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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 172 und 173)

Georg Wacha 
Bleiplastik 
Georg Wacha 
Bieiplastik 
Anmerkungen 1 -20 
1 
Michael Hostowtzelf. Die hellenistische Welt, B11. ll. S. 939. 
Leopold Schmidt. Heiliges Blei, Leobener Grüne Hefte 32. 
1558, S. 54. Anm. 101. 
Kurt Heiter. Die römische Treunbrücke von Wels und die Ari- 
1änge des Weiser Bruckamtes. Jahrbuch des Mueeelvereines 
Wels 1955, S. 1261., Anm. B und Abb. 25. Giibert Trlthnigg. 
Fundplatze rbmischer Statuen in Wels. 5. Jahrbuch Wels 19581 
59, S. 201. Gerhard Winkier. Zum Reiterstandbiid eines römi- 
schen Kaisers im antiken Wels. 20. Jahrbuch Wels 1975175. 
3.19 und Abb. 4. 
Michael Meeß. Antike Rlnderblider der klelripieetiechen Metall- 
kunst. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. 3. F. 29. 
1978. S. 231., Abb. 20 und S. 291.. Anm. 1241 Steetl. Antiken- 
Sammlung München. inv. Slg. v. Schoen 251. L. 14 cm. H. 9 cm. 
Aug. Hug.. Plumberlus. In: Pauiy-Wlssowa. Reai-Ericyclopldle 
der claseiachen Altertumswlssenscheften 21H. 1951. S. 6131. 
Maurice Besnier, plumbum. in: Darembergöaglio, Dictlonnelre 
des entlqultes grecques et remnlnes 411. 1907 (1963). 
p. 514. 
i Schmidt. Hi. Blei. s. 49 (Steinemenger u. a. Orte). 
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11 
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ßesnler. Daremberg-Seglle 4l1. p. 514. Schmidt, HI. Blei. S. 49. 
Helmut Wiiedori, Blei. in: Lexikon der Antike. 1971i1977, S. 94. 
Besriler. ebenda. 
Blümner. Blei, In: Pauiy-Wiseovve. 311. 1897. Sp. 562. 
Bei Gartenplastiken wird angegeben. sie eeleri eus Blei leich- 
ter zu gießen und zu ziselieren. Vgl. Volk in seiner unter 
Anm. 37 zitierten Arbeit S. 211. 
Kubitschek. Römische Funde lri Wels. Jahrbuch 10r Altertums- 
kunde 2,'Wlen 1906. S. 35, Abb. 13. Schmidt. HI. Blei. S. 50. 
K. Preisendaril. Fluchtelelii. In: Reeliexlkon für Antike und 
Christentum 8. 1972. Sp. 1- 29. 
Schmidt, Hi. Blei. S. 50. 
Horst Appuhn - Christian von Heusiriger. Der Fund kielnarAn- 
dachtsbiider des 13. bis 17. Jahrhunderts im Kloster Wienheu- 
sen. Niederdeutsche Beiträge Zur Kunstgeschichte 4. 1965. 
S. 2.33. Nr. eo. Abb. 214 und S. 235. Nr. 94. Abb. 218. 
Hans Hochenegg. Mittelalterliche Piigerzeichen aus Heller Bo- 
deniunden. In: Heiilgenverehrung in Nord- und Dsttirol. 1965. 
S. 7211. Zu Stclfsiegein vgl. Arbeiten von Walter Endrei und Op- 
grevlngen in Amsterdam. is'n. p. 110 -12s. 
August Neuheus. Blei, Bieigub. in: Reaiiexikon zur deutschen 
Kunstgeschichte. hg. Otto Schmidt. Bd. 2. 194a. Sp. x77. 
Abb. 2. Herie Robert Weihrauch. in: Münchner Jahrbuch iür bil- 
dende Kunst. 3. Folge 15. 1984. S. 2251.. Abb. 5 auf S. 227. Die 
Kunst der Doneuschule. Katalog 1965. S. 2551.. Nr. 560. Vgl. da- 
zu auch eine KatherInen-Steluette im Versteigerungekateiog 
Die Sammlung Dr. Albert Flgdor in Wien, 1. 56., 1930. Nr. 210. 
Reste einer Krippe aus Blei nennt Hocheneilü. S. 73. 
Neuhaus. RDK 2. Sp. B771. 
Ebenda. Sp. 874. 
Bertrand Gllie. Ingenieure der Renaissance, Paris 1964. bzw. 
(deutsch) Wien-Düsseldorf 1968, S. 36. Hans R. Hahnloser. Vli- 
lard de Honnecourt. Kritische Gesamtausgabe des Bauhütten- 
bucties ms 1r. 19093 der Pariser Nationalbibliothek W972. 
S. 1341. und 3701.. N. 68. T31. 144. 
Bauemulett mit Horoskop. Durchmesser 3,3 cm. Hohe 1 cm. 
Augustiner-Museum Freiburg. eiehe Katalog Kunelepochen 
der Stadt Freiburg, 1970, Nr. 151. 
