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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 145)

. Österreichisches Museum für angewandte Kunst 
 
Kunsttourismus und „Museum auf Rädern" 
Mit der Entdeckung der Fresken in der bisher als 
Rumpelkammer dienenden Kapelle des Schlosses 
Ottenstein ist der niederösterreichische Raum um 
eine kunsthistorische Sensation von besonderer 
Attraktivität bereichert worden. Der Kunsttourismus 
hat ein neues Ziel zum anfahren. Man kann 
annehmen, daß das allmählich eingebiirgerte 
Aufsuchen von kunst- und kulturhistorischen Stätten 
über Land - zu denen in erster Linie die Außen- 
stellen der Museen zählen - dadurch eine neue 
Belebung erfahren wird. Eine erfreuliche Tatsache 
auch deswegen, weil im weiten Spannungsfeld 
zwischen bereits begründeten und zum Teil vor 
dem Verfall geretteten Kunststätten und noch 
gefährdeten, vom substantiellen Abbröckeln bedroh- 
ten Sdiloßarealen und Schloßparks, wie z. B. 
lschl, Gneixendorf u. a., ein neuer Ansporn 
gegeben ist, in dem Erhaltungsbewußtsein nicht 
nachzulassen. Wenngleich auch heute die trotz 
„sicherer" Existenz fest etablierten Außenstellen, 
die als längst selbstverständliches Faktum gelten, 
immer wieder von den Stammhäusern her der 
Auffrischung und Belebung bedürfen. Die 
Museumsverantwortlichen tun, was sie können, 
öffnen verständniswillig ihr breites Obiektepotential 
aus Sekundärsammlungen, um frisches Blut in 
Form von Ausstellungen, Neuaufstellungen und 
Umgestaltungen hier zuzuführen. Die echten Kunst- 
„touristen" honorieren dies durch unverminderte 
Treue, suchen besonders geschätzte lnstitutianen 
sogar gerne immer wieder auf. 
Moderne, aufgeschlossene Museumsdirektoren, 
denen daran gelegen ist, daß auch internationales, 
interessiertes Publikum „ihre Schätze" zu sehen 
bekommt, haben längst das „Museum auf Rädern" 
installiert, und dieses rollt zu aller Zufriedenheit. 
So auch das Österreichische Museum für 
angewandte Kunst, das mit einer Ausstellungs- 
tournee „Keramik des Jugendstils aus Böhmen 
und Mähren" ins Stadtmuseum Linz (19. 13.-25. 4. 1976), 
nach München, Adalbert-Stifter-Verein, Stuck-Villa 
(13. 5.-4. 7. 1976) und weiter nach Regensburg, 
Ostdeutsche Galerie (15. 7.-5. 9. 1976] zieht. 
Zwar immer wieder mit einiger Besorgnis, iedoch mit 
dem tragenden Gedanken der kulturellen Hilfe- 
leistung, leiht man oft sehr wertvolle Obiekte. Auch 
hier auf breitester Basis das {Österreichische Museum 
mit Beteiligungen und Leihgaben in London, 
„Arts of Islam. World of lslamic Festival" 
(B. 4.-4. 7. 1976), Hayward Gallery (mit Orient- 
teppichen), in Stift Lilienfeld „1000 Jahre 
Babenberger in Üsterreich" (15. 5.-31. 10. 1976) 
(mit Gösser Ornat, romanischem Faltstuhl, Bronzen), 
in Schloß Schornstein „Bauernkriege" 
(15. 5.411. 10. 1976) (Keramik, Metallarbeiten) und in 
Salzburg „Spätgotik in Salzburg", Salzburger 
Museum Carolino Augusteum (18. 6.-17. 10. 1976) 
(Silberschmiedearbeiten, Keramik). 
leopold netopil 
11-1 
Bundesministerium für Wissenschaft 
und Forschung 
Besucherstatistik der staatlichen 
Museen und Kunstsammlungen 
1975176 
Das Bundesministerium für Wissenschaft 
und Forschung gibt bekannt, daß in den ihm 
unterstehenden staatlichen Museen und 
Kunstsammlungen in den Monaten 
November 1975 118.345, 
Dezember 1975 97.771, 
Jänner 1976 92.324 
Besucher gezählt wurden. 
