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Objekt: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 200)

1z Fuhrmann 
a Pflasterung 
' Kollegienkirche 
Salzburg 
wird verstehen, daß ich diesen Beitrag, der zur 
schritt für Erich Hubala vorgesehen war, nur mit 
em Zögern darreiche, hat doch außer dem Biogra- 
Fischers von Erlach. Hans Sedlmayr. gerade der 
ar die Wesensstruktur dieses einzigartigen Kir- 
baues von Fischer mit bewundernswerter Treffsi- 
weit und sprachlicher Ausdruckskraft freigelegtf 
1 ich den Schritt dennoch tue, so in dem Bewußt- 
einer langjährigen Verbundenheit mit dem Jubilar, 
ar dreißig Jahren mit dem gemeinsamen Bemühen 
ahann Michael Rottmayr von Rosenbrunn begann. 
rveil Hubala in seiner grundlegenden Studie über 
'tis Langhaus von San Andrea in Mantua sich auch 
Fragen der Proportionierung betaßte und ihnen 
Iutung zumaß.' 
ieiner Beschäftigung mit J. B. Fischer von Erlach 
ichvorebentallsdreißigJahren imSalzburger Lan- 
rchiv auf einen Grundriß. der den Plan der Boden- 
terung der Kollegienkirche festhält. ohne bisher 
r auf ihn eingegangen zu sein. Sedlmayr hat den 
in das vVerzeichnis der Zeichnungenri (W 109) sei- 
ischer-Monographievon 1956ohneAbbildung auf- 
mmenj" Im Zusammenhang mit Proportionsstu- 
überdie Kollegienkirche, von denen ich hoffe, daß 
ls obiektivierender Beitrag zur Strukturdurchdrin- 
dieses Baues dienlich sind, rückte der Pflaste- 
splan stärker in mein Blickfeldf Das Ergebnis der 
rsuchungmöchteichIhnen.lieberHerrHubala,als 
a Ergänzung zur Gesamtgestalt dieses herrlichen 
is widmen. 
e Ausgangslage 
a ist für eine Untersuchung günstig. Erstens hat 
lie Pflasterung an Ort und Stelle erhalten, zweitens 
zen wir den erwähnten Plan und drittens gibt es 
valische Nachrichten, 
Die Pflasferung in den Schiffsarmen und Kapellen 
esteht aus quadratischen Platten im Wechsel zwi- 
n rotem Adneter und weißlichem Untersberger 
wer. Diese Platten bilden diagonale Schachbrett- 
r und werden von roten Marmorstreifen unter- 
idlicher Breite gerahmt. Die breitesten Streifen 
t in Mauer- bzw. Pilastersockelstärke) trennen die 
Aus terminlichen Gründen konnte mein Beitrag nicht 
mehr in die Festschrift für Univ. -Prol. Dr. Erich Hubala 
aufgenommen werden. Sa chlich hatte das insofern sein 
Gutes, als inzwischen noch weitere, m. E. ziellührende 
Uberlegungen berücksichtigt werden konnten. Umso 
dankbarer bin ich dem Herausgeber und der Redaktion 
Vierung von den Schiffsarmen und wiederholen sich im 
Längsschiff; schmalere Sreifen (2') säumen das Kreis- 
rund in dervierung, die Ovaltelder der Kapellen und lau- 
ten entlang der gestuften Wandsockel; die schmalsten 
Streifen (1') lassen die hellen Gruftplatten im Längs- 
schitt und in den Kapellen ein.5 Diese Anordnung greift 
die Raum- und Wandgliederung auf und rundet die 
wGestaltri des Baues gewissermaßen auch nach unten 
hin ab. Die Schrägführung der Schachbrettfelder inter- 
pretiert das lebendig Verbundene mehr oder weniger 
zentrierter Ftaumeinheiten. Dieses Fluidum des Leben- 
digen kommt in der Vierung erst richtig zur Geltung. 
