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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 114)

Viklor Pipol, Herbsllandsdxcfl Klosfemeuburg, 01 
60x74 cm. Nioderösrerreichisdaes lundesmuseum, Wien 
Vikior Pipal, Eroicagasse in Wien-Döbling. 4a x a1 cm, Ul 
Vikmr Pipul, Kellergasse in Wien-Döbling. 4a x a1 cm, 01 
1 Viktor Pipal, Herbstlandsdtatt Klosterneuburg, Ul 
60x74 cm. Niederüslerreichisdies Landesmuseum, Wien 
2 Viktor Pipal, Eroicagusse in Wien-Dobling. 4a x m cm, o: 
a Viktor Pipal, Kellergasse in Wien-Döbling. 43x61 cm, o: 
geistigen Bereich verhaftet zu sein. Bei Beethoven 
dominiert die geistige Komponente in Blau, Grün, 
Ocker, Gelb und ausstrahlenclem Weiß, während 
die materialisierten Regionen Braun, Grau, Schwarz 
und Rot beanspruchen. Grelltöne und Mollver- 
schwommenheiten wechseln ab. Vehemente Rhythmik 
findet im linearen Geschehen Ausdruck und Tempo. 
Aus der schwer zu deutenden Menge der Graphiken 
[der ietzt schon hochbetogte Künstler kann wegen 
seiner Sprachbehinderung nur sehr unvollkommen 
zu Erklärungen in Anspruch genommen werden) sei 
noch die Produktion des romantisch-pathetischen 
Bereiches von Richard Wagner und die eindringli- 
chen graphischen Studien der sakralen Musik von 
Anton Bruckner hervorgehoben, wo das erdhaft 
Dämonische in blauen und violetten Spiralen ver- 
körpert ist. Das Übersinnliche triumphiert in weiß 
aufblitzenclen Protuberanzen. Wahrscheinlich haben 
diese unikalen Graphiken durch lange, behelfs- 
mäßige Lagerung manches von ihrer ursprünglichen 
Kraft eingebüßt. Sie bleiben aber eine interessante 
Dokumentation früher abstrakter Graphik der 
Wiener zwanziger Jahre. 
Für Viktor Pipal stellen sie das richtungweisende 
Farbkompendium dar, das für ieden aus dem opti- 
schen Motivmilieu quellenden musikalischen Erinne- 
rungsakt, seien es Melodien oder Tonfolgen, die 
wahlverwandten Farbtöne auf der Palette fixierte. 
Als nun der Maler Pipol seine einsamen Spazier- 
gönge in seiner Freizeit durch Heiligenstodt, Sieve- 
ring, Ottakring, Nußdorf, Breitensee, durch die 
Kahlenberger Straße unternahm, klangen in seiner 
Erinnerung Melodien und Motive klassischer Musik- 
stücke auf, die mit den dämmernden Konturen des 
nahenden Abends oder eines düsteren, winterlichen 
Tages in Blau, Grau und andere Schattentöne zu- 
sammenflossen. 
Der gewandte Zeichner Viktor Pipal hielt mit weni- 
gen Bleistift-, Kohlen- oder Tuschestrichen sein Bild- 
motiv im Skizzenbuch fest und vollendete im Nach- 
klingen des musikalischen Erlebnisses seine Gemälde. 
Blaue, graue Dömmerungen über Armut und ver- 
welkende Talente und Lebenshoffnungen „kleiner 
Leute" im Zwielicht und in der Enge der Vorstadt, 
alles ins Zeitlose gerückt, Bewohner eines anderen 
Wiens, fern von Heurigenmanie und „Verkaufts- 
mei-Gwand"-Stimmung, malte der Meister der Musik 
in Farben. Er symbolisierte diese Namenlosen durch 
kahle, abbruchreife Vorstadthäuser, deren Mehrzahl 
 
ietzt gar nicht mehr existiert, durch eine kalkige 
Hauswand, eine Straßenlaterne, eine Wöscheleine, 
eine morsche Plakatplanke, durch einen müden 
Baum. Aus der Hoffnungslosigkeit seiner Molltäne 
blitzt in dramatischer Antithese ein Licht auf, Visionär. 
So schuf Viktor Pipal in tiefstem Grunde soziale 
Gemälde. Es sind das der „Rummelplatz", mehrere 
Variationen der „Kahlenberger Straße", das „Pud- 
lerhaus in Nußdorf", die „Eroicagasse", das „Beet- 
hovenhaus", eine „Winterliche Gasse", eine „Gasse 
in Sievering", die erste und zweite Fassung vom 
„Ratzenstadl", ein „Haus in Ottakring", der „Pfarr- 
platz in Oberdöbling", der „Wintermorgen", die 
„Greiner Gasse", eine „Gasse in Grinzing", die 
„Straßenecke", der „Autostandplatz", das „Weiße 
Haus in Ottakring", ferner „Zerstörte Höuser", die 
„Bahngasse", das „Ende einer Gasse" und viele 
andere. Viktor Pipal hat als Vedutenmaler Wiens 
 
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