58 
Wiener Mosaikwerkstätte 
Leopold Forstner 
Katalog Neue Folge Nr. 39 
Altes Haus, Säulenhof 
Wien 1, Stubenring 5 
19. 12. 1975-31. 1. 1976 (verlängert bis 29. 2. 1976) 
„Seit einigen Jahren sehen wir in Wien eine 
Masaikwerkstätte emporblühen, die mit aner- 
kennenswertem Erfolg bestrebt ist, Neues zu 
schaffen, und deren Erzeugnisse wesentlich als 
Produkt ganz persönlichen Könnens und persönlichen 
Geschmacks angesehen werden müssen." - So 
würdigte 1912 der damalige Vizedirektor des 
Österreichischen Museums Josef Folnesics das 
Schaffen und die Bedeutung Leopold Forstners und 
seiner Wiener Mosaikwerkstätte in knoppster 
Charakteristik. Einem Zufall ist die Wiederent- 
deckung dieses Schülers der Wiener Kunstgewerbe- 
schule unter Koio Moser zu danken, als W. Hofrat 
Prof. Direktor Dr. Wilhelm Mrazek Mosaike des 
Künstlers im Wiener Dianabad aufspürte und 
identifizierte. Forstner, 1878 in LeonfeldenlOU 
geboren, wuchs in die breite, alles erfassende 
Aufbruchsbewegung iunger österreichischer Künstler 
zur Jahrhundertwende hinein, und seine universelle 
Begabung wurde von berühmten Zeitgenossen, 
wie Otto Wagner, Gustav Klimt und anderen, 
geschützt. Schon beim Zusammentragen des Werkes 
für die Ausstellung wurde deutlich, daß Forstner 
die Herstellungsprinzipien und -techniken des 
Mosaiks neu überdacht hatte und neue Ausdrucks- 
und Gestaltungsmöglichkeiten suchte und fand. 
Inspiriert vom Geiste Ravennas, Venedigs und 
Roms auf Studienreisen, fand sein Suchen letzten 
Endes zum kombinierten Mosaik. Damit bereicherte 
er die künstlerische Praktik des Mosaikmachens 
durch Einsatz von Glas, Keramik, Email, Stein, 
(a auch durch Ton, Kupfer und Marmor. Wozu kam, 
daß er eine sehr genaue Materialkenntnis besaß 
und, wie er selber es ausdrückte, „das Material 
durch die Zeichnung nicht umbrachte". Den hohen 
Ruf der Wiener Mosaikwerkstätte begründete 
einerseits die Meisterschaft Leopold Forstners, 
sowohl nach Vorlagen fremder künstlerischer 
Entwürfe diese in diese autonome Kunstform 
umzusetzen und auszuführen, wie anderseits auch 
nach eigenen Entwürfen optimale Mosaik- 
schöpfungen zu schaffen. Die bekanntesten Arbeiten 
die Kirdie „Am Steinhof" (Entwürfe von Kola 
Moser für die Glasfenster und Rudolf Jettmar für 
das Altarmosaik), der Stocletfries von Gustav Klimt. 
Vollkommen eigenständige Arbeiten schuf er z. B. 
für die Dr.-Karl-Lueger-GedächtniskirchelWiener 
Zentralfriedhof, das Dianabad, die Kirche in 
Ebelsberg bei Linz, in Korneuburg wie auch in 
Übersee, CallioconlUSA. 
Die Ausstellung zeigte im Säulenhof auf schwarzen 
Tafeln ein imposantes Runddekorum, dem eine 
Dokumentation, graphische Arbeiten und Kartons, 
Ulbilder und Aquarelle vor- und nebenher unter- 
stützende Abrundung zur Vielseitigkeit des Leopold 
Forstner hin vermittelten. Bedingt durch die 
wirtschaftliche Lage der zwanziger und dreißiger 
Jahre wandte sich Forstner durch Umwandlung 
seiner Wiener Mosaikwerkstätte in eine Stockerauer 
Edelglaswerke AG der Produktion von Glas- 
erzeugnissen zu. Doch die Nöte der Zeit erdrückten 
schließlich auch diesen Versudi, sich die künstlerische 
Selbständigkeit zu erhalten. Ein breites Sortiment 
erlesener Gläser bezeugte dem Künstler, daß er 
auch dieses Medium beherrschen lernte und 
imstande war, beachtliche Leistungen aus dem 
Geiste der Zeit hervorzubringen. in seinen letzten 
Lebensiahren von 1929 bis 1936 lehrte er am 
Bundesgymnasium Hollabrunn. Aufmerksamen 
Besuchern der Ausstellung war die Möglichkeit 
geboten, über ein Dokumentationsfoto ein Mosaik- 
werk Forstners am Orte seiner Bestimmung zu 
betrachten. Das figurale Tympanon außen, über 
dem Portal des Neuen Hauses des Österreichischen 
Museums, in der Weiskirchnerstraße. Forstner 
baute hier nach einem Entwurf von Rudolf Jettmar 
eine farblich fein abgestimmte Rundszene, die als 
starker Akzent in die Gesamtarchitektur des Hauses 
integriert ist. Jammerschade, daß die Hektik der 
Zeit dem flüchtig Vorübereilenden so hoch 
angelegt ein Werk varenthält, das sicher der 
Betrachtung wert ist. Die Mosaikkunst als solche in 
ihrem bruchstückortigen Zusammenhang, ihr 
lebendiges, spontangesetztes künstlerisches Bild 
von eigenartigem Reiz hat Leopold Forstner sicher 
am stärksten fasziniert. Mittels ihrer zeitenüber- 
dauernden Technik und Haltbarkeit hat er versudtt, 
Geist und Erscheinungen aus seiner Zeit in Bilder 
zu legen (Abb. 1-4). 
