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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

g einer solchen legt . .. Das Monogramm (VH, ligiert, 
tlerf.)bemerkt man rechts untenß aussah, das aus El- 
tbein warf: 
ich seiner Ausbildung als Bildhauer, so Sandrart, 
igte er sich eifrig auf die Arbeit in Helfenbein und 
tchte sich bald durch allerhand Geist- und weltliche 
der und Figuren so wol runde als tlache(d. h. Statuet- 
t, GruppenwieReliefs,d.Verf.)aufTrinkgeschirrsehr 
rühmt, er bildete allerhand Historien, Bacchanalien. 
umfe, Neptunos, Tritones, See-Nymfen und Liebes- 
tter. . ß. Die antike Mythologie und darin eingebettete 
egorien wurden also zum Themenfeld der Kleinpla- 
k, die J. U. Hurdteroffenbarweithin Aufträge und Ver- 
idungen brachte. So vermerkt ihn eine Supplikation 
Karl Ludwig. Kurfürst von der Pfalz, wals sich unter- 
zhend in Holz, stain und bain (Helfenbein!) zu 
hneiden: hat auch farbig zu verhandeln eine Temas, 
a derselbe dem Cubido einen Flügel aus reist. und 
ndts bildle, 112 Schuh hoch, von Helfenbein. vor 
Dlr. ...rr.s" Sehr bezeichnend und für den Vorbilder- 
eis Hurdterscher Figuren wichtig ist, daß der Bildhau- 
dem Kurfürsten noch folgende Werke anbietet: 
och andre Rare stückh Mehr von Mettall, von Jo von 
lange (Giovanni Bologna, Anm. d. Verf.) gemacht, 
ch andre Andica, die ich in Cumision habe (z. B. 2 An- 
ca Kindtsköpt von Mlarlmor)". 
t etwas akademisch wirkende Bewegungs- und Akt- 
idie vielleicht schon für die Verwendung in einem Fle- 
fgedacht, eventuell sogar aus einer fremden, größe- 
tKomposition entnommen, scheintdas kleine Blatt in 
ai, grau laviert, das zwei Frauen an einem Wasser 
igt (Abb. 15)? Die vordere kniet auf einem Tuch, die 
iteree ihre Füßesind noch im Wassedoderhinterei- 
r Bodenwelle?) - hebt ein Tuch zum sich Trocknen 
tpor. Die Proportion der kräftigen Körper mit langen 
inen. relativ kleinem Kopf mit zierlich feinen Ge- 
thtszügen erinnert an die Omphale des Braunschwei- 
r Reliefs von 1674 (Abb. 17), die ähnlich auffallend po- 
-rt. DieZeichnung liegt im Museum zu Allerheiligen in 
hafthausen und ist - für eine Übertragung - gerif- 
l. -Auf derselben Pappe lag schon im 19. Jahrhun- 
rt die einzige für J. U. Hurdter durch seine Aufschrift 
sicherte Zeichnung in schwarzer Kreide mit gelbli- 
er Lavierung, eine weibliche Allegorie (Abb. 16)? An 
d auf einem gestuften Podest lehnt und sitzt die nur 
akerdrapierte Frauengeslalt, den Nacken in die Rech- 
stützend, den Blick auf eine Statuette gerichtet, die 
.- in der ausgestreckten Linken halt. Es könnte, wie 
hon Friedrich Thone 1972 vermutete, eine sinnbildli- 
e Darstellung der Bildhauerei, aber auch - weiter 
laßt - eine Allegorie auf die bildende Kunst sein, die 
er Vorbilder, z. B. der Antike, reflektiert. ßDiß geringe 
ichte Joh: Ulrich Hurdter Bildhauwer in l Ulm den 8. 
gust A". 166114, so die Aufschrift in brauner Tinte un- 
Kreuzigungsgruppe. Die hölzernen Assistenzfiguren mit 
neuerer Fassung vonJ. U. Hurdter. 1680. Der Kruzifixus aus- 
gehendes 16. Jahrhundert. St. Martin, Dietenheimllller 
t 
 
 
 
