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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

Anmerkungen 1 - 2 
' Nora Watteck, Geschnitzles Stelnbockhorn - ein vergessener Zweig 
des Sallburgel Kunsthandwerks. Alte und moderne Kunst, Hell SBISQ. 
1962. 
' Eugen von Pmlivvovlch. Steinoocknom, ein sehr seltenes Material. und 
seinekunstlerische Verwendung. Kunst- und Antiquitäten W32. s es lt 
Im achtzehnten Jahrhundert kulminiert noch einmal die 
Sucht. ausgefallene Materialien, Dinge, die nicht dem 
täglichen Leben entstammen, zur Anwendung zu brin- 
gen. Nocheinmal soll die iiKunst- und Wunderkammem 
in Erinnerung gerufen. zum Ahnherrn der zeitgenössi- 
schen Bestrebungen über Wunder der Natur in Schatz- 
kammern der Kunst gemacht werden. 
Eine Zerlegung des Wortes vSchatzkammerK führt uns 
zur Grundzelle aller Museen. Heute haben wir große 
Räume, Säle, zurVerfiigung, um Kunstwerkeeinerbrei- 
ten Öffentlichkeit darbieten zu können. Der Beginn war 
klein, es war die iiKammem, oftmals neben dem Schlaf- 
raum des Königs, in welchem er seine Schätze aufge- 
hauft hatte. lnviel spätererZeitbeginnt ein neuer Begriff 
einzudringen. das Kunstkabinett, Diesesistaberbereits 
relativweitverbreitet, aufSchlössern,zum Teil schon in 
wohlhabenden Kreisen des Großbiirgertums, der 
Sammlerschicht, anzutreffen. Noch heute kennen wir 
den Begriff DKabiÜenStüCkK, derdieser Zeit entstammt. 
einerseits ein kleineres Format und andererseits ein 
qualitatsvolles Objekt damit definiert. 
lm Kunstkabinett, welches man als einen Teil seiner Le- 
bensbestrebungen betrachtete, hatte man im wesentli- 
chen Gemälde kleineren Formats. Kleinskulpturen. 
wohl auch Naturalien interessanterer Art, angehäuft. 
Bei Bildern. eventuell Sandbildern. deren Bildträger 
Glas war, auf welches eine Schicht Sand aufgeleimt 
wurde, in welche dann die Farbe eingebracht wurde. 
Ludwig von Hagedorn (1712 - B0), Generaldirektorder 
Galerien und iiCabinetsrt in Dresden, hat selbst gemalt 
und gestochen. Von ihm hat sich ein solches Sandge- 
mälde erhalten, das eine Familie in einer Landschaft, 
umgeben von Tieren, zeigt. Es ist monogramrniert. die 
Dalierung nicht mehr voll leserlich. Hagedorn mag uns 
als Beispiel dafür dienen, daß selbst so hochmögende 
Leute wie er es auf dem Gebiet der Kunstsammlungen 
war. diese Bestrebungen zum seltenen Kunstwerk nicht 
nur generell, sondern auch persönlich förderten. 
Materialien ohnejeglichen Materialwert,wie etwa Kork, 
kamen plötzlich zu Hang und Namen. Darmstadt und 
Kassel etwa, Berlin und Gotha, schufen sich ein Kabi- 
nett von Korkmodellen, die gelehrten Gesprächen als 
Anschauungsunterricht dienten. Das Pantheon in Rom, 
eine ganze Reihe von Tempeln, standen in verkleinerter 
Form dem gelehrten Gespräch nördlich der Alpen zur 
Verfügung. 
Das Geistliche Fürstentum Salzburg war nichtgenötigt, 
nach ortsfremden Materialien Ausschau zu halten, um 
den Gegebenheiten des achtzehnten Jahrhunderts zu 
genügen. Rares vorstellen zu können. War es bei den 
Korkmodellen eines Antonio Chichi z. B. der Klassizis- 
mus, der danach rief, so war in Salzburg bei den Stein- 
bockhornarbeiten unteranderem auch der Hintergrund 
des Mystischen, der hindurchschimmerte. Man legte ia 
dem Material Steinbockhorn eine medizinische Kompo- 
nente zu. 
Die Nestorin der Steinbockhornforschung hat mit ih- 
rem Untertitel "ein vergessener Zweig des Salzburger 
Kunsthandwerksi: bereits das zuwege gebracht, daB 
Objekteausdiesem Materialabsolutnichtmehrüberse- 
hen werden, wenn es um Sammlerobjekte geht. 
Womit wir uns hier in diesem kurzen Aufsatz beschäfti- 
gen wollen, ist nicht so sehr eine Vorstellung im allge- 
meinen, das ist bereits? einige Male geschehen. son- 
dern bereits mehr in die Tiefe gehen und uns der Motiv- 
wahl widmen. 
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