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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 114)

 
Beriychta 
Informationen 
Aus der Kunstwelt Aktuelles 
 
Albertina - Anton Lehmden 
Noch parallel zur großen Gütersloh- 
Retrospektive von Aquarellen und 
Zeichnungen des Meisters mit 109 
Katalognummern von 1909 bis 1970 
(einen größeren Beitrag über den 
Künstler brachten wir bereits in Num- 
mer 112 der Zeitschrift: Heribert Hutter 
„Zu A. P. Güterslohs ,Fabel von der 
Freundschaft") eröffnete die Alber- 
tina am 5. November 1970 eine Schau 
von Aquarellen, Zeichnungen und Ra- 
dierungen Anton Lehmdens. 
Die insgesamt 140 klein- bis mittel- 
formotigen Arbeiten wurden allerdings 
zu dicht und unattraktiv gehängt. Da 
unter den Blättern auch qualitativ 
nicht allzusehr gesiebt wurde (das 
traf vor allem auf iüngst entstandene 
Arbeiten zu), verpaßte man ein mög- 
liches Optimum hinsichtlich Auswahl 
und Präsentation. 
Rechtzeitig zur Ausstellung fertig 
wurde hingegen der Lehmden gewid- 
mete Graphikband des Residenzver- 
lages mit einer Einführung von Walter 
Koschatzky und einem Guvrekatalog 
(Verfasserin: Sigrun Stock) der größ- 
tenteils unnumerierten und hinsichtlich 
ihrer Auflagenhähen kaum kontrollier- 
baren Druckgraphiken. 
Lehmdens Albertina-Ausstellung bie- 
tet keine Überraschungen. So wie fast 
alle Maler der Wiener Schule er- 
schöpft sich auch dieser Künstler in 
den letzten Jahren in zahllosen Wie- 
derholungen gleichermaßen bekannter 
wie gefragter Suiets und ihrer bild- 
nerischen Umsetzungen. Von ganz 
wenigen Ausnahmen abgesehen, wir- 
ken Lehmdens neue Arbeiten gegen- 
über frühen und früheren Blättern 
(1950 bis 1962) stereotyp, ohne wirk- 
liche Inspiration gezeichnet: koniunk- 
turbedlngter Verschleiß auf Kosten des 
ehemals bewundernswerten Einfüh- 
lungsvermögens und einer ebensol- 
chen Sensibilität. 
Lehmdens Landschaften, Kriesbilder 
und dem Verfall preisgegebene Ar- 
chitekturen sind Symbole des Ver- 
gänglichen. Sie verweisen in gleichnis- 
haften Details ebenso wie in ihrem 
thematischen Grundtenor auf die 
Relativität alles irdischen. Obwohl 
Lehmden den Menschen nur selten 
darstellt, ist seine Bildwelt ganz auf 
ihn bezogen. Lehmden definiert in ihr 
dabei indirekt den Menschen als histo- 
risches Wesen, das in seinen Zeug- 
nissen dem Faktor Zeit begegnet, zu- 
gleich aber auch sich von ihm laslöst, 
um dem Absoluten nöherzukommen. 
Die Poesie des Unauffälligen, Unauf- 
wendigen, der Relikte einst großer, 
blühender Kulturen, aber auch die 
historische Aura, die „Atmosphäre" 
eines Stadtbildes beschäftigen dabei 
den Künstler stets von neuem. Sie 
sind für ihn das Gerüst, der -zunächst 
äußerliche - Anlaß für „innere Bil- 
der", für seine - vorwiegend in frühen 
Beispielen - beglückend echten, gültig 
umgesetzten, eigenständigen symbol- 
haften Darstellungen von Werden 
und Vergehen. Wo die Adäquanz von 
Inhalt und Form in diesem hohen 
Maß gegeben ist, muß auch die Frage 
nach der Zeitgemäßheit beziehungs- 
weise Zeitlosigkeit der Kunst von 
Anton Lehmden positiv entschieden 
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werden. Eine - hier nur fragmen- 
tarisch ausgeiotete - Ausstellung, die 
in ihren qualitativen Unterschieden 
ebenso zur Suche nach der Wahrheit 
herausforderte wie in den themati- 
schen Anliegen eines durch eine in- 
haltliche Konstante sich auszeichnen- 
den CEuvres. (Abb. 1, 2) 
Galerie nächst St. Stephan - 
Maria Lassnig 
„Body-awareness-painting" nennt die 
zur Zeit in New York lebende Kärntner 
Malerin Maria Lassnig ihre Gemälde, 
die sie im Anschluß an eine Personal- 
schau in der Neuen Galerie am Lan- 
desmuseum Joanneum in Graz auch 
in Wien bei Monsignore Mauer 
zeigte. 