Victor H. Elberh. Der eucharlstleche Kelch im frühen Mittelal- 
ter. Zeltachrilt des deutschen Vereins für Kunstvvissensohaft 
17. 133. S. 73. N. 25. S. 76. N. 37. Blei lür rReiiqulen-i: vgl. die 
Bleikepsßl ll.lr die Andechser Hoetleri. Reiner Rücken. Der 
Schatz vorn Heiligen Berg Andeche. 1967. s. 2er. Nr. 1a, Wit- 
telshecivund Bayern. Die Zelt der frühen Herzöge. 1980, S. 55. 
Nr. 59. 
Es laßt sich kein bestimmter Grund dafür ange- 
ben. warum die Herstellung von Großpiastlken 
aus Blei in der Antike zu den Seltenheiten gehörte. 
Man hat es beispielsweise zur Standfestigkeit gro- 
ßer Figuren benötigt - etwa beim Kolcß von Rho- 
dos. Als dieses Wunderwerk griechischer Plastik 
durch Erdbeben gefällt worden war. wetteiferten 
die hellenistischen Könige, zu seiner Wiederer- 
richtung beizutragen: König Antigonos von Maze- 
donien, der über die bedeutendsten Erzbergwerke 
im näheren Umkreis verfügte, stellte Rhodos rund 
hundert Talente Silber (2820 kg) und dreitausend 
Talente Eisen zur Verfügung, seine Gemahlin 
Chryseis fügte die gleiche Menge Blei, also wohl 
auch dreitausend Talente (75600 kg oder rund 
80 t) hinzuJ Es ist wohl anzunehmen, daß diese 
bedeutende Menge zur Beschwerung der Figur 
dienen sollte. So verfuhr man ia auch bei "norma- 
ien-i Großplastiken, etwa bei römischen Reiter- 
denkmaiern. Der im Stadtmuseum Wels aufbe- 
wahrte Fuß einer solchen Reiterstatue aus 
Ovilavislwels ist mit Blei ausgegossen." Unter den 
antiken Filnderbiidern aus dem Peioponnes (5. Jh. 
v. Chr.) ist ein Stierfigürchen ein Bleiguß, alle an- 
deren sind aus Bronze, doch eines davon mit Blei- 
füllungß 
Die Römer beherrschten die industrielle Anferti- 
gung bieierner Wasserleitungsrohreß sie gossen 
gelegentlich bieierne Vasen oder dekorative 
Gefäßeß, Bleibecher und dlonysische Bilder in Me- 
daiilenform. Fiachreliefs für den Mithraskult ha- 
"ben sich in römischen Grenzstädten Pannoniens 
erhalten! in Metz in Lothringen fand sich eine 
Bieiplatte mit einer Victoria, welche eine Büste 
der Göttin Fioma bekränzt; auch Bieiamulette wie 
das im Lasvatal in Pannonien gefundene. Blelme- 
dailions. etwa mit der Ansicht von Mainz, sind zu 
nennen! 
Die Zahl erhaltener antiker Freiplastiken aus Blei 
ist gering. Die Archäologen sind sich darin einig, 
daß der Eros oder Perseus im Museum in Athen, 
der Hermes von Marzabotto bei Bologna oder an- 
dere Figuren wnetaient que des ex-voto de petites 
gensv oder, wie dies das deutsche Handbuch 
ausdrückt. "Figuren aus Blei dienten im wesentli- 
chen zu Votivgaben für Ärmereiß. 
Die Gründe dafür mögen in der leichten Verarbei- 
tung gelegen gewesen sein, man konnte ja Blei 
ohne große Schwierigkeiten gießen oder in Relief 
ausformen. aber angeblich nicht gravieren oder zi- 
selierenl", iedenfails sicher nicht für Trelbarbeiten 
verwenden. Wollte man also wirklich nicht zu viel 
Mühe an ein Material verschwenden, das zu billig 
und zu wenig formbeständlg war? Diese Argumen- 
te mögen aber gerade eine andere Verwendung 
nahegelegt haben. 
Viel häufiger haben sich Amulette. Fluchtäfei- 
chen. kleine Bieifigürchen. teilweise als Glttergüs- 
se, teilweise in verlorener Form gegossen, erhal- 
ten. Sie steiien - wie auf dem Beispiel aus Wels 
(Abb. 1)" - die Fortune dar, aber auch die Venus, 
Silvanus und Siivane. die Wegegottheiten der Tri- 
viae und Quadriviae. manchmal auch einen klei- 
nen Neptun." 