1.2. Die Vierungspflasterung 
Dieses Pflaster setzt sich ebenso wie die übrigen Flä- 
chen im Wechsel aus roten und weißen Marmorplatten 
zusammen. Da die einem Kreis eingeschriebene Figur 
aus einem Bündel von sich kreuzenden Bögen gebildet 
wird, entsteht eine vielblättrige Rosette, die in eine Viel- 
zahl von zur Mitte hin immer kleiner werdenden kurvi- 
gen vRhombenii zerlegt ist. Die Rosette scheint in eine 
Drehbewegung versetzt, dereine Gegenbewegung ent- 
gegenwirkt, wodurch das wirbelnde Ornament wieder 
zum Stillstand kommt: überdeckte, zu Ausgleich und 
Ruhe gebrachte kreisende Bewegung von kaleidoskop- 
artigem Charakter, Ausdruck des Kräftespiels im dreidi- 
mensionalen Schnittpunkt der sich kreuzenden Schiffe 
und der hochragenden Tambourkuppel mit Laterne. 
Während die periphere Pflasterung mit ihren Schach- 
brettfeldern einem gängigen Schema folgt, lohnt es, der 
Rosettenfigur weiter nachzuspüren. 
2, 7. Analyse der Roseltenfigur 
Eine genauere Beobachtung erkennt eine auf die Ach- 
sen und Diagonalen des Vierungsquadrates bezogene 
40blättrige Rosette. Sie setzt eine sorgfältige Konstruk- 
tion voraus, weil die iirhombischenu Marmorplatten 
unterschiedlicher Größe beim Verlegen des Pflasters 
genau zusammenpassen müssen." Eine weitere Beob- 
achtung ergibt, daß es sich bei den Bögen um Kreisbö- 
gen handelt, wobei Anfang und Ende der Bögen durch 
bestimmte aufdem äußeren und inneren Begrenzungs- 
kreis liegende Eckpunkte eines regelmäßigen 40-Eckes 
von iialte undmoderne Kunst-r, daß sie mir die Veröffent- 
lichung in ihrerZeitschrift kurzfristig ermöglicht haben. 
Das Forum ist besonders geeignet, da Erich Hubala 
auch mit Prol. Dr. Kurt Hossacher seit Jahrzehnten 
fachlich und persönlich freundschaftlich verbunden 
ist. 
bestimmt sind und die Symmetrieachsen der roten 
ßRhomben-i mitden Radien des 40-Eckes zusammenfal- 
len. Unklar bleibt vorerst, wo der Ortskreis der Mittel- 
punkte dieser Kreisbögen liegt und in welchem Verhalt- 
nis die Radien des äußeren und des inneren Be- 
grenzungskreises stehen. Zur ErklärungdieserZusam- 
menhänge ist eine Aufmessung der Figur Voraus- 
setzung. 
2.2. Die Aufmessung der Rosette 
Sie ergibt, wie aus Fig. f ersichtlich ist, folgende Haupt- 
werte: Fürden großen äußeren Begrenzungskreis einen 
Radius (AoM : r,) von 577 - 578 cm, für den kleinen 
inneren einen Radius (BM : ra) von 134 -134,5 cm, 
die Kreisbogensehne (AOB : s) mißt 570 - 573 cm, die 
Sehnen (AOD, BD) des halben Kreisbogens betragen 
303 - 305 cm. Die Seite (A5A35) des dem großen 
Begrenzungskreis eingeschriebenen Quadrates 
beträgt817 - 818 cm und bestätigt als Kcntrcllmaß den 
Wert von r, mit 578 cm. Zu ergänzen ist noch, daß der 
Zentriwinkel AÜMB : in, auf Grund der Gegebenheiten 
(40-Eck, Lage der Endpunkte der Kreisbogen) 81 ' mißt. 
Weitere in Fig. 1 noch angegebene Maße sind für die 
konstruktive oder rechnerische Gewinnung des Kreis- 
bogenmittelpunktes und damit des Ortskreises (MS : 
rQ) nicht notwendig, können aber als Kontrollmaße her- 
angezogen werdenf 
2. 3. Die Grundkonstruktion zur Ermittlung des K rersbo- 
gerrmittelpunktes 
Die geometrisch exakte. auf den festgestellten Maßen 
aufbauende Konstruktion ist einfach durchzuführen 
und beruhtaufdem Satzdaßdie Normalenaufdie Mitte 
jeder Kreisbogensehne durch den Kreismittelpunkt 
gehen (Fig. 2). Auf Grund dieser Konstruktion ergibt 
sich, wenn r, (AuM)mit578cm und r3(BM)mit 134,5 an- 
genommen werden und - der Ausführung vermutlich 
entsprechend - gilt, daß die Normale auf s (AOB) in 
C den Radius A3M (Zentriwinkel AOMA3 : 27") in 
D schneidet, für r2(DM) : 362.4 cm, für Q AOS (: 
DS : BS) : 456.7 cm,fürs(AOB) : 572,6 cm,fürs,_2 
(AGD, BD) : 303,5 cm. Nimmt man aber MS als [2 
(: 354 cm), so erzielt man konstruktiv und rechnerisch 
einen wesentlich kleineren Wert (Unterschied zu DM 
rkungen1- 8 (Anm. 8 s. Text S 14) 
lutiala, Die Kirche 315 Universale Archllekrur, in' Renaissance und 
der, Frankfurt a. M, 196a. 156(Ep0chen derAidniielriiirrders, nie 
lSldeS17,Jahrhundei'ls,iniPrUpyiäen-Kunslgeschlcriie(Neudruck 
4) Bd. 9, 106 l. 
