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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 165)

audia Diemer 
iener Porzellanfiguren 
der Nachfolge 
aorg Raphael Donners 
'aris. Wiener Porzellan um 1750; Höhe 19 cm. Unter- 
lasurblauer Bindensohild. Wien. Österreichisches 
luseum für angewandte Kunst, lnv. Nr. Ke 5415 
"ieorg Raphael Donner: Merkur mit Arguskopf. Blei, 
nl 1738139. Hohe 39,2 cm. Nürnberg, Germanisches 
lationalmuseum. lnv. Nr. Pl. 2381 
erkungen 1-20 (Anm. 10-20 s. Text S. 22) 
riirzi ziiiene Literatur: 
904 - (Josef Fdlnesiesn Ausstellung von Ali-wiener Porzellan. 
lsierreiieiiisenee Museum 1ur Kunsi und lndusine, wien 1904. 
910 - wilrieliri Mrezekund weliraud Neiivvinn- WienerPmzeilan 
1994, Österreichisches Museum iurangewandte Kunsi. Katalog 
r. a, wien 1910 
sics-Braun - Josef Fblnesies und Edmund wilnelm Braun ce- 
wie der K.K. wiener Porzsllanmanuiaktur wien 1907. 
- Andreas Pigler Georg Raphael odnner wien und LSIpZlg 
(Abhandlungen des Kunsinisrdriserien Instituts der Pazma- 
liversitat. Budapest, B119). 
.1904. Nr sss; Kat 1910, Nr so: 
ka Tietze-Corlrat: Unbekannte werke von G.R.DOHI1SY. ln:Jahr- 
2h der KK, Zerltralkommlsslort iur Erforschung und Erhaltung 
Kunsi- und riistdrisbnen nenkmale, NF 111,2, wien 1905, Sp 
l-221. 
nesies-lsraun. Anm. 43a zu s 111; Erika Tietze-Corlrat. Kerrek- 
an zu dem VOrI E. Tiatze-Conral zusammengestellten oeiivre des 
Fl. udnner In: Kunstchronik und Kunstmarkt Nr. 10. a. Dezern- 
r 1920, s. 196 
Wilhelm Mrazek wiener Porzellan mit dem aindensenild. ln. 
z und moderne Kunst a 119591. Heft 5. s. 11. 
lrlO Grimschitz: cebrg Raphael Donner. Der Brunnen am Neuen 
rkt in wien. Stuttgart 1959 (Reclams Werkrrlonographien zur 
ienden Kunsi 991. 
lried Asche. Bemerkungen zu Balthasar Permosers werk. ln: 
istellungskataiog Barockplastik in Norddeutschland. Museum 
Kunst und Gewerbe Hamburg, Hamburg 1911, s. 191. 
-nda, s. 191-193. 
miaus Donner wer 1149-1155 Preiessbr der Bildhauerei, Bal- 
sar Mdil bekleidete den Posten von 1151-1154 und Jakob criri- 
ph Schlatterer VUrt 1751-1112; vgl Walter Wagner Die Ge- 
ichte der Akademie der bildenden Künste in Wien. Wien 19s1 
röffentlichungen der Akademie der bildenden Kunsie in Wien, 
Bd. 11, s 90a. 
'Schulerschaft Molls bei eebrg nebrieel odnrier vgl. Claudia 
mer. Balthasar Ferdinand Moll und Georg napiiael Donner. die 
traiireliels im oslerreieiiiserien Barockmuseurrl und iiire Vor- 
ler, I Miliailungen der osierreieniseiien Galerie 1917. s. 91. 
lwig Schrlorr von carblsield - Erich Köllmanw Porzellan dereu- 
äiserien Fabriken Bd. I. s Auflage, Braunschweig 1974. s. 190. 
n verlielinis Donners zur wiener Akademie vgl Plgler s, 10a, 
. 1970, s 4a. 
imemßria dür Holkemmer Sh Kaiser Karl VI. vom 31. August 
15, ziiien nach carl vdn Lullow Geschichte der K.K Akademie 
bildenden Kiinsle wien 1911. s. 11 
. 1910, s. 25. 
ra rasnedi-Marik wiener Porzellan bo 1911, s. 14 
. 1910, Nr. 299 und 500. 
itocollum Denenigen Academischen Scholaren, welche SlCh in 
Kali König Hot-Academie der Mahler- Blldhauer- und aeu- 
is1 um die aus Allerhöchsten Kai. Kbnig cnaden auigesezte 
emia beworben neben (Ardriiv der Akademie der bildenden 
iere, wien1. 
von seilen Kaiser Karls vl.. der in einem neliel von Matthaus 
iner (Palais areuner, Wien) in Gestalt des Hercules musarum 
nerrlienr wird, welcher der Kunst zu neuem Leben verhilft, vgl. 
1a Tietza-Conrat: Künstlers Erdenwallsn im Spiegel der oster- 
iniserien Barockkunst . In: Die bildenden Künste ll 119191. s. 
es, rnit Abb. 
1er, Abb. 1:14 (Glpsmodell ll'l't wiener Munzamt) 
irees Pigler: Neid und Unwissenheit als WidsrsacherderKunst. 
nographiscrle aeiirege zurGeschichte derkunslakadeinien. ln. 
a historiae anium Acadernlae scientiarurn hungaricae 1 119541. 
215-254. 
ile nos PaLLas lelvl taLes enecei Anes 
direkten Gleichsetzung Maria rrieresias m11 Minerva vgl 
iau- und cedenkmunzen Maria Theresias. Graz 1970 (Nach- 
ck der Ausgabe wien 1192. mit einer Einleitung von sunirier 
bszt-Ohstorft), Nr. xxxvlll, s 49 (11431; Nr. XLVII. s. a4 111451 
l Nr. cxxxl. s. 166 111571. 
nesics-Braurl s 55 
1970. S. 25 
{a TietIe-Corlral: Korrekturen . . .(slehe Anm 3). S. 197 
iiralcha Autnahmsstucke abgebildet bei Erika Tietze-Conrat: 
GHEICPIISCPIB Ezrocknlastik. Wien 1920 
heim Mrazek Wiener PDrlBlIiH mit dem Eindanschlld in ANS 
1 moderne Kunst 3 11953). Heil s, S 17. schreibt das Mbdell Nie- 
mayer zu. 
 