im Mittelalter sind die Verhältnisse ganz ähnlich 
gelagert: Aus dem sensationellen Fund kleiner 
Andachtsbilder im Kloster Wienhausen stammt 
das Hochrelief einer Marlenkrönung mit Resten 
der Bemalung. wohl um 1330 in Lünebur herge- 
stellt (5 x 3,5 cm). auch aus dem 14. Jahrhundert 
ein hl. Antlitz oder eine Johannesschüssei, viel- 
leicht als Piigerzeichen angefertigt (Durchmesser 
2.1 cm)." Bodenfunde mittelalterlicher Piigerzei- 
chen in Hall in Tirol, 195D ausgegraben und wohl 
von einem Brand von 1509 stammend. enthalten 
auch ein Wallfahrerzeichen aus Einsiedein. einen 
hl. Laurentius. bieierne Kugeln und Warenplom- 
ben." Aus dem späten Mittelalter und der Zelt der 
Donauschule sind einige Klelnplastiken in Blei zu 
nennen: Die Statuette einer stehenden Maria mit 
angeschmiegtem Kind im Kunstgewerbemuseum 
Köln, eine sitzende Maria mit sehr naturalistisch 
dargestelltem. lebhaft bewegtem Kind sowie ein 
aus zwei Modeln gegossener Guter Hirte im Baye- 
rischen Nationaimuseum München. Es handelt 
sich wohl um Zeugnisse einer häuslichen religiö- 
sen Kleinkunst, wie sie - zu Anbetungsgruppen 
zusammengefaßt - in großer Zahl vorhanden wa- 
ren, aber wegen des unedlen Charakters des Me- 
talls nur in verschwindend geringer Anzahl erhal- 
ten geblieben sind's Daß die Figürchen vergoldet 
wurden. spricht sowohl für ihre Venuendung als 
bewegliches Andachtsblld im Hause - übrigens 
hat in Nürnberg der Rat die Vergoldung der Klein- 
arbeiten aus Blei wegen Vertauschung einer Edel- 
metalihersteiiung verboten" -, es könnte sich 
aber dabei auch um Goidschmiedemodelle gehan- 
delt haben, die zur Schonung der Urmodelle aus 
Blei angefertigt worden sind. Blei hat ja von allen 
Metallen die geringste Schwundmasse und gibt 
daher beim Guß die Form genau wieder!" 
Nicht erhalten blieb ein Engel aus Blei von der 
Kathedrale in Chartres. bezeugt vor dem Brand 
von 1836. der sich ehemals um seine Achse drehte 
und vielleicht wie der bei Villard de Honnecourt 
beschriebene Automat mit dem Finger auf die 
Sonne wies." 
Die Stoffheiligkeit von Blei war aber der Anlaß zur 
Verwendung dieses Materials bei Objekten. die 
mit Aberglauben, Zauber, Alchemie und auch 
Astrologie in Verbindung standen. In Freiburg 
i.Br. hat sich ein solches Stück aus dem späten 
Mittelalter im AugustIner-Museum erhalten (Abb. 
2"). Die runde, niedrige Kapsel zeigt auf den in- 
nenseiten tief eingeritzte Linien und Zeichen, die 
ein Horoskop bilden. ln der Mitte des Bodens ist 
das gegossene Relief eines Löwen, der eine Burg 
mit zwei Fiundtürmen auf dem Rücken trägt, auf- 
gesetzt. Auf der Innenseite des Deckels windet 
sich eine Schlange mit einem Kind im Maul, pla- 
stisch in BleiguB. über die horoskopischen Zeich- 
nungen. Die Kapsel wurde beim Wiederaufbau des 
ehemaligen wStürzelhofsrr in Freiburg in den Fun- 
damentmauern gefunden und ist zweifellos ein 
Bauamuiett, das bei der Grundsteiniegung einge- 
mauert worden war. 
Kirchliches Gerät wurde aus solch unedlem Mate- 
rial nicht hergestellt - es sei denn, daß man es 
nicht zur kultischen Verwendung, sondern als Zei- 
chen des geistlichen Standes benötigte, also etwa 
ein Kelch als Grabbeigabe für Priester. in solchen 
Fällen begnügte man sich oft mit einem Zinn- oder 
Bleikelch." Nur ganz vereinzelt ist Blei zur Deko- 
ratlon eines Meßgerätes herangezogen worden: 
Auf einem Ziborium aus dem 15. Jahrhundert 
(Abb. 3), aus vergoldetem Messing hergestellt (Hö- 
he 46 cm), sind Brustbilderjugendlicher Heiliger in 
Bleiguß aufgelötet." Den Hauptbestand plasti- 
scher Werke des Spätmittelaiters aus Blei bilden 
die sogenannten Piigerzeichen, von denen die 
größte Zahl im Musee de Cluny in Paris verwahrt 
wird." Es befinden sich darunter neben den Erin- 
nerungen an die großen französischen Wallfahr- 
ten auch politische insignien. etwa Feldzeichen in 
Form des Dauphin-Wappentieres". Auch von 
österreichischen Wailfahrtsorten gibt es Nach- 
weise über die Hersteiiung bleierner Piigerzeichen 
im Spätmlttelaiter. Der Abt von Zwettl ordnete um 
1500 die Gründung einer marianischen Bruder- 
schaft beim Wailfahrtsort Raffingsberg, südlich 
Waidhofen an der Thaya, an und erteilte 1502 die 
Erlaubnis, Weihemünzen aus Blei (signa plumbea) 
zu verteilen." Der Abt von Llllenfeld erwirkte 1514 
bei der römischen Kurie die Erlaubnis, für die Ka- 
pelie in Annaberg zur Erinnerung für die Wallfah- 
rer 71519118 seu insignia aliqua stangnaea seu plum- 
D881: herzustellen und zu verteilenßs 
Von diesen ersten Massenprodukten haben sich
	        

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