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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 114)

ERREICHISCHES MUSEUM 
ANGEWANDTE KUNST 
nten '70 - Multiples-Wettbewerb 
HAUS, AUSSTELLUNGSHALLE, 4-10. NOVEMBER 1970 
ünstlerische Tendenzen in Verbindung mit neuen Herstellungsverfahren er- 
in den letzten Jahren die Grundlage struktureller Veränderungen auf allen 
an des Bildnerischen. Die Möglichkeiten serienmäßiger Fertigung originaler 
erke (und nicht ihrer Reproduktionen) sind enorm. Die Praxis zeigte iedoch 
nur Ansätze einer auf Massenkonsum abzielenden Realisierung von 
es. 
igt durch den gewaltigen Aufschwung, den die Druckgraphik auf interna- 
r Ebene während der letzten Jahre zu verzeichnen hatte, versuchten sich 
gster Zeit Künstler und Editoren in zunehmendem Maße auch mit der 
tion und dem Vertrieb ganzer, beziehungsweise aus Einzelteilen zusam- 
setzter Multiples. Diese Obiekte werden in zumeist - doch nicht 
tdigerweise - limitierten Serien als Originale und nicht nach einem 
al hergestellt. Ihr Preis ergibt sich primär aus Auflagenhöhe, Aufwendig- 
twie dem Rang und dem Marktwert ihres Urhebers. Das Multiplikative 
Serienobiekte liegt in der gewählten Form, kann und soll sich aber auch 
n Inhalt erstrecken. Damit soll - was schon Daniel Spoerri, der Gründer 
59 ins Leben gerufenen Edition MAT (MuItipIication d'Art Transformable) 
chtigte - die begriffliche Abgrenzung zur Reproduktion vorgenommen 
i, aber auch zum Ausdruck kommen, daß Auflagenobiekte (Multiples) 
ell eigene Bedingungen stellen. Als Originale in Serie sind Multiples 
ur vervielfältigt, sondern oft auch in sich selber im Sinne schöpferisch- 
iatorischer Betätigungsmöglichkeiten des Publikums vielfältig. Die ein- 
Exemplare eines bestimmten Auflagenobiektes müssen daher nicht 
Idig einander gleichen. Sie können auch - wenn es Herstellungsart und 
wen zugrunde liegende gestalterische Idee zulassen - Stück für Stück, 
ungsweise in zahlenmäßig festgelegten Serien voneinander abweichen. 
er skizzierte Sachverhalt war für die Firmen W. HamburgerlA. Mosburger 
andes Moment, den ersten Wettbewerb für künstlerisch gestaltete Auf- 
biekte in Österreich auszuschreiben und durchzuführen. Für ein modernes 
ieunternehmen stellt sich die Aufgabe, zur gesellschaftlichen Integration 
unst mit beizutragen, zweifellos anders als für die Einzelperson, die 
tigterweise rein subiektiven Vorlieben stattgeben kann und sich die 
nach strukturell relevanten Ansatzpunkten kulturellen Tätigwerdens erst 
:ht zu stellen braucht. Die Impulse, die von Multiples als ergänzendem 
aart zu Einzelkunstwerken im Sinne echter Breitenwirkung ausgehen kön- 
iaben die Organisatoren des Wettbewerbes, an dem sich mehr als 
i österreichische Künstler mit annähernd 170 Obiekten, Entwürfen und 
rpen beteiligten, in ihrem Vorhaben wesentlich bestärkt. Bildende Kunst 
nd muß als geistige Leistung Exklusivität beanspruchen, sie sollte iedoch - 
it dem Buch oder der Schallplatte vergleichbar - nur in untergeordneter 
II von Geld und unikatbedingten Spitzenpreisen abhängig sein. 