Maria Lassnig interpretiert in diesen 
„introspektiven Erlebnissen" ein sehr 
kritisches Verhältnis zur Zeit, zu deren 
Symptomen, mit denen man in kon- 
kreten Beispielen täglich konfrontiert 
wird. Anonymität (sie wird nur durch 
ausgeprägte selbstbildnishafte Züge 
durchbrochen) und eine gewisse Mo- 
numentalität sind in ihren der Pop- 
Art und Neuen Figuration entfernt 
zurechenbaren Darstellungen Merk- 
male ausgeprägt subiektiven Zu- 
schnitts. 
Maria Lassnig ist eine ernst und hart 
zupackende Künstlerin, die nicht auf 
Artistik hält. Sie bevorzugt das Herbe, 
eine eher unösterreichische Offen- und 
Direktheit mit dem Ziel der Erkennt- 
nisvermittlung. Sehr zustatten kam ihr 
dabei in den letzten Jahren ihre ma- 
lerische Flexibilität, die die Notwen- 
digkeit stilistischer Veränderungen 
und Neuakzentuierungen einkalkuliert. 
(Abb. 3, 4) 
Amerika-Haus - 
Beispiel Eisenstadt 
Künstlersymposien bringen nicht im- 
mer die erwarteten Ergebnisse. Eine 
Reihe von Unsicherheitsfaktoren, die 
das Klima gemeinsamen Arbeitens 
und damit die Voraussetzungen schöp- 
ferischer Leistungen beeinträchtigen, 
stand zuletzt gerade auch in Öster- 
reich guten Gesamtergebnissen ent- 
gegen. Das Jahr 1970 war iedach eine 
diesbezügliche Ausnahme. Diese pa- 
sitive Feststellung ließ sich beispiels- 
weise bei den „Retzhofer Malerwo- 
chen" machen (über sie berichtet Alois 
Vogel an anderer Stelle), traf aber 
auch auf die Ergebnisse des ebenfalls 
internationalen Arbeitstreffens in 
Eisenstadt zu. Eine Ausstellung in der 
Galerie des neuen Amerika-Hauses 
in Wien gab darüber unter dem Titel 
„Beispiel Eisenstadt" Aufschiuß. Elf 
Künstler aus sechs Ländern waren an 
der Schau mit durchschnittlich drei 
Arbeiten vertreten. in ihrer Gesamt- 
heit hinterließen die Werke einen er- 
frischenden Eindruck. Erfreulich in vie- 
len Einzelfällen die überdurchschnitt- 
liche Qualität der Bilder, erfreulich 
aber auch die lebendige Mischung 
von Stilen und Tendenzen, das Auf- 
einandertreffen unterschiedlichster 
Meinungen und Ansichten, die bei Ar- 
beitstreffen dieser Art als Ansporn 
wirken können. Daß die drei betei- 
ligten Österreicher Angeli, Messensee 
und Gottfried Fabian mit dem Groß- 
teil ihrer Arbeiten das günstige Ge- 
samtergebnis nicht unwesentlich be- 
einflußten, registrierte man gerne. Be- 
sondere Beachtung verdienten vor al- 
lem die beherrscht gemalten Bilder 
Messensees, deren inhaltlicher und 
formaler Spannungsreichtum in Ver- 
bindung mit einer tatsächlich zeitge- 
mäßen Variante des Gegenständlichen 
in dieser Umgebung qualitative Spitze 
war. Die Abstraktionen von Rudolf 
Vambeck (sie kommen mit sparsamsten 
Mitteln aus, gewinnen jedoch gerade 
durch diese Reduktion hinsichtlich 
Form und Farbe an durchaus eigen- 
ständiger Profilierung) und Andrew 
Molles zählten ebenfalls mit zum 
interessantesten der Schau, an der 
außerdem Roswitha Lueder (BRD), der 
Pole Stanislaw Fiialkowski, Tamas 
Hencze (Ungarn), Hansiörg Mattmuel- 
ler (Schweiz), Harry Hoehn und Do- 
menick lzzo (USA) beteiligt waren. 
