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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 165)

gen während des gesamten Produktionsvorgan- 
ges, und bis zur endgültigen Aufstellung hin, über- 
wachen und mitverfolgen konnten. Damit war eine 
optimale Vereinfachung als arbeitsteiliger Prozeß 
zwischen künstlerischer Werkidee und technisch- 
industrieller Fertigung gegeben. 
Die Freilichtschau erregte entsprechendes Aufse- 
hen auch, weil sie ganz für den gewählten Ort der 
Präsentation geplant und entwickelt worden war. 
Schon seit Jahren haben sich Linzer Künstler um 
die Verwirklichung eines solchen "Donauufer- 
MUSGUFHSM für zeitgenössische Kunst bemüht. Die 
bisher aufgestellten Arbeiten des i-Forum Metallu 
haben das Linzer Park- und Straßenpublikum in je 
ne Unruhe von Widerspruch und Billigung bis hin 
zur Ergriffenheit, zum ästhetischen Betroffensein 
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versetzt, was alles ingesamt erst Weiterentwick- 
lung von Stadtkuitur, als Ganzes betrachtet, mög- 
lich macht. 
Wer im Donaupark steht, wird keineswegs entlas- 
sen aus dieser Atmosphäre des schöpferischen 
Ärgernisses, der Provokation um der Bewußt- 
seinsschärfung willen, wie sie die Nike verbreitet. 
Dern locker-distanzierten Betrachter wie dem 
emotionslosen Skeptiker werden freilich auch iro- 
nische, ja sogar humoristische Bezüge aufgehen, 
und dies bei aller sonstigen Verschlossenheit der 
Arbeiten, ja selbst Trauer um die Zeit, die von den 
Plastikern in ihre Werke mit hineingenommen wor- 
den ist. 
Da ist der riesige Donauatlas des Schweizers 
Bernhard Luginbuhl gleich in der Nähe der Nibe- 
6 Herbert Bayer, wBrunnenskulplur-r, Durchmesser des 
Beckens 7,5 m. 
Die Skulptur besteht aus 17 Chromnlckelslahlronren innerhalb 
eines mit Mühlviertler Granit verkleideten Wasserbeckens. Die 
Anordnung der Zylinder eriolgte im sinne einer gegenläufigen 
Spirale, basierend aul einer mathematischen Progression. 
in seiner rhythmischen Eleganz. der Anordnung und Gilede 
rung seiner mit ieinem Wasserüberliulen ausgestatteten Ele 
mente erinnert dieses Werk des 1900 in Heag am Hausruck ge 
borenen. seit 1938 In den USA lebenden Künstlers an den Vor- 
gang des Komponierens, an die Gesetzmäßigkeiten und Spen- 
nungsverhaltnlsse eines Musikstuckes. 
Sein Standort innerhalb des kontrastierenden Grün im Parkbe- 
reich des Brucknerileuses darf als ideal bezeichnet werden. 
Die Stadt Linz kann durch diese Auftragserteilung den Ruhm 
im sich in Anspruch nehmen, als erste österreichische Stadt in 
den Besitz einer im öiientilchen Bereich auigesteliien reprä- 
seniatlverl Arbeit des universellen Gesialiers und ehemaligen 
Bauhausmeisters gekommen zu sein. 
7 Herbert Bayer vor seiner Erunnenskulpiur vor dem 
Brucknerhaus 
8 Max Bill, r-Pavilionskuipiurrr, 346,5x346,5x 346.5 cm. 
Der bedeutende Schweizer Piesiiker, Maler. Designer und 
Theoretiker verdeutlicht mit dieser aus Stahl und verleimtem 
Holz geschaiienen Skulptur die Harmonie einfacher, durch 
zwei verschiedene Materialien kontrastierend hervorgehobe- 
nen Gesetzmäßigkeiten. Sie besteht aus 8 Metaileckerl, in die 
Insgesamt 12 Holzbalken eingesteckt wurden, An jeder der e 
Ecksteiierl entsteht ein auf dem Querschnitt des Hoizbalkens 
(22 cm) als Maßeinheit basierendes Wechselspiel. 
Bill zeigt mli seiner nFavlllonskuipturu, deß ein vergleichswei- 
se kompiexer Gestaltungsvordang praktisch mit einem einzi- 
gen Element vollzogen werden kann. DleArbelt appelliert an 
den Betrachter, über den Eindruck des Asthetlschen hinaus 
die Gesetzmäßigkeiten und Maßeinheiten, aui denen das Werk 
aulgebeut ist. kontrollierend zu überdenken. Gleich den Bilr 
dem, Graphiken und anderen plastischen Werken des 190a ge- 
borenen Gesialiers ist das Werk eln Beispiel der konkreten 
Kunst, das bewuBi aut jede Abbildttiltigkeii verzichtet. 
9 HAUS-RUCKER-CO, wNike von Samothrakes. Höhe der 
Figur 7 m, Aluminium geätzt aut Slahigerüst. Aufge- 
stellt am Dach der Hochschule lür künstlerische und 
industrielle Gestaltung. 
Bei dieser vieldiskuilerten Figur handelt es Sißh um eine veran- 
derte Nachbildung der heute lrn Louvre von Paris beilndllchen 
nNlke von Samoihrakek. Das ilir die Llnzer Nike gewählte Vor- 
bild entstand um etwa 190 v. Chr. Samotilreke ist der Name ei- 
ner griechischen irlsel vor der Küste Thraklens. die wNike von 
Samoihrakerr gilt als herausragendes Beispiel griechischer Ge- 
samtplastik. Sie ist nur als Torso erhalten und stemmt ur- 
sprungilch aus dem Nischenbau eines Schiiisbuges. von dem 
sie siegverkündend herabzuschweben schien. Vergleichbar 
dem hier skizzierten Vorbild dieser berühmten griechischen 
Slegesqdttln will ihre Linzer Schwester den Auibruchswillen 
der iungen Linzer Kunsthochschule symbolisieren. Für die 
Slehlstadt L'nz tunqierl sie als Zeichen ihrer weltweit bekann- 
ien Industrie. Für das rrFarum Metall-r wirbt sie - wissend um 
die ihr innewohnende Provokallen und deren hottentlich 
truchibrlngende Folgerungen - als sladleonulioh exponierter, 
unübersehbarer Hinweis aui die Ausstellung der Großpiesii- 
ken im Donaupark. Die - milden Materialien unserer Zeit und 
dem Nichtverdeckten ihrer Technologie - vollzogene Geste 
der Vergangenheit gegenüber ist Aniaii ilir einen kompletten 
Prozeß des Nachdenkens und Relativierens.
	        

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