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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 106)

Waltraud Neuwirth 
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„Der Luxus ist zu Wien sehr eingerissen, 
und nimmt fast von Jahr zu Jahren mehr 
zu. Man imitiret alles Frantzösische und 
ausländische moden; man träger nichts als 
auswärtige EtoHes, Tücher, Spitzen, und 
Galantetie-Waaren; die Kleider müssen, so 
viel es möglich, a la frangoise gemacht 
werden; . . .", mit diesen Worten be- 
schreibt Johann Basilius Küchelbeckerl um 
1730 ein Phänomen, dem er im Sprachlichen 
selbst unterliegt und das in der Folgezeit 
immer bedeutsamer wurde. 
Auf dem Gebiet der Frisurenmode übte 
Paris eine fast absolute Herrschaft ausl. 
Die Innung der Permquier: umfaßte hier im 
jahre 1673 zweihundert, im Jahre 1760 
bereits 850 Stellen. Zehn Alahre später 
wurden durch ein Dekret die Coeßzur: von 
den Perruquier: getrennt und zu Künstlern 
erklärtl. Le Gros begründete sogar eine 
Aradirzlie de Frixure und entwickelte ein 
Jiyrtime x12 [a Frirure 11er Damex, das er als 
„nothwendig und allgemeingültig a priori, 
aus den innersten sich selbst setzenden 
Grundsätzen der Frisirkunst gez0gen"4 
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betrachtete. Seine Werke über die Kunst 
des Frisierensi umfassen auch zahlreiche 
Kupferstiche zeitgenössischer Coeifures. 
Die CoeEure i ein Sammelbegriff für die 
phantastischen Hutgebilde über hochauf- 
getürmten Frisuren, geschmückt mit Bän- 
dern, Federn, Schleifen, Blumen 7 wurde 
in den Kupferstichen zur Frisurenmode in 
all ihren Varianten festgehalten. Zu den 
bedeutendsten Stichen dieser Art gehören 
die ersten sechs Folgen der Gallerie de: 
Zllazle: et Carlume: fmnyairß; Künstler wie 
Watteau frls, Le Clerc, Desrais schufen da- 
für die Vorlagen. Die erste Folge erschien 
1778 bei Esnauts et Rapilly in Paris (Abb. 1); 
bereits nach kurzer Zeit gab es wegen 
unerlaubter Nachdrucke mehrere Prozesse. 
Vielgerühmr und vielgeschmähr, verbreite- 
ten sich die Coeffures in ganz Europa. In 
Berlin erschienen schon 1779 die „Pariser 
Coeffuren, bey Pauli" mit Begleitvcrsen, in 
denen oft genug über die Unverständlich- 
keit der Benennungen und über die Merk- 
würdigkeiten der Coelfures Klage geführt 
wird. Auch die Karikaturisten nahmen sich 
gerne dieses dankbaren Themas an. Eine 
Sammlung von 124 Frisuren in Buchform 
(Abb. 8, 12), in Aquarell ausgeführt und 
von Ign. Adel signiert, befindet sich in der 
Bibliothek des Österreichischen Museums 
für angewandte Kunst. Der Großteil dieser 
Frisuren läßt sich auf die Pariser Coeffures 
zurückverfolgen. 
Im Vorlagenwerk der Wiener Porzellan- 
manufaktur befanden sich zwölf Original- 
kupferstiche der Gallerie des Modes et 
Custumes frangais, die den Porzellanmalern 
als Vorlagen dienten. Vier davon sind er- 
halten, wenn auch in beschnittenem Zu- 
stand, und ermöglichen den Vergleich mit 
ausgeführten Porzellanmalereien. Ein Früh- 
stückservicc, „verziert mit Pariser Mode- 
frisuren aus der Zeit um 1780 mit den 
darunter geschriebenen Modebezeichnun- 
gen"7 war im Jahre 1904 im Besitz von 
Gottfried Eißler. Einzelstücke, auf die in 
der Folge noch eingegangen wird, befinden 
sich im Österreichischen Museum für 
angewandte Kunst, Wien (Inv. Ke. 3853) 
sowie in der Moravska-Galerie, Brünn 
(Inv. 15408-15423).
	        

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