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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 114)

ormomnimünf 
1 
ben, daß man daraus auf die Bestimmung für 
eine Diözese oder für einen Ort schließen 
könnte. Im Proprium steht jedoch beim 
Nikolaus-Fest auf fol. 107v die Überschrift 
„De sancto Nicolao patrono nostro officium". 
Leider ist das Nikolaus-Patrozinium so häufig, 
daß daraus keine Lokalisierung abgeleitet 
werden kann. 
Eine Besonderheit im Vergleich zu anderen 
Meßbüchern ist es, daß die in roter Schrift 
eingefügten „Rubriken" nicht nur die allge- 
mein üblichen liturgischen Anweisungen ent- 
halten, sondern auch Kommentare dazu, an 
mehreren Stellen sogar ausführliche Heiligen- 
legenden: 
fol. 164v-165r die Legende der makkabäischen 
Brüder 
fol. 173r die Begründung, warum das Fest des 
heiligen jakobus nicht an dem Tag gefeiert 
wird, an dem der Heilige gemartert wurde, 
d. i. am Ostersonntag: „quia in festo principis 
non poterat fieri festum satellitis"; der 25. Juli 
wurde gewählt, weil an diesem Tage die Kirche 
des heiligen jakobus zu Compostella geweiht 
wurde 
fol. 177r-v die Legende zum Feste Petrus in 
vinculis 
4 
fol. 178v-179r die Legende zum Feste der 
Auffindung des heiligen Stephanus 
fol. 181v-182r die Geschichte der Einführung 
des Festes der Verklärung Christi 
fol. 187v_188r die Laurentius-Legeilde 
fol. 194r die Begründung, warum am Maria- 
Himmelfahrtsfest gerade dieses Evangelium 
(von Maria und Martha) gewählt ist 
fol. 197v-198r die Grundsätze, welche zu 
befolgen sind, wenn am gleichen Tage mehrere 
Feste zusammenfallen 
fol. 213v-2l4v die Michaels-Legende 
fol. 231v-232v die Martins-Legende 
Das Proprium sanctorum enthält zu vielen 
Festen auch Sequenzen, obwohl ein eigenes 
Sequentiar vorausging. 
Nad1 dem Proprium sanctorum folgt noch, 
wie in jedem Missale, das „Commune 
Sanctorum" (fol. 237r-280r), die „Misszie 
speciales et votivae" (fol. 280r-327v), die 
Totenmesse (fol. 327v-339r). 
Die beiden Folien 340-341 sind leer. 
KÜNSTlERlSCl-IE AUSSTATTUNG 
Die Schrift des Missale entspricht der Schrift, 
die für derartige liturgische Bücher durch das 
ganze 15. Jahrhundert gebräuchlich war. Die 
schwarze Schrift ist auf jeder Seite von roten 
Überschriften oder Anfangsbuchstaben unter- 
brochen. Die Anfangsbuchstaben sind vielfach 
abwechselnd rot und blau, manchmal auch mit 
einfachen Federstriczhranken verziert. 
Darüber hinaus aber hat das Buch eine künst- 
lerische Ausstattung erhalten, die es einer schon 
bekannten Gruppe von Handschriften zuordnet. 
Die farbigen Initialen, neun davon mit 
figuralem Schmuck, 50 in verschiedenen Größen 
ornameiital ausgestaltet, stammen aus dem 
Atelier eines Mitgliedes der sogenannten Wie- 
ner Hofminiatorenschule, des „Albrechts- 
miniators"-". Das Canonblatt dürfte von dem 
derselben Schule zugehörigen „Meister Niko- 
laus" stamnieiiä Damit ist auch ein zeitlicher 
Rahmen gegeben: Meister Nikolaus und der 
Albrechtsminiator arbeiteten zuerst um 1425130 
zusammen. Der Albrechtsminiator war als 
Nachfolger des Nikolaus und Leiter der Hof- 
werkstatt bis 1452 tätig? 
Als früheste Arbeit des Albrechtsminiators war 
bisher das sogenannte „Turs-Missale" in Sankt 
Stephan bekannt. Das Initialbild der Geißelung 
im T des Canoiibeginns im Turs-Missale und 
im I-Iarrach-Missale sind beinahe identisch. 
Beide Darstellungen sind in der Stellung der 
Figuren, mehr noch in der Wahl der Farben 
sehr verwandt mit der Darstellung der Geiße- 
lung im Gebetbuch Albrechts, Cod. Vind. 2722, 
fol. 74v. Die anderen Bildinitialen zeigen alle 
denselben Stil: etwas steife, sehr sorgfältig 
gezeichnete Figuren mit kräftigen Farben, unter 
denen besonders ein helles Grün auffällt. 
Wenn diese Initialen eigenhändige Werke des 
Albrechtsminiators sind, so stehen sie noch auf 
derselben Stilstufe wie das Turs-Missale. Ein 
Vergleich mit den Miniaturen im obengenannten 
Gebetbuch Albrechts, besonders auch mit den 
dort befindlichen kleinen Apostelbildern", 
läßt die Miniaturen des Missale noch unbehol- 
fener erscheinen als die mit großem Können 
gemalten Bilder des Gebetbuches. 
Harradi-bhssalc, Gtißelung Christi. fol. 77r 
Iilffldl-MISQIIU, lil. Andreas, fol. 104 
lIarradi-Missalv, Darstellung Christi im_l'c-mpel. fol. lllr 
liattiuh-lviisizllv, Maria vffkündlguhg, lol. 1J4r 
Harradi-Missalc. Johannes d. Täufer, fol. 1S3v 
ßwßuw 
 
