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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

 
16 Hermann Weber. Tasse einer Meßkännchengarnitur, gesiif- 
tei wahrscheinlich von einem der Brüder des Erzbischofs 
Wolf Dietrich. Silber. Länge 33,5 cm, Breite 22,2 cm. Salz- 
burg, Domkusrodie 
16 
Ebenfalls aus purem Gold wurden die Figuren einer 
Kreuzigungsgruppe geschaffen. die sich heute eben- 
falls in Florenz befinden". die aber durch inventarbe- 
schreibungen und Gewichtsvergleich für das vinnere 
Gemacht der Residenz Wolf Dietrichs gesichert sind. 
Kurt Rossacher hat ihnen eine umfangreiche Abhand- 
lung gewidmet" und darauf hingewiesen, daß wer al- 
lem die Johannesstatuette (Abb. 14) einen expressiven 
Manierismus niederländischer Herkunft zeigtmw Alles 
deutet darauf hin, daß im Meister dieser prachtvollen 
Skulpturen niemand anderer als Paulus van Vianen zu 
erkennen ist. Am 18. Februar 1602" wurde ihm, bevor 
er dann 1603 als Kammergoidschmied an den Kaiser- 
hof nach Prag berufen wurde, in Salzburg ein Sohn ge- 
boren, wobei der Tauipate Erzbischof Wolf Dietrich 
selbst war. Die Zeichnungen der von Teresz Gerszi re- 
konstruierten Saizburger Skizzenbilcher Vianens, die 
ihn als Vorläufer der realistischen holländischen Land- 
schaftsmaler erweisen. waren 1983 in einer Ausstel- 
lung des Salzburger Barockmuseums zu sehen. 
Der Bedarf Ermischofs Wolf Dietrich an Werken der 
Goidschmiedekunst war jedoch mit allen den genann- 
ten Arbeiten keineswegs erschöpft. Schon Fiossacher 
hatte durch seine Entdeckungen in den Sammlungen 
des Palazzo Pitti die Meisterwerke der Augsburger 
Goldschmiede Kornelius Erb und Paul Hübnerwieder in 
ihre richtigen Zusammenhänge gestellt." Abgesehen 
davon, können hier wenigstens die Namen einiger 
Goldschmiede genannt werden, die nicht der Salzbur- 
gerZunft angehörien unddeshalb in irgendeinerVerbin- 
dung zum iandesfürstiichen Hof gestanden haben mö- 
gen. Von 1588 bis 1589 ist ein Fabian Frideran, Gold- 
arbeiter, in den Abteirechnungen von St. Peter nach- 
weisbarw, am 18. November 1587 ersuchte Andreas 
Spiner, als Hofgoidschmied aufgenommen zu werden, 
was aber abgewiesen wurdef" Am 7. September 1590 
wurde vWolffen Dietrich Goldarbeitera eine Tochter 
getauft"", wobei es fraglich ist, ob es sich dabei um ei- 
nen mit dem Familiennamen Dietrich, vielleicht um ei- 
 
nen Verwandten des Augsburger Goldschmieds Chri- 
stian Dietrichm handelt. Am 24. November 1594 wird 
in den Salzburger Hcfkammerprotokoilenw: der Gold- 
schmied Hans Pracht genannt, der dann von 1599 bis 
1602 für den Herzogshof in München arbeiteief" im 
Jahre 1604 hatte Erzbischof Wolf Dietrich Aufträge an 
den Münchner Goldschmied Hans Schleich verge- 
ben", ein Jahr später muß der Augsburger Gold- 
schmied Clemens Kicklingerm längere Zeit in Salzburg 
gearbeitet haben, da ihm und seiner Frau Barbara am 
27. Oktober 1605 hier eine Tochter getauft wurde."" 
Und schließlich wohnte im Jahre 1608 im Hause Resi- 
denzpiatz 6 vFranz Erasmus, Leibschiz und Hofgoid- 
schmiedrr". von dem aber bis jetzt keine weiteren 
Nachrichten gefunden werden konnten. 
Am 2. Juni 1604" ersuchte der von Wolf Dietrich aus 
Köln berufene i-Hörman Weber, frstl. Hofgoldschmidtix 
um Erteilung des Salzburger Bürgerrechts, was ihm am 
21. Jänner 1605"" bewilligt wurde; gleichzeitig wurde 
er in die Goidschmiedezunft aufgenommen und versah 
seit diesem Zeitpunkt seine Arbeiten mit seinem 
MeisterzeichenÄ" Damit wurde die Entwicklung einer 
Situation eingeleitet. wie sie ähnlich vor dem Regie- 
rungsantritt Wolf Dietrichs bestanden hatte, wie sie 
aber gleichzeitig auch für andere Residenzstädte maß- 
gebend wurde. Denn das fast gänzliche Fehlen einer 
Hofwerkstätte gehört mit zu den charakteristischen Er- 
scheinungen in der Kunstgeschichte des 17. Jahrhun- 
derts. Nicht mehr der Wunsch und die Neigung des je- 
weiligen Herrschers bestimmen in erster Linie, weiche 
Goidschmiedearbeiten in welcher Form herzustellen 
seien. Nunmehr wurde die früher entscheidend mitfor- 
mende Vorstellung des fürstlichen Auftraggebers weit- 
gehend durch den von Siiberhändlern und Juwelieren 
befriedigten Bedarf abgelöstf" Auf die daraus resultie- 
renden Bedingungen für die Goidschmiedekunst des 
"weiteren 17. Jahrhunderts in Salzburg wird in einem 
späteren Beitrag in dieserZeitschrift eingegangen wer- 
den. 
17 Schaumünze Erzbischof Wolf Dietrichs vom Jahre 1594. Sil- 
ber. Durchmesser42 mmßernhardt-Fioll Nr. 1536), mit dem 
ukieinen- Wappen an der Vorderseite 
18 Schaumünze ErzbischofWolf Dietrichs vom Jahre 1594. Sil- 
ber, Durchmesser-Q mm(Bernhardt-Roli Nr. 1 544), mitdem 
ngroßen: Wappen an der Vorderseite 
Anmerkungen 94 -112 s. S. 11 
 
 
 

	        

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