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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 106)

quite .. ."9. Etwas verändert scheint sie 
bereits in dem 1779 in Berlin erschienenen 
Werk Pariser Coeffuren auf"). Die mehr 
kulturgeschichtlich interessanten Begleit- 
verse ä sie belinden sich auf der dem 
Kupferstich gegenüberliegenden Seite - 
lauten: 
Ein Putz a 1a Minerv) gefällt mir ziemlich 
wol 
ich wünschte, dass beym weiblichen 
Geschlechte 
Er lange sich erhalten moechte. 
Er ist einförmig nur, und edler Reize voll; 
Doch, Phillis! Wenn er Eindruck machen 
soll: 
S0 muss die Weisheit ihn erheben 
und ihm des Reizes Hoheit geben. 
(blindgeprägte 8) bestätigen den stilistischen 
Befund der Zusammengehörigkeit. 
Ignaz Schurfried (Malernummer 87) und 
Franz Mahlknecht (Malernummer 79) zeich- 
nen als die ausführenden Porzellanmaler 
dreier Coeffures: Schurfried für die Dar- 
stellung der Cmque ä la Dragone (Abb. 9) 
und des Clzapeuu ä In Carxe (Abb. 14), 
Mahlknecht für die Darstellung der Bai- 
(gneuse (Abb. 13), die ebenfalls auf den 
Prototyp im Kupferstich zurückgeht (Abb. 
11) und auch bei Ignaz Adel vorkommt 
(Abb. 12). 
Gegenüber dem Pariser Vorbild (Abb. 7) 
wurde manches geändert, das Profil zum 
Dreiviertelprofil umgewandelt usw., doch 
ist die Herkunft unverkennbar. Die Unter- 
schrift Caefure ä la Zllinmie er: 7777 zeigt an, 
wann diese Frisur in Mode war. 
Weitere Darstellungen derselben Cneffure 
Finden sich bei Adel (Abb. 8) und zweimal 
auf Porzellan (Abb. 9 und 10). Dem Kup- 
ferstich der Gallerie am nächsten kommt 
die Malerei im Spiegel der Untertasse 
(Abb. 9) mit der Unterschrift Curque z} la 
Dragoner. Völlig identisch mit dem Stich ist 
die Wendung wie der Ausschnitt der Büste, 
auch wenn die hochrechteckige Umrah- 
mung weggeblieben ist und sich die Bc- 
zeichnung nicht in Höhe des Federn- 
schmucks wie beim Stich, sondern unter 
der Malerei behndet. Die dekorativen De- 
tails - Federn, Blüten, Schleifen, Riischcn 
i sind gleich, sie erleben nur durch 
die malerische Gestaltung geringe Um- 
formungen. S0 wird etwa das Schuppen- 
muster des Helms durch ein Gittermustcr 
ersetzt. 
Die Obertasse mit der gleichen Darstellung 
(Abb. 10) hebt sich merklich ab, so ikono- 
graphisch im Fehlen einzelner Details: der 
Blumen am Stoffband um den Helm, der 
Schleifen im Haar und am Ausschnitt. Auch 
der stilistische Unterschied ist beträchtlich 
und wird in der mehr summarischen Be- 
handlung deutlich: das breite Rüschenband 
ist durch großzügig gemalte Striche ersetzt. 
Die Modellierung von Licht und Schatten 
an Gesicht und Hals ist weniger nuanciert 
als in der Malerei der Untertasse (Abb. 8). 
Während letztere offensichtlich, wie wahr- 
scheinlich auch die Coeffurcs bei Adel und 
in Berlin, direkt auf den Originalkupferstich 
zurückgeht, ist es nicht auszuschließen, daß 
die Coeifure der Obertasse (Abb. lO) ihr 
Vorbild bereits aus zweiter Hand bezieht, 
womöglich vom Porzellanvorbild, was auf 
die spätere Ergänzung eines Services hin- 
weisen könnte. Die gleichen Stilmerkmalc 
wie diese zuletzt genannte Coelfure weisen 
auch noch zwei weitere auf: Die Coeßure d 
[Äßinglaire (Brünn, Inv. 15414) sowie J 1a 
miimde (Brünn, Inv. 1541 S). Auch das paläo- 
graphische Merkmal des falsch angewand- 
ten Accent circoniiexc über dem ä sowie 
die Zeichen aufden Unterseiten der Objekte 
