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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 114)

't (die einst neben der tschechischen vor- 
e deutsche Beschreibung wurde in Fran- 
[l] überrnalt). Die Marienbilddarstellun- 
finden sich, fast unauffällig, innerhalb 
ißen Statuenprogramms der den Sockel 
znden Balustrade, auf dem die Gnaden- 
steht. Hier sind zwischen die großen 
infiguren jeweils kleine Putten gestellt, 
ilde halten. Auf diesen sind Reliefs der 
gnadenbilder und jeweils eine lateinische 
ftung: B. V. Krupnensis etc. Nicht alle 
md deutlich zu lesen. Die Bildhauerarbeit 
keiner bedeutenden Qualität, ein Sohn 
hen Stadt Pribrarn, Matthias Hueber, 
z Figuren 1699-1701 geschaffen, doch 
ift die getreue Darstellung des jeweiligen 
nenbildes. 
an drei genannten Wallfahrtsorten müs- 
iaue Vorlagen benutzt worden sein, auf 
.' noch zurückkommen. Zunächst interes- 
, welche Marienwallfahrten so bekannt, 
ab: und so bedeutend waren, daß sie an 
rei Orten vorkommen. Die Zusammen- 
; ist so verschieden, die Auswahl so 
laß wir nur den folgenden dreimal be- 
: Mariaschein bei Graupen in der Nähe 
rplitz (bis 1945 ein sehr beliebter Wall- 
rt und Sitz eines Jesuitengymnasiums), 
zlau mit dem Palladium Bohemiae, das 
"Ibild von Pilsen und die Gnadenbilder 
.g bei St. Niklas, St. Jakob und am 
hrad. 
sechs kommen auch in dem berühmten 
Marianus des Jesuiten G. Gumpenberg 
zr seit 1655 in vielen Auflagen erschien 
an zunächst 75 Orten auf ein Verzeichnis 
{O0 anschwoll, in dem auch die fernsten 
im Pazifik Aufnahme fanden, wenn 
ie Muttergottes verehrt wurde, ebenso 
Orte, von denen Wunder berichtet wurden, die 
auf ihre Fürbitte hin geschahen. In der ersten 
Ausgabe werden für Böhmen die Diva Warten- 
sis (Schlesien) und die Diva Culmensis be- 
schrieben und abgebildet. Später zählen wir 
unter dem Stichwort Bohemia 26, davon elf in 
Prag (Ausgabe 1672). Sicherlich hat dieses 
Werk, das große Verbreitung fand, ins Deut- 
sche übersetzt wurde, in illustrierten und nicht- 
illustrierten Ausgaben erschien, anregend auf 
die Auswahl gewirkt. Wir möchten aber an- 
nehmen, daß geraoe bei den böhmischen, 
mährischen und schlesischen Marienorten auch 
die eigene Erfahrung, die persönliche Kenntnis, 
eine Rolle spielte, was ja nicht ausschließt, daß 
oer Künstler Vorlagen aus diesem Atlas oder 
einer der großen Stichfolgen von Wallfahrts- 
bildern, Gebetbuchzetteln etc. verwendete, wie 
sie vor allem in Augsburg und Prag in großer 
Zahl, und zwar oft für die entferntesten Orte, 
verlegt wurden. Jedenfalls stimmen die Ab- 
bildungen nicht nur mit dem Original, sondern 
auch untereinander genau überein und unter- 
scheiden sich nur durch das Beiwerk an Archi- 
tektur, Heiligen, Patronen etc. Auch für die 
Wahl der Ortsansichten sind die Stichvorlagen 
maßgeblich gewesen, wobei wir beim Weißen 
Berg auf die Übermalungen hinwiesen, die 
anläßlich eines Umbaues des dargestellten Gna- 
denortes (Beispiel Regensburg; Ettal ist in 
seiner gotischen Form dargestellt) jeweils statt- 
fanden. Den Atlas Marianus schmückt in allen 
Ausgaben, auch in den sonst nichtillustrierten, 
ein Titelkupfer von Melchior Haffner aus 
Augsburg, auf dem über der Erdkugel mit 
einer Skizzierung Europas Engel das Loreto- 
haus tragen, das legendäre Wohnhaus Mariae, 
das Engel aus Nazareth 1295 nach Loreto in 
Mittelitalien gebracht haben, wohin heute 
 
noch fast eine Million Wallfahrer jährlich zie- 
hen. Auf dem Haus thront Maria, das Jesus- 
kind im Arm. Darüber sind die Sphären mit 
Sonne und Mond angedeutet. In ihnen spie- 
gelt sich das Dach des Loretohauses, dessen 
beide Schrägen mit großen Bildern bedeckt 
sind. Ebenso verhält es sich mit dem Boden, 
den man in Untersicht sehen kann. Es handelt 
sich, wenn auch nur angedeutet, um jeweils 
sechs verschiedene Darstellungen der Madonna. 
In der ganzen Breite des Hauses gehen dichte 
Strahlen auf die Erde nieder, die ganz Europa 
umfassen. In diesem Glanz, dieser Vielfalt, 
diesem Strom Gnade reflektiert das 
Loretohaus die einzelnen Orte; so wird die 
große, dichte Zahl der Gnadenorte zu einem 
engmaschigen Netz, zu einem Schutzmantel, 
den Maria ausbreitet. 
von 
Das Aufzählen, das Anrufen meint nicht nur 
eine Addition, sondern den Versuch, die Gleich- 
zeitigkeit, ja die Allgegenwart der wunder- 
vollen Hilfe darzustellen. So kann der Wall- 
fahrer am Gnadenort auch gleichzeitig der 
Gnaden inne werden, die an einem anderen 
Ort geschenkt werden - er kann in dem Ge- 
viert, das das Gnadenbild umgibt, von Bogen 
zu Bogen schreitend, Maria anrufen, als wäre 
er auch in Brünn, in Tschenstochau, in Mont- 
serrat, in Altötting oder in Mariazell. Diese 
überirdische Addition, dieses im Geiste auch 
noch anderweitig sein, wobei man wohl auch in 
der Predigt belehrt wurde, was es mit den hier 
aufgemalten Orten für eine Bewandtnis hat, 
welche besonderen Nöte und Anliegen da oder 
dort vorgetragen werden können, diese Mög- 
lichkeit, an einem Ort auch noch so viele andere 
erreichen zu können, ist etwas Begliickendes, 
Berauschendes. Der Wallfahrer hat nach langem 
Weg und unter großer Mühsal nicht ein einzi- 
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