Georg Raphael Donner als Modeileur einer Wiener 
Porzellanfigur - diese Entdeckung glaubte die 
Barookforscherin Erika Tietze-Conrat angesichts 
der Paris-Statuette (Abb. 1) zu machen, die 1904 in 
der uAusstellung von Alt-Wiener Porzellanu im 
Österreichischen Museum für Kunst und Industrie 
zu sehen warl. In einem grundlegenden Aufsatz 
über unbekannte Werke Donners stellte sie ihre 
These vor und knüpfte daran die Vermutung: 
uWenn die Geschichte der Wiener Porzellanfabrik 
geschrieben sein und eine größere Anzahl von 
Werken in Reproduktionen vorliegen wird, so dürf- 
ten sich wahrscheinlich noch andere Arbeiten fin- 
den, die mit Raphael Donner in Zusammenhang 
stehen?" Obwohl die Autorschaft Donners an der 
Paris-Figur sehr rasch und überzeugend bestritten 
wurde3, hatte Erika Tietze-Conrats Annahme doch 
ein wesentliches Phänomen der Wiener Porzellan- 
plastik erkannt und noch vor Erscheinen des um- 
fassenden Porzellanwerks von Folnesics-Braun 
die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß eine gro- 
ße Zahl der Wiener Porzellanliguren an die Plastik 
Georg Raphael Donners (1693- 1741), des bedeu- 
tendsten Wiener Barockbildhauers, anschließen. 
Heute, nachdem die chronologische Abfolge der 
Wiener Porzellanmarken erforscht ist, wissen wir, 
daß die meisten dieser Figuren in die Frühzeit der 
Staatsmanufaktur gehören, also zwischen 1744 
und etwa 1770 entstanden sind - ja, die Prägung 
der Wiener Porzellanplastik durch Donnersche 
Formelemente ist geradezu ein Stilkriterium die 
ser Periode gewordent. Merkwürdigerweise findet 
sich bei keiner Wiener Porzellanfigur. die zu Don- 
ners Lebzeiten (1693- 1741) modelliert wurde, ein 
Reflex auf die Arbeiten des spätestens seit der 
Errichtung des Providentiabrunnens 1739 auf 
dem Wiener Mehlmarkt allgemein bekannten 
Künstlers5. Die Rezeption setzt erst mit gewissem 
zeitlichem Abstand um 1750 ein. Dieses Schicksal 
der späten Rezeption teilt Donner mit seinem 
Dresdner Kollegen Permoser, dem nVater der eu- 
ropaischen Porzellanfigurus, dessen Statuetten 
oft erst im Generationsabstand von Meißener Mo- 
delleuren kopiert oder als Anregungen für eigene 
Schöpfungen benutzt wurden7. 
Die Modelleure der jungen kaiserlichen Manufak- 
tur konnten sich auf zweierlei Weise mit dem Stil 
des vorbildlichen Meisters vertraut machen. Ein 
Weg führte über das Studium der Kunstwerke 
selbst, der andere über den Unterricht bei Bildhau- 
ern, die ihrerseits bei Donner in die Lehre gegan- 
gen waren. Beste Gelegenheit für den zweiten 
Weg bot die Wiener Akademie, an der in den be 
treffenden Jahren gleich drei Schüler und Mitar- 
beiter Donners Professorenstellen innehatten und 
den Stil Donners in mehr oder minder eigenständi- 
gen Abwandlungen weitergeben: Matthäus Don- 
ner (1704- 1756). Schüler seines älteren Bruders, 
Jakob Christoph Schletterer (1699-1774), Mitar- 
beiter schon bei den Skulpturen der Salzburger Mi- 
rabellstiege, und Balthasar Ferdinand Moll (1717 
bis 1785), ein Schüler aus Donners letzten Lebens- 
jahrenß. Dieses Dominieren der Donner-Schüler an 
der Akademie hat dazu geführt, daß akademischer 
Stil und Donner-Nachfolge oftmals gleichgesetzt 
werden, obwohl Donner selbst nie an der Akade- 
mie gelehrt hatte9. Die Wiener Modelleure schei- 
nen diesen Weg der Donner-Nachfolge bevorzugt 
gegangen zu sein. Die Vorliebe auch der Manufak- 
turleitung für die akademische Kunstrichtung 
zeigt sich in den gestellten Themen einerseits, in 
der Auswahl des an der Akademie geschulten und 
zeitweise dort angestellten Johann Josef Nieder- 
mayer (1710- 1784) für den Posten eines Modell- 
21
	        

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