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Full text: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 145)

Malerei, Collagen, Buchbinderei, Illustrationen, 
Modell- und Kostümgestaltung, dekorative Ge- 
genstände wie Lampenschirme, Vorhänge, Kis- 
sen, Stickereiteppiche, Stoffapplikationen, Woll- 
perücken etc„ sie beginnt auch mit Projekten für 
die Werbung. Für Pirelli, Chocolat, Dubonnet 
recherchiert sie Plakatentwürfe. 
Jede Art von Monotonie ist ihr fremd. Mit siche- 
rem geschmacklichem lnstinkt variiert sie ihre 
Intuitionen und bleibt dabei stets treue Vertre- 
terin des genialen Orphisme ihres Mannes. Ihre 
Persönlichkeit in jenen Jahren wird von Damase 
als: „Personage a la Winston Churchill" be- 
schriebenmdemütig und erschreckend selbstsicher 
zugleich - ein ewig junges russisches Mädchen, 
das alles beherrschte, was es umgab." 
Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges, der 
die Delaunays während der Ferien in Spanien 
überraschte, verlängerte sich der Auslandsauf- 
enthalt bis 1920. Sie installierten sich erst in Ma- 
drid. Jean Jaures wurde ermordet, Charlie 
Chaplin brachte seinen ersten Film heraus, die 
Ballets Russes feierten ihre sechste Saison. 1915 
zogen sie nach Portugal um und befinden sich 
in der Gesellschaft von Souza Cardozzo, Vianna 
und Sam Halphert. Das Ehepaar malt jeder für 
sich eine Serie portugiesischer Variationen. S. D. 
kreiert ihren „Marche au Minha". Sie stellt in 
Stockholm und Oslo aus. 1917 entsteht ihre Serie 
„des Danseuses". Durch die russische Revolution 
verliert sie alle ihre Einkünfte und muß künftig 
für den Unterhalt mitsorgen. Die Familie kehrt 
nach Madrid zurück und begegnet S. Diaghilev. 
Sie beginnt mit Theaterkostümen und Innendeko- 
ration im Petit Casino von Madrid. 1918 gibt 
Diaghilev bei den Delaunays die Dekar- und 
Kostümkreationen für das Ballett Cleopötre in 
Auftrag. Sie lernen Stravinsky und Manuel de 
Falla kennen. Sonia beginnt mit Kleiderkreatio- 
nen. In Zürich finden Dada-Publikationen statt. 
1920 kehren sie nach Paris zurück. Sie wohnen 
am Boulevard Malesherbes und richten sich mit 
Simultane-Mobiliar ein. Sie haben Kontakte zu 
Dichtern und Schriftstellern der Surrealisten- 
Gruppe; Breton, Aragon, Soupault, Tzara, Cre- 
vel, Desnos, Baron, Huidobro. Sonia stellt in 
Berlin im Sturm ihre portugiesischen Werke aus. 
Mondrian veröffentlicht seine Theorien über den 
Neo-Plasticisme, 
lm kommenden Jahrzehnt liegen bei Sonia De- 
launay die Schwerpunkte auf Stoff-, Mode- und 
Kostümgestaltung. 1922 entstehen ihre ersten Si- 
multane-Schals, 1923 werden in Lyon die ersten 
Simultane-Stoffe produziert. Sie gestaltet Ko- 
stüme für Tzaras Theaterstück „Le Coeur d gaz". 
Greta Garbo wird entdeckt. Chagall kehrt von 
Rußland nach Paris zurück. 1924 entschließt sich 
S. D., ihre Stoffdruckkreationen und die Mantel- 
modelle aus Wollstickerei im eigenen Atelier 
herzustellen. Ihre Simultane-Kleider inspirieren 
durch ihren Einklang von Schnitt-Farbe-Funktion 
in den zwanziger Jahren Fachleute der Mode, 
van Bühne, Film und Innendekoration. Sonia D. 
wird als die eigentliche Erfinderin (in Zusammen- 
arbeit mit dem'.Pariser Couturier Jacques Heim) 
des Prät-a-Porter bezeichnet. 1925 beteiligt sie 
sich mit Jacques Heim an der Exposition des Arts 
Decaratifs und richtet mit ihm eine Boutique „Si- 
multane" auf der Alexander-llL-Brücke ein. lm 
gleichen Jahr nimmt sie mit ihren Simultane- 
Stoffen am Salon d'Automne und an einer Aus- 
stellung L'Art d'Aujaurd'hui teil. Der Verlag 
Chretien gibt ein ihrem Werk gewidmetes Album 
heraus; „Sonia Delaunay, ihre Malerei, ihre Ob- 
jekte, ihre Simultane-Stoffe, ihre Mode". Für 
einen Journalisten kreiert sie ihre erste Autobe- 
malung. Hindenburg wird Präsident der deut- 
schen Republik, Chinas Revolution hat begonnen, 
die erste Ausstellung der Surrealisten findet statt, 
Bernard Show erhält den Nobelpreis. 1926 reali-
	        

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