symon + symon 
Schmuck und Objekte aus Papier, Leder, Metall 
Katalog Neue Folge Nr. 40 
Altes Haus, Eitelbergersaal 
Wien 1, Stubenring 5 
12. 1-28. 3. 1976 
Ein Bild einer Ausstellung, das die Situation eines 
Künstlerpaores, einer Familie gleichsam, zum 
Ausdruck bringt: in durch nichts beschänigender, 
nichts verfälschender Klarheit und Überschaubarkeit 
eine Präsentation eines aus familiärer Geborgen- 
heit gewachsenen Werkes. Die Syrnons, Josef und 
Miroslava, leben wie andere Künstler auch schon 
nach Rousseauschem Geist. lst ihnen so etwas 
wie existenzielle Grundvoraussetzung. Im 
Verwachsensein mit-der Natur - sie wohnen „am 
Rande der Welt" irgendwo am Wechsel - fließen 
die täglichen Handreichungen und Verrichtungen 
in ihre Kreativität, durchdringen sie, und umgekehrt 
Für sie sind taubefallene Gräser am Morgen eine 
unerschöpfliche Quelle zu neuer künstlerischer 
Frische. Sie leben mit und durch die sich 
entfaltenden Gewächse und Bildungen um sich, 
spüren vegetabilen Gesetzmäßigkeiten nach, 
aus denen ihre einfache, bisweilen puritanische 
künstlerische Sprache sich wie von selbst ableitet. 
So prägt sich bei beiden so etwas wie ein 
Symonscher Stil aus. Er, Josef, arbeitet vorwiegend 
an Schmuck und Plastiken in Metall. lm Ansehen 
derselben, dem gefächerten Offensein harmonisch 
schwingender Formen kommt nichts vom harten 
Fleiß zutage, der diese stille Harmonie an 
umgesetzter Natürlichkeit zustande bringt. Man weil 
vom unermüdlichen Studium des Josef Symon 
vor der Natur, der Abgeschiedenheit mit sich selbst, 
die seine künstlerische Aussagekraft intensiviert. 
Desgleichen bei ihr, Miroslava Symon. Voll in 
Anspruch genommen von Kindobsorge und Familien 
betreuung bleibt ihr zur Suche nach künstlerischer 
Aussage ganz wenig Zeit, verbleiben karge Stunder 
Sie bevorzugt die leichten schmiegsamen Materialiei 
Leder, Pergament, Papier. Daraus formt sie fein- 
linig verzierte Dekore, schmückt im ansprechenden 
Kontrast mit simplen Bachkieseln. Und veredelt 
und krönt geradezu mit diesen reinen Natur- 
elementen ihre schlicht-puren künstlerischen 
Formungen. Außerdem restauriert sie alte Bücher. 
Legt in dieser konservierenden und beschützenden 
Tätigkeit die gleiche Hingabe an den Tag. Ein 
reicher Werkekreis entsteht um und zwischen der 
Alltagsarbeit: Halsbänder, Armringe, Bucheinbände, 
Döschen und Kassetten in nobler, unaufdringlicher 
Prägnanz. Zwischendurch „assistieren" die Kinder irr 
ersten künstlerischen Mittätigseinwollen. Eine 
Farm künstlerischer Symbiose, die alle Aspekte des 
Idealen trägt, hinter der aber doch auch der 
notwendige Erwerb, das Behouptenmüssen, der 
Existenzkampf stehen. Josef Symon lehrt an der 
Hochschule für angewandte Kunst mifviel Ambition. 
Auftragsarbeiten im sakralen Bereich beweisen 
seinen Hang zur klaren einfachen Bildsprache, 
deren Verständlichkeit und Durchbildung beein- 
druckt. Großplastiken, Kreuze, Gittertore, kleine 
freie Plastiken und Anhänger, Halsbänder, Ringe 
in mannigfaltigster Form, darin beweist Josef 
Symon seine künstlerische Reife. Fragile oft zartest 
Gebilde, im Ausdruck dem femininen Wesen 
geradezu auf den Hals oder Arm oder Ring 
empfunden. Symon + Symon demonstrierten im 
Eitelbergersaal kraft ihrer Schöpfungen, wie sehr 
ein inniges Verhältnis zur Natur Kreativität prägen 
und veredeln kann. 
leopold netop
	        

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