MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

lich um 1860 verändertemprofilierten vergoldeten Rah- 
men eingefügt. An der Vorderseite ist die wLandtafelw 
graviertdiedie Höhen-undAgimentkreise,die24Äqua- 
torialstunden, die Planetenstunden. die "böhmischen 
Stundenu,die12HimmelshäuserunddieDämmerungs- 
grenze enthält. An dem aufgelegten ringförmigen, 
ebenfalls versilberten Rand ist eine Teilung von 0 - 90 
inder Horizontaleund in 16 Kompaßstricheangebracht, 
an welchen blasende Aeoiusmasken graviert sind. Im 
Mittelpunkt der Scheibe sind drehbar befestigt: a) das 
vergoldete Netz mit gravierten Tierkreisbildern und 
Sternnamen auf Bandverschlingungen; b) das Deklina- 
tionslineal; c) der nindex draconistr mit Bögen zum Mes- 
sen der Breite der Gestirne und mit Gradbögen zum Be- 
stimmen der Eklipsen; d) fünf Planetenzeiger (vindex 
Mercuri, Veneris, Martiis, lovis, Saturnirqund dernindex 
Solisa. b) bis d) sind vergoldet, jeder der letztgenannten 
Zeiger weist am Ansatz die ausgeschnittene, geätzte 
und farbig bemalte Figur der betreffenden Gottheit auf. 
Die aufgelegte Haltescheibe nebst Schraubenmutter 
ist vergoldet und graviert, Die Rückseite der Scheibe 
enthälteine Höhenmaß-Skala. ein Kalendarlum mitden 
gravierten Bildern des "Ferkreises und Heiligennamen 
sowie eine für alle Breiten gültige Sonnenuhr. Die ver- 
goldeteAlhidade istmitzwei Dioptern versehen,von de- 
nen einer abgebrochen ist. An den Enden der Alhidade 
und beiderseits am Dioptersind geätzte Mauresken an- 
gebracht. Volckmers Astrolab ist in der Prager(ab 1799 
Wiener)" Sammlung des Johann Ferdinand Schönfeld, 
ab 1 823 in derSammlungdesJoseph Freiherrn von Die- 
trich in Wien nachweisbar, wurde am 12. März 1860(lot 
1179)beiChrlstie'sversteigert und kam überdie Samm- 
lung Rhodes in die Sammlung Spitzer in Paris; auf der 
Auktion dieser Sammlung (Paris 17. April - 16. Juni 
1893, Nr. 2780) wurde das Astrolab von Frau G. L. Gai- 
ser, Hamburg, erworben und von dieser dem Museum 
für Kunst und Gewerbe gestiftet." 
Am 12. Juli 1594 wurde Tobias Volckmerals Mathemati- 
cus und Goldschmied nach München an den Hof des 
bayerischen Herzogs Wilhelm V. berufen, wo er bis zu 
seinem (knapp nach 1629 erfolgten)Tod lebte und arbei- 
tete. In seiner Stellung am bayerischen Hof folgte ihm 
Anmerkungen 27 - 32 s. S. 6 
dann sein schon erwähnter Sohn Tobiasä, der zweite 
Sohn, Johann Melchior. wurde kaiserlicher Hcfmathe- 
maticus und Kammergoldschmied in Wien." Den 
Grund fürVolckmers Abwanderung aus Salzburg erfah- 
ren wir" aus einem Schreiben vom 7. Februar 1591, 
das eine Sendung von wissenschaftlichen Instrumen- 
ten Volckmers an Kurfürst Christian I. von Sachsen be- 
gleitete: trNachdem ich nun meinem gnedigsten Herrn. 
Erzbischoffen Wolf Ditterich, vor einen Hofgoldschmidt 
als auch in anderen mathematischen und geometri- 
schen Sachen gedienet, mit Weib und Kind zu Salzburg 
als ein Bürger gesessen und in der Goldschmidts Ord- 
nung eingenommen, auch an einem gelegen Ord mei- 
nen offenen Laden gehabt und in Ihrer Fürstlichen Gna- 
den  allerhand gnedigste Fürschub und Hilf gehabt, 
so habe ich nun keine andere Ursach von meinem gne- 
digsten Herren dem Erzbischof zu Salzburgk zu ziehen. 
allein daß ich mich vonwegen der Religion künftigerZelt 
besorgen mußß" Volckmer hatte zwar am 19. März 
1595 von München aus den Salzburger Stadtrat gebe- 
ten, wdas man ihme das Biirgerrecht noch ein Jahr ge- 
5b 
5 Melchior Paz (7), Deckelpokal in Gestall eines Drachens 
(mischen 1590 und 1594), Hellbrauner Jaspis; Goldemail, 
Perlen, Edelsteine; Höhe 28,5 cm. Am Hals des Drachens 
das emaillierte(wkleineiqwappen Erzbischof Wolf Dietrichs. 
Wohl Geschenk an Kaiser Rudoll ll., erwähnt im Nachlaßin- 
vemar seines Nachfolgers Matthias. Wien, Kunsthisiorl- 
sches Museum, lnv. Nr. 1623 
6 Hans Karl, Trinkschale des Erzbiscnols Woll Dietrich. Gold. 
Email, Höhe 13cm. Knapp um 1600. Florenz, Sammlungen 
des Palazzo Pinl, lnv. Nr. 3
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.