Peter Baum 
e obere Reihe v. I. n. r. 1-4 
Hans Knesl - Plastik. Zeichnungen. Aquarelle 
NEUES HAUS, AUSSTELLUNGSHALLE, 27. NOVEMBER 1970 - 3. JÄNNER 19 
Die seit dem Tode Anton Hanaks im Jahre 1934 eingetretene Stagnation a 
dem Gebiete der österreichischen Bildhauerei war nach 1945 wie mit einr 
Schlag überwunden. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich vor allern Wi 
zu einem ungemein lebendigen Zentrum der modernen Plastik, das bis z 
Gegenwart seine Vitalität behalten hat. 
Neben den Vertretern der älteren Generation, die in dem Zeitraum zwisch 
den beiden Weltkriegen ihre Ausbildung erhielten und ihre frühen Arbeit 
schufen, und die dann als Lehrende an den beiden Wiener Ausbildungszentr 
tätig waren und auch noch sind, eroberte sich eine iüngere Generation, zu 
Teil in Übereinstimmung, zum Teil in Widerstreit, ihre eigene Position. S 
war weniger von den internationalen Modeströmungen beeinflußt, sondern el" 
eine konsequente Weiterentwicklung der seit dem Aufbruch zur Moderne t 
1900 hier in Wien bestehenden Tendenzen, die selbst im abstrakten Schaff 
noch ihre Herkunft von der menschlichen Figuration erkennen lassen. 
Von den Lehrenden wurde Hans Knesl von der Hochschule für angewanc 
Kunst im November dieses Jahres 65 Jahre alt. 
Vor den Arbeiten Hans Knesls, die er in den Materialien Ton, Gips, Naturste 
und Metall, aber auch in Beton und Aluminium geschaffen hat, erweist es si 
wieder sinnvoll, die alle Unterscheidung der Bildhauerei nach den Begriff 
„Skulptur" und „Plastik" zu gebrauchen. Diese beiden polaren Gestaltung 
weisen, wobei bei dem einen die direkte Arbeit am Stein, das Fortnehm 
von Masse durch das Heraushauen der endgültigen Form mit dem Meißel u 
bei der anderen das Hinzufügen von Material um einen Kern zu versteh 
ist, handhabt Knesl mit iener Sicherheit, die nicht allein aus einer das Har 
werkliche vollendet beherrschten Technik resultiert, sondern vielmehr aus ein: 
künstlerischen Eros, dem die Sinnlichkeit des Materials und die Sinnenhaftigk 
plastischer Formen die wesentlichen Elemente seines Gestaltens bedeuten. We 
er auch hin und wieder durch Einbeziehung modernster Techniken über die 
Grundtatsachen bildhauerischen Gestaltens hinauszugehen scheint, so bleibt 
dennoch ein „Bildhauer" im umfassenden Sinne. 
Daß ein so schaffender Künstler darüber hinaus das stete Bedürfnis hat, r 
Feder, Stift und flüssiger Farbe der drängenden und schaffenden Unruhe 
begegnen, ohne ienen physischen und zeitlichen Aufwand, die iede bildhaue 
sche Arbeit erfordert, ist nur zu verständlich. Seine Themen und Imagination 
auch mit graphischen und malerischen Mitteln zu bewältigen, ist ein für Kne 
Schaffen charakteristischer Wesenszug. Solche Arbeiten sind nur in den settr 
sten Fällen sogenannte Bildhauerzeichnungen, geplante Vorstudien oder au: 
nome Schöpfungen. Sie sind ein bedeutsames Nebenprodukt, spontan hingeset 
aus der Situation und in ieder Situation entstanden. Skizzen- und Malblc 
sind 1a seine ständigen Begleiter, um Geschautes oder visuell lmaginierl 
festzuhalten, unmittelbar, dynamisch, gewalttätig, wild, aggressiv und brutal u 
immer in jener offenen und nicht abgeschlossenen Farm, die ieder spontan 
Tätigkeit eigen ist. 
Wilhelm Mraz 
Bildfolge untere Reihe v. I. n. r. 5-8
	        

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