ten; das Ganze wohl ein Stammbuchblatt, kein Entwurf 
fürein größeres Projekt. Obgleich dieZeichenmittel bei- 
der Blätter unterschiedlich sind, scheint der Stil ähnlich 
- die Proportionen, die Art der kontrapunktischen Be- 
wegung, das fast unbeholfene i-Eintragenw der für das 
Steh- bzw. Sitzmotiv weniger bedeutsamen Beine, das 
Posieren insgesamt. Das angestrengte Sitzen auf dem 
Doppelblock erinnert an das Bemühen Leonhard Kerns 
um Statuarik und wArchitekturu seiner in Grundpositio- 
nen vorgestellten Menschengestaltenfe David Hesch- 
Iers d.Ä. iiin Flomaer bezeichnetes Kölner Blatt (I, 
Abb. 14) steht derAllegorie der Bildhauerei und Kunst 
nicht allzu fern. 
Das von Thone und Geissler zu Recht Hans Friedrich 
Schorer (um 1585 - nach 1654) in Augsburg zuge- 
schriebene kleine Blatt in Feder mit einem Quellgott im 
Queroval, ebenfalls aufderselben PappewieJ. U. Hurd- 
ters zwei Zeichnungen in Schaffhausen aufgelegt, 
weicht in Stil und Qualität ab." Es zeigt aber, ähnlich 
wie der große, nachträglich nHVBw (V in B) bezeichnete 
und von W. Schade als Werk Hurdters angesehene vTfi- 
umph von Poseidon und Amphitriteir im Kunsthaus 
Zürich", die Verbindung von entwerfendem Maler, 
Bildschnitzer und Kunsthandwerker, in diesem Fall 
Goldschmied. Bei beiden Zeichnungen Schorers han- 
delt es sich offensichtlich um Musterblätter (riPatro- 
nentt)für eine Prunkschale bzw. füreines von deren Teil- 
reliefs, wie sie u. a. David Heschlerd. Ä. inAnlehnung an 
VorbilderinEdelrnetallmit seinerMünchener Elfenbein- 
schale (l, Abb. 9, 9a) schuf, und wie sie sicher auch Jo- 
hann Ulrich Hurdterverwendete. gleich. ob mit oder oh- 
ne die Kombination mit Silber- bzw. Goldschmiede- 
arbeit. 
lnwieweitnunJohann Ulrich Hurdterauchfürdie reiche 
Rahmung seiner 1674 datierten und monogrammierten 
Herkules-Omphale-Szene auf lackiertem Holzgrund in 
Braunschweig (Abb. 17) verantwortlich ist, kann man 
ohne genauere Kenntnis der Werkstattverhältnisse (El- 
fenbeinschnitzer, -dreher, -gravierer) nicht sagen. Ty- 
pen und Stil der auf dem Elfenbein eingravierten, ge- 
schwarzten figürlichen und ornamentalen Teile sind 
ihm keineswegs zwingend zuzuordnen; vielleicht han- 
deitessichsogarumeine nach1674undweiternördlich 
entstandene Rahmung. Der stehende Löwe mit dem 
Pfeilbündelunterder Krone scheinteineAnspielung auf 
das Wappen der Generalstaaten der Niederlande zu 
sein (der Löwe dort mit einem Schwert)? Die Devise 
nMit Diesemu ließ sich bisher noch nicht näher deuten 
und aufeine bestimmte Person beziehen. - Das Posie- 
ren beider Gestalten ist grundsätzlich dem der Tauf- 
gruppe (Abb. 3) und des Schaffhausener Stammbuch- 
blattes ähnlich (Abb. 16). Die von ersterer abweichende 
gewisse Schwerfälligkeit und die Beschränkung aufdie 
Profilansicht beider Gestalten scheint nicht zuletzt auf 
10a Maria, zum Gekreuzigten aufblickend. Detail aus Abb. 10 
10b Johannes. Detail aus Abb. 10 
11 Elfenbeinkruzifixus. Wahrscheinlich Ulm, spätes 17. Jahr- 
hundert. Klcsterkirche zu Sotlingen. 
10b 
 
 
Anmerkungen 52 - 59 
5' Die Mouogrammisten. München 1863. lll. S. 671. N1. 1598. und S. 197. 
Nr. 624. 
u Sthefüld.1933.S.4l.Anm.1.7A. Klemmwüm. Baumeiswrund BIIÜP 
neuer. 1582. S. 160i. - Derbishernlmt deu1bave Name(7)Temas viel- 
leichtlürThemlsiochlerdes Uranosßlealslüvslne und0rdnung uzuv 
Slllldign galt. 
" Thbne.ZelchnungemSchaNhausen.1972.S. HSLKEL Nr. 12U.Äbb. 
" EbsndtKal.Nr.119.7Vgl.hierAnm. 1. 
" E. Glünenwald. Laonhard Kern  Schwäbisch-Hall 1969. Abb. 17. 
1B {.1 34 7.. 43. 46. 
" Thbna. 1572. S. 145, Km. Nr. 128. Abb. 4 H. GGISSISI. Zeichnung in 
Daulscnland.DeulscheZeichner154U 7 1640. Staatsqalane Smngan. 
Aussl. Kat. 1979, 1.5. 25a, unlsr Kai Nr F a4 
N Gelsslar. 1979. 1. s. 256. N1. F. 34.Abb.S. 151. um 1530140 
M u. a. T. van der Laavs. wapens. Vlaggen en Zegels van Nederland. Am- 
slardam 191a.1ig.299.a5s.443.3o0.7 Fümeunanene - wenn auch 
negativlautende-Auskunft danke ich 01. o Neubscker. Wiesbaden. 

	        
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