung und deren Genauigkeit: es be- 
ginnt die Zeit der Monumentaluhren (Abb. 5a, b). 
Um 1450 haben die Röderuhren etwa eine durch- 
schnittliche tägliche Fehlweisung von 110 Mi- 
nuten. Um 1580 schreibt der Landgrat Wilhelm IV. 
von Hessen, ein sehr bedeutender Astronom, an 
Tycho Brahe: „nun hätte er dank eines neuen 
Echapments seines Meisters Jost Bürgi Beobach- 
tungsuhren mit einer Genauigkeit von 1 Minute 
pro Tag." Damit waren nun die Beobachtungen 
möglich geworden, aufgrund deren Kepler seine 
berühmten drei Gesetze erstellen konnte. Die 
zweite große Auswirkung der Zeitbündigung ist 
somit die Astronomie (Abb. 4). Die Röderwerke, 
die diese Resultate ermöglichten, wurden in 
kostbare Gehäuse eingebaut, und die Snobs 
der damaligen Zeit, Fürsten, Prölaten und Kaut- 
leute, wollten da nicht zurückstehen und eben- 
solche Stücke besitzen. Daher die große Zahl 
der Prunkuhren in kostbaren Goldschmiedear- 
beiten, die heute die letzte Sehnsucht der Samm- 
ler vorstellen und die Spitzenrekorde von 
 
 
 
 

	        

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