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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 106)

AloisVogel 
BEMERKUNGEN ZU 
DEM BILDHAUER FRANZ 
BARWIG 
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Das Schaffen des Bildhauers Franz Barwig spie- 
gelt recht kennzeichnend jene Zeit wider, in der 
nach neuen Formen gesucht wurde. Eine Zeit, 
in der der Aufbruch der „Jugend" zu einer 
eigenen Aussage, einem ihr entsprechenden 
Stil, Wirklichkeit zu werden schien. Es war ein 
Stil, der das ganze Leben gestalten sollte und 
der dann im Formalen ebenso wie in einer 
weiteren Entwicklung im Politischen (Walter 
Jens zeigt die Zusammenhänge sehr deutlich 
auf) in jener Sackgasse endete. die seine Prota- 
gonisten, die noch .der Kunst ihre Freiheit" auf 
ihr Haus geschrieben hatten, nie für möglich 
gehalten hätten. 
Barwig wurde am 19.April 1868 in Schönau, 
in Mähren, geboren, Er besuchte ab 1888 in 
Wien die Kunstgewerbeschule, arbeitete zuerst 
wohl hauptsächlich nach Vorbildern, zeigte aber 
schon früh ein außerordentliches Talent. 1897 
beendete er sein Studium. Sein Werkstoff war 
in dieser Zeit fast ausschließlich Holz, ein Mate- 
rial, dem er auch später treu blieb und in dem 
er seine besten Arbeiten schuf. 1904 finden wir 
ihn in Villach (Kärnten). wo er in einer Fach- 
schule für Holzbearbeitung unterrichtete. 1906 
kehrte er nach Wien zurück, wurde im Öster- 
reichischen Museum für Kunst und Industrie 
zuerst in der Lehrmittelstelle und ab 1910 in 
der Kunstgewerbeschule als Professor ange- 
stellt. 
In dieser Zeit schuf Franz Barwig eine ganze 
Anzahl von Tier- und Menschenfiguren. die mit 
ihrem großzügigen Liniengefüge und einer ver- 
kanteten Blockhaftigkeit einem Zug zur Strenge 
und einer aus dem Material gewachsenen 
Formkraft Rechnung tragen. Die zügig linear 
angelegten Jlaufenden Buben" aus dem Jahre 
1905 und die "Wanderer" aus dem Jahre 1909 
gehören hier genannt. Gerbert Frodl zitiert in 
dem sehr ausführlichen Vorwort des umfang- 
reichen Ausstellungskataloges der Österreichi- 
schen Galerie im Mai d. J. eine Löwin, einen 
Marabu, einen Affen und eine Pelikangruppe, 
die bei einer Hagenbundausstellung 1906 als 
erste der Öffentlichkeit präsentierten Tierfiguren 
Barwigs zu sehen waren. Interessant, daß Lud- 
wig von Hevesi von einem ,Schnitzstil geo- 
metrischer Flächigkert" in der Zeitschrift ,Kunst 
und Kunsthandwerk" in diesem Zusammenhang 
spricht. Sicher ist diese Bearbeitungsweise auch 
im Zusammenhang mit dem Material zu ver- 
stehen. Es handelt sich bei allen genannten 
Objekten um weichere Hölzer, ein Material, 
von dem man mit dem Flacheisen breite Späne 
abheben kann. Zur selben Zeit (1906107) ent- 
standen aber auch die aus Ebenholz geformten 
..Raufenden Sundapanther", die, fein poliert, eine 
ganz andere Sprache sprechen. Hier wird schon 
eine Linie verfolgt, die sich nach einer typischen 
Jugendstilepoche im Werk Barwigs in den Bild- 
werken, die die menschliche Figur darstellen, 
fortsetzt und die, eher mit Kolbe verwandt, einer 
idealisierenden Schönheit huldigt. Eines der 
ausdrucksstärksten Werke, in dem eine Synthese 
dieser Richtungen erreicht wird, ist sicher die 
.Eva' aus dem Jahre 1910. 
In den frühen Tier- und Menschendarstellungen 
sehen wir aber Leistungen, die zwardem Jugend- 
stil verhaftet sind, dem Werk in der Linienfüh- 
rung jedoch eine expressive Dynamik verleihen. 
Die beiden Götzen 1908 und die Büste des 
Kaisers Franz Joseph mit zwei zu Füßen des 
Postamentes ruhenden Löwen, die schon Hevesi 
beschreibt, sind in ihrer grobflächigen Gestal- 
tung sehr eigenständige Erscheinungen. Ein
	        

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