MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 165)

Peter Kraft 
Herausforderung am Strom 
Das "Internationale Forum 
Metall 77a und seine 
Konsequenzen 
Erklärende Hinweise zu Künstlern und 
Objekten von Peter Baum 
Das im Herbst 1977 im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes eröffnete iiForum Metallrt vereint Werke von zwölf Plastikern der interna- 
tionalen Spitzenklasse. Es geht auf ein Konzept des Rektors der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, Prol. Helmuth 
Gsöllpointner und des Leiters der Neuen Galerie der Stadt Linz, Peter Baum, zurück. Als Freilichtausstellung großformatiger Skulpturen un- 
serer Zeit konfrontiert das Linzer iiFuorum Metalltt auf den Donauwlesen und im Parkareal rund um das Brucknerhaus mit kompromißlosen 
Beispielen zeitgenössischer Kunst. Uber die international weithin beachtete Veranstaltung gibt ein großformatiges, 360 Seiten starkes, mit 
400 Abbildungen und zahlreichen Texten ausgestattetes Katalogwerk Auskunft, das von Peter Baum redigiert wurde und über die Hochschu- 
le für künstlerische und industrielle Gestaltung, A-4020 Linz, Hauptplatz 8, bezogen werden-kann. 
Kulturelle Stadtentwicklung geht immer in visuel- 
len Stößen, also mit Maßen, gewaltsam vor sich, 
mag sie dabei auch einen inneren, oberflächlich 
unsichtbaren Kontinuum in der Zeit folgen. Das 
war so, als babenbergische Städteplanung den 
Linzer Hauptplatz als Riesenrechteck für Groß- 
märkte schuf; dann später, als die Jesuiten ihren 
Dom hart daran errichteten, und im weiteren Ver- 
lauf, als nach Beendigung der Türkenkriege und 
endgültigem Ausbleiben der Pest das Monument 
der Dreifaltigkeitssaule für die Dankgebete der 
Bevölkerung steinernen Ausdruck fand. 
Sieht man einmal ab von der gewaltsamen städte- 
baulichen Veränderung des Linzer Hauptplatzes 
durch Planer und Architekten des NSFtegimes, so 
waren wohl die größten Umweltveränderungen im 
lnnenstadtbereich nach 1945 zahlreiche monströ- 
se Leuchtreklamen an Fassaden und über Da- 
chern, vor allem im Blickwinkel von der zentralen 
Mozartkreuzung her. Sie bleiben freilich ohne kriti- 
sches Echo der Massen. 
Dazu aber kamen Hochhausplanungen nahe dem 
Stadtkern, die erst mit dem Bau der Giganten 
"Lentia 2000ti in Urfahr, dem Stadtteil nördlich der 
Donau, einen ersten, deutlich artikulierten Unmut 
der öffentlichen Meinung erkennen ließen. 
Wer den Linzer Hauptplatz, diesen wunderbaren 
Austragungsort städtischer Gemeinschaft seit 
Jahrhunderten, von welcher Seite immer befahrt 
oder betritt, kann seinen Blick vor dem Emblem 
der "Nike vorl Samothrakert, steil über dem Dach 
der Hochschule für künstlerische und industrielle 
Gestaltung, die Einfahrt zwischen den Brücken- 
kopfgebäuden beherrschend, kaum verschließen. 
Er bleibt damit, ähnlich wie beim Betrachten der 
zentralen Dreifaltigkeitssaule, gezwungenerweise 
an einem Zeichen haften, das auf das Gesamtbe- 
wußtsein aller Bürger einwirken will. 
Die von der Architekten- und Designergruppe 
HAUS-FlUCKEFl-CO entworfene Nike wirbt und si- 
gnalisiert sowohl für das 1977 massiv begonnene 
"Forum Metallit, eine Freilichtschau monumenta- 
ler Metallplastiken von international bekannten 
Künstlern im Donaupark, als auch für die im 
Brückenkopfgebäude West in allernächster Nach- 
Blick durch Flinkes i-Vertikalachsenr auf die Donau 
mit den Hochbauten des neuen Linz 
1 Aufbau der iiNike von Samothraker der HAUS- 
FlUCKER-CO am Linzer Hauptplatz 
Einheben der itHommage a Anton Brucknerit von 
Eduardo Paolozzi 
Arbeitsbesprechung vor dem Modell der Plastik "Strö- 
mung-i von Erwin Reiter 
Aufstellung der iiStrömungii Reiters 
Klaus Flinke, riZwei gedachte Vertikalachsen (Lote als 
Hinweise), die sich von Linz aus im Erdmittelpunkt 
treffen-i. Stahlrohrpyramiden, Höhe 15 m, Chrom- 
nickeirohre (Mitte) 8 in. 
Instrument zur Vergegenwärtigung der Erdanziehurtgskralt in, 
an iind um sich. die beiden parallel angeordneten Plastiken er- 
schließen imd bestimmen den Raum. otins ihn zur Ganze ZU be 
änSDfUCherl. Ihre Fskiizität lind die davon ableitbarerl Wertig- 
ketten. wie eaiimtieteniing. RIUVTWGIUMBV! iiiid ldrmale Span- 
fluhg, sind ebenso rur die Geßamtwlikung wichtig, wie die ga- 
darlklichen Hinweise riii den Betrachter iirid die Einbindung tn 
eine bestimmte landschaftliche siliiatiart. 
uiawm 
barschaft untergebrachte Linzer Hochschule für 
künstlerische und industrielle Gestaltung. Das 
Werk, das da in den Lüften schwebt, ist zunächst 
einmal die detailgetreue, aber bis auf 8 Meter Hö- 
he vergrößerte Reproduktion des bereits überle- 
bensgroßen Originals. Dieses, Torso einer Mar- 
morstatue, steht im Louvre und zeigt "Nike", die 
griechische Göttin des Sieges und Tochter der 
Weisheit, geflügelt aufwärts strebend, ein Werk 
des barock gestimmten Hellenismus um 190 v. Chr. 
und somit auch den Barockengeln des Linzer 
Hauptplatzes an der Dreifaltigkeitssäule näher 
 
verwandt, als so mancher vermuten möchte. 
Die auf Aluminiumplatten gebannte, bei Sonnen- 
einstrahlung blitzend lichtreflektierende Nike be 
deutet Schock, Überraschung und originelle Ani- 
mation für die gesamte Linzer Bevölkerung. Sie 
spielt auf ein Stück Kunstgeschichte an, aber ko 
piert dieses nicht, sondern setzt es auf Distanz 
(wie man die Kunstreproduktion in einem Buch 
aufschlägt). Dabei wird der Eindruck des Vorzei- 
gens mit Hilfe eines in seiner Technologie frei 
sichtbaren iinacktentt Gerüstes bewußt ange- 
strebt. Dieser optische iiAufhängerii schlagt eine 
suggestive Brücke hinunter zum nur wenige Geh- 
minuten entfernten Donaupark, wo eine Freilicht- 
schau monumentaler Metallplastiken auch hohen 
internationalen Ansprüchen gerecht wird. 
Neu und zielführend am "Forum Metallii 1977 war, 
daß die daran beteiligten Plastiker aus ganz Euro 
pa und den USA ihre bei den verschiedenen öster- 
reichischen Betrieben der metallverarbeitenden 
Industrie eingereichten Pläne und Werkzeichnun- 
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