ANMFRKUNGI 3-6 
' Die Literatur ubrr dc-n Albreditsminiator ist vusamrnengefaßt 
bt-i ll.VOl.I.lv1I'.R, Allgemeines I t-xikim der Bildenden Künst- 
ler, 37. 33., Meister mit NOHHIWICYI und Älvnvgrammiätßn, 
Lßipliy, 195a. S. 9-10. - Dazu krininir nßdl! 1c. HOLTER. 
Dir WIUHQ! ßüdlmilßtül, S. 222 223. in: Grrdiidirr der 11' - 
dt-iiiirii KUIWI iii vuitii, 11., Die cririk, Wien 1955. - 
G. SCHMIDT, Die Budimalt-rci in Nicdt-rusterrcidi), S. 95 
und 10a, HI: D12 Gotik in Nirdrrnrrrrreidi. Wirii 1963. - 
Niai Ilolter (vgl. uiirri) sind Yüm ÄlbttdilämltlillOt aiiriier 
rund 15 Handschriften bekannt, darunter t-ine_drt-ibändige 
Bibel". Diese drcibandigc Bibel war bis 1967 au! die Utterr. 
NaL-Bibl. in Wien und die Sammlungen in Sdiloß Ambras 
aiifgctei . t-it 1967 befinden sich alle drc-i Bande in Wien, 
unter der . grillt}! Cud. 11117. 111171 1137er 
In der Uttcrr. Nltrßlbl. sind außerdem noch die folgenden 
Handschriften vnr Ginve oder ICIIWIJiSQ vom Albreditsminia- 
(Or gifmllti 
COII. 2722, ein Grbcrbudi für Henog Albrrdir V. (seit 1438 
Krinig Albrrair 11.) - die Haiidrdirifr, VDI} deren Aus- 
Schmüdtung der Ä1e1ster SHIXHJU ..Nntnurrirri" hat. 
Cod. 326. ein Lcgcndtir für I-"ric-tlridi 111., vom Albred-its- 
miniawr zusammen mit anderen Miniaturen ausgesdimüdtt. 
COLl. 17ti7. ein Gübüiblld! 1"ur Friedridi 111., in griißt-m Fur- 
mat; die vahlreidirn Miniaturen von mehreren Wiener H01- 
miniatorcri, die meisten vom Albreditsminiator. Cod. 326 und 
17a? sind 1447 und 14411 datiert, durften aber rdinri früher 
ITCKOIHICH wi-irarri 58111. 
Anden.- Handsdiriftc-n mit Werken des Mbreditsmiriiators be- 
tiiiiirii xiClt iii der srrriiriarbibiiiiriii-k iri Brixen, in der Ber- 
linkt siaiiiciaiiiiririirir, iiirii iiaririidirirrtii iii KlUSKQfflEUbUYg, 
r-uii- iii Melh. Um Jiirrmitiair" H11 wii-rir-r urirri- und 
l) rr-aiiiriiiii-iiui. L'll! Missale iii der Alumnrllßililblltttiltk iri 
St. Pültc-ri, dai Ms. 11711 dt-r Pictpont Murirari Library H1 
New York (ein Aririphniiar). 
'Abb. l. - Vgl, Ausstulluiigskatalng Gotik 
Krtrris 1967, Abb. 2a. 
' SCHMIDT, Huchmalt-rei. S. 106. 
' Cod. Vind. 2722, fol. 202r-Z05v. 
 
  
in Österreich.
	        

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