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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 165)

meisters andererseits"). Ein Beweggrund für die 
se Vorliebe lag wohl in der Tatsache, daß Akade 
mie und Porzellanmanufaktur kaiserliche Institute 
waren, deren gegenseitige Unterstützung auch 
wirtschaftliche Vorteile bringen konnte. Karl VI. 
hatte ja 1725 die Akademie nicht zuletzt deshalb 
restituiert, damit die Künste nach dem Vorbild an- 
derer Länder zur "nicht geringen aufnahm des 
Commercij practicirtrr werden sollten". Sicher er- 
folgte eine derartige Umstrukturierung der Manu- 
faktur, welche die bisher hauptsächlich auf Ge- 
schirr abgestellte Produktion radikal umstellte, 
nicht allein aus künstlerischen Gründen. Auch 
technische Gründe, wie die 1749 erfolgte Einfüh- 
rung einer feineren, bildsameren Porzellanmasselz, 
mögen eine Rolle beim Aufschwung der Wiener 
Porzellanplastik gespielt haben. 
Zwei typische Beispiel (Abb. 3 und 4) für die "aka- 
demische RiChtungu des Wiener Porzellans sind 
die unbemalte Gruppe nHermes, Argus und lo-r 
und die 1752 datierte Allegorie auf Minerva mit 
der Personifikation der Kunstlß. Mythologisch- 
allegorische Themen waren an der Akademie für 
die alljährlich ausgeschriebenen Preise überaus 
beliebt. So erscheint 1750 im "Protocollumu als 
Thema der Preisaufgabe für die Maler: "Die Aca- 
demie mit ihren Attributis bey den Füßen der Mi- 
nervatt" als ein der Minerva-Gruppe nächstver- 
wandtes Sujet. Dergleichen Allegorien auf die 
Hilfsbedürftigkeit der Kunst. der Kunstschüler 
und der Akademien als Ausbildungsstätten und 
auf ihre Unterstützung von seiten des jeweiligen 
Herrschersl5 waren im Barock sowohl Verherrli- 
chung des Mäzenatentums des Herrschers als 
auch eine Waffe im Kampf gegen Malergilden und 
Zünfte, die den Akademien bis ins späte 18. Jahr- 
hundert hart zuselztenlö. Die Porzellangruppe 
übernahm das Thema offenbar aus dem Akade- 
miebereich, reduziert es aber aul den allgemeine- 
ren ersten Aspekt, das Herrscherlob: Mit Minerva 
könnte auf Maria Theresia angespielt sein - wo 
zu auch die Bezeichnung "Regia nos Pallas" aus 
dem Chronogramm" passen würde -, die der 
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Kunst, speziell der Porzellankunst, durch Über- 
nahme der Manufaktur in kaiserlichen Besitz zum 
Aufschwung verhalf. Gerade 1752 war die Wiener 
Manufaktur finanziell in die Lage gekommen, eine 
Niederlage in Karlsbad zu errichtenlß. 
Auch formal spiegeln beide Gruppen (Abb. 3 und 
4) die enge Beziehung zur Akademie wider. Sie zei- 
gen alle charakteristischen Merkmale des Akade- 
miestils, der Donners Figurenproportionen und 
Bewegungsschemata, auch dessen unbarocke 
Mäßigung im Gefühlsausdruck, nicht aber die 
Selbständigkeit der Figuren und ihre sichere Sta- 
tik übernahm. Die Gruppen erinnern an die heute 
5 
 
 
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im Wiener Barockmuseum ausgestellten Aufnah- 
mestücke für die Akademie. diese "Höchstleistun- 
gen in jenem von Donners Geist erfüllten Wiener 
Akademiestilulg. Bisher keinem Modelleur mit 
Sicherheit zuzuschreiben", stehen sie hier stell- 
vertretend für die neue Stilrichtung der Kaiserli- 
chen Wiener Manufaktur in ihren ersten Jahren. 
Als Träger dieser Stilrichtung wird allgemein Jo- 
hann Joseph Niedermayer angesehen, dessen 
Schulung an der Akademie ihn zum berufenen 
Mittler zwischen akademischer Kunsttradition 
und angewandter Modelleurtätigkeit gemacht ha- 
ben soll". Ja, es wird angenommen, weil Nieder- 
mayer "aus dem Donner-Kreis" stammte, rrbe- 
haupte sich  der Einfluß des größten Wiener 
Plastikers im 18. Jahrhundert, Georg Raphael 
Donners-t, an der Wiener Manufakturü. Nun kann 
eine systematische Bildhauerausbildung Nieder- 
mayers an der Akademie nicht belegt werden, 
noch weniger aber seine Zugehörigkeit zum Um- 
kreis Donners. Die Akten der Akademie verzeich- 
nen Niedermayer weder bei den Bildhauerschü- 
lern noch unter den Bewerbern für die jährlich für 
Maler und Bildhauer ausgeschriebenen Preisauf- 
gaben, sondern nur als Teilnehmer an den für alle 
Schüler zugänglichen Veranstaltungen des Analo- 
mieunterrichts und des Wettbewerbs im Zeichnen 
nach dem Modellzß. Als nlnstructor Acad. Mahlenr 
wird er 1741 in die Freikompanie der Akademie auf- 
genommenü Eine ähnliche Funktion übte er auch 
in seinen ersten Jahren an der PorzelIanmanufak- 
tur aus: Ihm oblag es, "Zeichnungen für Maler und 
Bossierer zu entwerfen, die Bossierer zu unterrich- 
ten, ihre Arbeiten durchzusehen und zu korrigie- 
ren und auch selbst zu bossierenr-ä. Daß er zum 
eigenen Bossieren kaum Zeit fand, beweist die In- 
struktion von 1750 zur Anstellung weiterer Model- 
leure, weil der Modellmeister selbst nicht "auf 
neuen lnvenliones fürdenken könnerüß. Ange 
sichts dieser Tatsache sollte Niedermayers stilbil- 
dender Einfluß, zumindest was die frühen Jahre 
der kaiserlichen Manufaktur betrifft, nicht überbe 
wertet werden.
	        

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