Von diesen Porzellanmalern sind nur 
wenige Daten bekannt. Schurfried Wird 
um 1785 erwähntll, Mahlknecht schied 
1812 aus der Porzellanmanufaktur ausll. 
Für die zeitliche Einordnung der Malereien 
ergeben sich daraus gewisse Anhaltspunkte, 
die durch das Erscheinungsdatum der 
ersten CQeHures-Stiche in Paris um 1778 
ergänzt werden. Form und Dekor der 
Tassen Weisen in die achtziger Jahre des 
18. Jahrhunderts. In das Jahr 1786 datiert 
ist außerdem eine Emailmalerei auf Milch- 
glasß (Abb. 16), die als Vorlage ebenfalls 
einen Kupferstich der Gallen": benutzt. Für 
den Caram z} 1a Polonaise (Abb. 15) zeichnen 
die an den Gallerie-Kupferstichen maß- 
geblich beteiligten Künstler Le Clerc und 
Voysard verantwortlich. Das Medaillon mit 
der Emailmalcrei (Abb. 16) beschneidet die 
ganzügurige Darstellung des Kupferstiches, 
ansonsten wird das Motiv jedoch identisch, 
wenn auch seitenverkehrt, wiedergegeben. 
Das Glas ist auf der Unterseite datiert: 
„Dieses Waren die vorzüglichsten Stücke 
A0 1786". Die Zeilen Saderlets unter einem 
Stich von Aveline le ieune nach Boucher 
geben Aufschluß über das Inhaltliche dieser 
Darstellung: 
Uoiscau ä bonnes fortuncs 
Touiours lc beau plumagc, et le joli 
caquet 
On fair fortune chcz les bellcs; 
Et souvent il ne faut, pour brillcr aupräs 
zfelles, 
Qu'un märite de: Perroquet. 
Porzellan- und Glasmaler benutzten, wie 
aus den angeführten Beispielen hervorgeht, 
zur selben Zeit das gleiche Vorlagenwerk 13; 
claß dies durchaus keine Einzclcrscheinung 
war, zeigen die Entwürfe Josef Lam- 
prechts 14, die auf Porzellan und Glas über- 
tragen wurden; dies beweist auch die Tätig- 
keit mancher Künstler als Glas- und Por- 
zellanrnaler, von denen Anton Kothgasser 
wohl der berühmteste war. S0 liegt es 
durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß 
der Künstler der Emailmalerei auf dem 
Milchglas auch als Porzellanmaler arbeitete. 
Die Pariser Coelfures auf Wiener Porzellan 
stellen nur eine kleine Auswahl aus den 
Porzellanmalcreien dar, die die Gallerie de: 
[Weder e! Caslurrlesfranzrai: in ihrer Bedeutung 
für die damalige Zeit als Vorlagenwerk 
allerersten Ranges bestätigen. 
ANMERKUNGEN 9-14 
V Villcrmont, Histoirc, S. 665. M.Klotz. (Scdankcn über 
das Porlrät-Kosmmu . j, .Mcusa'l, Museum i'm 
Künstler und m: Kuns gbhabcr. Mannhcim 1791, S. 35.: 
 Einig: sogar Wßlllfll als Venus. Minervz. Psyche 
oder gar als Vrslnlin bei der Nachwelt prlngm . .  
W Pariser CociTurn: y Pzuli. Berlin 1779. S. 27. Nicoln 
Moufzng. All-Bcrlin in Porzellan. Berlin 1927. Tafcl 8. 
Vorlage dieser gnnzfigurigcn Malereien war CbCnflllS die 
Gzllerie des Modus et Cosxumes irznqais. 
1' Folnesim-Braun. S. 219, Nr. 87: lgnzz Schurfried. um 
1785, Bllnlmültr. 
I1 Folnesics-Braun, S 219, Nr.79: Franz Mahlknechi, vor 
1733 bis 1812. D nmaler. Tagebuch des Obcnnalers 
Friedrich Reinhald (Manuskript im Ostcrr. Museum für 
angrwandle Kllnsl): „x12 den 27smn Aprill hat der 
Bundmahler Mzhlknerhr seine Entlasung gefordert." 
u Katalog Auslellung von Gläsern des Klassizismus, (12! 
Empirc- und Bicdcrmcicrzeit. Ösrzrrcichischcs Museum 
für Kunst und Industrie. Wien 1922. Kai. Nr. 652. 
14 Zum Vorlagcnwcrk der Wiznzr Porzcllanmanufaknxr 
siehe Waltraud N:uwirlh, Die Wiener Porzcllanmanufak- 
lur. in: Kcramos 44169, s. 637 s. 
   
  
 
 
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