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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

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Bischofvon Wells, brachte 1 174 aus der großen Kartau- 
se in Grenoble Hugh of Avalon. den späteren Bischof 
von Lincoln, nach England. der die erste Niederlassung 
der Kartäuser in Witham gründete." Vor dem Bau der 
Kathedrale in Canterbury weisen eine Reihe von Kir- 
chen französische Züge auf. wie z. B. St. Cross in Win- 
chester bei der Wölbungstechnik und den Diensten, 
Floche in dem sechsteiligen Gewölbe und Ripon im 
Wandaufriß. Obwohl gotische Bauten in Frankreich seit 
1140 entstanden, gab esvor 1174 in England kein Bau- 
werk. das als ganzes gotisch genannt werden könnte. 
Canterbury wurde von einem französischen Baumei- 
ster geplant und entwickelte eine Gotik mit durchaus 
französischen Charakterzügen. 
Ist nun auch Wells eine Kathedrale, deren Erschei- 
nungsbild wesentlich durch Canterbury bestimmt ist, 
oder hat sich im Westen Englands eine Gotik entwickelt, 
die auf eigenen Traditionen fußte?" Zu den Bauten, die 
indiesem Zeitraum im Westen Englandsentstehen bzw. 
erweitert werden. gehören die Kirchen in Malmesbury, 
Worcester, Glastonbury und St. David's. Etwas später 
gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstehen die Kirche 
in Llanthony und der Chor sowie die östlichen Kapellen 
von Abbey Dore. Die in anderen Landschaften gebauten 
Kirchen habenaber ebentallseineje andere Bedeutung 
türdie Kathedrale in Wells. Betrachtet man den Grund- 
riß des Fleginald-Baus. so sind drei Charakteristika zu 
nennen. Die zehn Joche westlich der Vierung entspre- 
chen der englischen Tradition, das Langhaus im Ver- 
hältnis zu den Bauten aut dem Kontinent sehr zu 
strecken; so hat St. Albans etwa 10 Joche (um 108D), 
Winchester 12 (um 1120) und Norwich 14 (um 1120), 
ähnlich die Kirchen im Westen Englands (Abb. 1). Der 
rechteckige Chor mit Umgang von Wells läßt sich auf 
zwei unterschiedliche Traditionen zurückführen: die ei- 
ne ist mit England verbunden, so daß um 1120 südöst- 
lich von Wells eine Kirche in Flomsey mit diesem 
Grundriß entsteht; die andereweist auf Burgund und die 
Baukunst der Zisterzienser. In Wells finden sich in allen 
Bauteilen Kreuzrippengewölbe, für die Gotik eines der 
wesentlichen Charakteristika (Abb. 2). 
Bei der Verbreitung der Kreuzrippengewölbe ist der 
Nachweis der möglichen Abhängigkeiten ein schwieri- 
ges Problem." Die ersten Kreuzrippengewölbe wurden 
in Durham in Nordengland und in Lessayin der Norman- 
diegebaut. und zwar urn 1 1 00. Das Langhaus in Durham 
wurde erst 1130 eingewölbt. Technik und Ästhetik des 
Gewölbebaus weisen in England und aufdem Kontinent 
Unterschiede auf. Obwohl schon in der ersten Hälfte 
des 1 2. Jahrhunderts in Frankreich Haustein verwendet 
wurde, um das Gewicht der Gewölbeschale zu reduzie- 
ren, blieben die Engländer lange Zeit bei dem weit mas- 
siveren Gewölbe aus Bruchstern. so etwa in Wells, spä- 
ter sogar noch in Lichtield." Das Gewicht dieser Ge- 
wölbe mußte aufgenommen werden. In Sens wie in an- 
deren frühgotischen Bauwerken in Frankreich wurden 
die Diagonalrippen in der Form eines Halbkreises gebil- 
det, was einen größeren Seitenschub bewirkte. Strebe- 
bogen, dieam Außenbau weit oben in derObergadenzo- 
ne ansetzen mußten, sicherten die Stabilität der von 
großen Fenstern durchbrochenen Wand, Die ersten 
Strebebögen entstanden um 1180 in Paris und Reims; 
Strebebögen an älteren Bauten wie zum Beispiel Sens 
sind wahrscheinlich spätere Zutaten." Durch den 
Wunsch nach mehr Licht und Raum, durch den Wegfall 
des Emporengeschosses und die schlechten Erfahrun- 
gen mit den feuergeiahrdeten Holzdecken bestand in 
England sehrfrüh die Notwendigkeit, eine entsprechen- 
de Wölbungsform zu finden. Der statisch günstigere 
Spifzbogen wurde nicht nur bei den Gurtbögen wie in 
Durham eingesetzt, sondern auch bei den Diagonalrip- 
pen des vierteiligen Gewölbes. Im Westen Englands 
wurden ähnlichwie in der Normandie in Caen, Ste. Trini- 
te. die Gewölbe aus Bruchstein gemauert, was trotz der 
notwendigen Hoizkonstruktionen den Bauprozeß zwar 
beschleunigte. aber wegen des gewaltigen Gewichts 
zur Konstruktion auch der Diagonalrippen in Form eines 
Spitzbogens zwangfe Vor dem Neubau in Canterbury 
gab es den Spitzbogen bereits in Peterborough und in
	        

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