(Abb. 5, 6, 7) 
Galerie im Griechenbeisl - 
Kriesche, Haubert. Tesar 
Richard Kriesche, Grazer Maler, Pla- 
stiker, Konzeptkünstler, Hersteller von 
Multiples, Siebdrucken und Environ- 
ments, der sich gegenwärtig in London 
aufhält, wurde im zehnten Jahr ihres 
Bestehens von der Wiener Galerie im 
Griechenbeisl zu einer Personalschau 
eingeladen. Das Ergebnis: eine für 
lokale Verhältnisse ungewöhnliche Ex- 
position, intelligent arrangiert und in 
ihrer scheinbar puritanischen Grund- 
tendenz für ein „mitspielendes" Publi- 
kum ein Aufmerksamkeitserreger er- 
sten Grades. Kriesche, dem es um ein 
Bewußtmachen und optisches Regi- 
strieren von Fakten, etwa Zahlen, 
Umweltfaktoren und Maßeinheiten, 
geht, nimmt heute ieden ihm sinnvoll 
erscheinenden bildnerisdien Ansatz- 
punkt wahr. Er ist kein Spezialist, 
kein Stilpuritaner, besitzt anderer- 
seits aber doch durchaus persönliche 
stilbildnerische Merkmale, denen man 
hinsichtlich Farbe und Flächenokzen- 
ten am ausgeprägtesten in seiner 
Siebdruckmappe (Herausgeber „Pool" 
im Forum Stadtpark) bzw. dem Torf- 
muilenviranment begegnete, das er 
eigens für die Schau im Griechen- 
beisl in Wien installierte. interessant 
bei Kriesche auch die bewußte Hin- 
wendung zu neuen Materialien und 
Methoden, wie Plexigias, Tiefziehver- 
fahren, Foto-Siebdrucken bzw. das 
Einbeziehen von Vorfabrikaten (ab- 
geschnittene Zentimetereinheiten) in 
einen bildnerischen Prozeß, dem es - 
wie der Grazer Kritiker K. H. Haysen 
feststellte - „um den Kontrast zwi- 
schen der Festlegung konkreter Maße 
und dem Gegensatz zur heutigen Fak- 
tizität, die von diesen Maßen nicht 
mehr beherrscht wird", geht. Daß 
Kriesche in diesen Akten von Be- 
wußtseinserweiterung eine eigene, 
rein bildnerische Poesie erzielt, macht 
seine Arbeiten besonders sympathisch. 
Während das Griechenbeisl in der 
Linzer Neuen Galerie eine große 
Jubiläumsgruppenschau eröffnete, 
ging das Wiener Programm mit Kol- 
lektiven der 1944 in Waidhofen an 
der Ybbs geborenen Malerin Ran 
Haubert sowie des 1939 geborenen 
lnnsbrucker Architekten um 
gen Schülers Roland Rainr 
Akademie der bildenden 
Wien, Heinz Tesar, auf g 
Niveau weiter. Tesars „Ko 
tekturen" aus Holz, mit weit 
harzlack überstrichen und 
gelnder Oberfläche, besitze 
charakter. Sie sind - obwol 
im kleinen Format ihre röui 
formale Prägnanz offenba 
größere architektonische Di 
als Environments, die stäc 
Akzente setzen und ihre gi 
liche Relevanz erweisen kö 
dacht. Tesars Obiekte verf 
eine ausgeprägte ästhetiscl 
nente. Ihre monocolore un 
Eleganz, die Elemente orgai 
sprungs mit stärker konst 
stimmten Teilen adäquat 
überzeugt dabei in ähnlici 
wie die inhaltlich-funktions 
Überlegungen, die durch di 
tonischen Obiekte und Ense 
Tesor provoziert werden. (A 
Galerie Basilisk - 
Ausstellung Roter Apfel 
Unter den vielen Ausstelil 
zuletzt sehr agilen Golerii 
die Schau „Roter Apfel in d 
Basilisk" schon deshalb beSt 
deutung, weil sie indirekt ei 
sches" Faktum in Erinnerun 
das in seinen Ausweitunge 
Wiener Kulturleben außen 
Bedeutung gewann. Fast oll 
ler und Musiker, die vor 
Jahren in der idyllisch I 
Hinterhofgalerie „Zum Roti 
im Landstroßenviertel ausst 
ben inzwischen ihren Weg 
Das heißt nun keineswegs, 
von ihnen eine „Berühmthe 
soll iedoch mit Nachdrucl- 
lichen, daß die vielfach bi 
der Skurrilität keineswegs 
Pioniere von damals zumini 
künstlerischen Metier treu 
Die farbenprächtigen, paeti 
der von Harun Ghulam 
dem Saxaphonisten der „h 
unorthodax Jazz", Arbeiten 
storbenen Erich Brauner (Tl 
dynamischen, aggressiven 
gen Karl Anton Flecks, Mai 
wirths inzwischen gut bekan 
dene Zeichnungen mondär 
Girls im Pop-Look, die eins 
Häuserfluchten von Wal 
hammad Malli (er ist der f 
ger der vorhin genannten 
Formation), Prelogs Abstrak 
wie Bilder und Graphiken v- 
Leskowa, Lia Pechoc und 
Zimmermann bildeten die 
lungsreiche Summe zwischl 
spektivem und in die Zul 
richtetem. (Abb. 10) 
 
Staatsdruakerei 
Franz Xaver Weidinger 
Landschaften und Porträtstl 
ren die bevorzugten Then 
rund achtzig Arbeiten um 
Guvrequerschnittes, den der 
oberösterreichische Maler I 
phiker Franz Xaver Weic 
großen Ausstellungsraum dt 
druckerei in Wien vorstei
	        

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