irnayr-Aussiellungskaialog, Salzburg 1954. E. Hubala, L B Albenis 
ghaus von Sam Andrea in Marliua, in Fesischriri für K. Badl, Berlin 
i1. B3 7 120 
äedirvlayr, Jv B. Fischer v. E.. Wien 1956. 246, 197511110. 
uhrrriann. Der Grundribder Kolleglenklrche und seine Maßvernäli- 
;e. in Fßslscnrlil iillr K. Rossacher, Salzburg 1983, 57 758; ders. 
Eniwickiung des Giundrisses der Salzburger Universiräiskircne 
zners v. E. im Hinblick aui die Maßverhälinlsse, in' Fesiscnrlli liir 
2 Franz (ini Erscheinen). - Einer seseliarligung rnil der vieiiings- 
slening war vor allem hinderlich, daß sie bis zur Aiiislelliing des 
rsaliares durch die Kirchenbanke verstellt war Vgi auch Anm 7 
lroßen undganlenlsi der Sieinboden gui erhalten, wersl aberäliere 
lgenz neue Ausbesserungen ein nie Farblgkeii des rbien Adneier 
mors (bei Hallein) und deS welßllchen Unlersberger Marmors 
wankl Fur das Pilasier wurde nur der relativ gleichmäßig Sliimpl- 
iAdneier (nicni der welßgesprenkelie oder der Adneier rrbni) bzw. 
weißlieli-geibe. leiehl ins Grau gehende Uniersberger Mnrrndr ver- 
idei. Die breiien dunklen Felder unter den Käßellenarkaden und im 
gsenili giier V0n Pilesler zu Pilasier gelegr Sind in Sich nochmals 
Erieili in ein rui-grau-vluleiles Miiielield, das wie die anderen Felder 
siumpiroien siieilen r2'l elngerahnli wird 
der iiingslen Erneuerung eines Teiles der Planen diiren eine Salz- 
ger sleinrneizlirrns geniigle es nielil, die einzelnen Planen nach 
iablunen zuzuscnneiden, sondern sie rnußien anOri undSiellenocn 
ngepaöi werden An eine lrPailnlerungr der neuen Planen ist 
acht. 
Maße können nicht aui den cm genau genommen werden, da die 
ien mit ungleich großen Fugen anelnandersioßen seil Jahren ist 
Vierung - ganz gegen die Fiaumdlsposiiion Fischers - durch 
an zentralen irVolksaltar-i verstellt. Nur im Sommer während der 
ispielzeli llegi die Rosette irei und konnien die Maläeygennmmen 
den.AB17cmx0,707ii 577.7cm (0109711 I1?) 
den Mathematiker blelal die Berechnung dieser Welle gernaß der 
lsirukilon kelneSchwierigkeiren: der Nichi-Marhernarlkersoll damit 
n belaSlei werden. Unier der angenommenen Vorausseizung han- 
es sich bei Fig. 2. i. Fall. um eine rnailnernaliscn elriwandlreie Kon- 
IKÜDH. beider allerdings die Mlilelpirnkle der KreiSbÖQen nrcnl aiii 
lRadien desauickesliegen (was lßrdie Konsirukilon unverbindlich 
 
 
577-578 
1J4-134.5 
360-361 
467-470 
SKJ-IOS 
97-98 
371-372 
469-470 
570-571 
817-1118 
270 
215-216 
60 
30 
13
	        

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