MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

Braunschweig und Stuttgart nicht möglich. Ihre Hand- 
schrift unterscheidet sie von J. U. Hurdters sogen. 
KienIen- und von dem Kölner Humpen, ihre Oualität 
setzt sie von den für David Heschler d.Ä. gesicherten 
Werken ab. Ähnliches gilt für den Zylinder des Liebieg- 
hauses in Frankfurt am Main", der jedoch im ganzen 
nicht so ausgeprägt ulmische Züge aufweist. 
Für eine auch nurvorläufige Klärung der Fragen, diedie 
Verbindung von In Ulm und in Augsburg montierten EI- 
fenbeingefäßen, die die Modelle oder gar die Schnitze- 
reien selbst lieternden Bildhauer- und KleinkünstIer- 
Werkstätten sowie ihre Vorbilder und Vorlagen betref- 
fen, müßte man meiner Meinung nach u. v. a. für die er- 
sfe Jahrhunderthälfte den Elfenbeinkünstler zu bestim- 
men suchen, der- mit seinerWerkstatt- in Augsburg 
u.a. die beiden höchst qualitätvollen Becherrellefs im 
Kunsthistorischen Museum, Wien, schuf. Der zweite 
dieser Becher, deren Fassung der Gold- und Silber- 
schmied Wolfgang I John (um 1581 - 1634) fertigte, ist 
in seinen Götterszenen und in deren Deckelputto von 
zarterer Auffassung." Das Todesdatum des Gold- 
pfeilziehenden Apollostatuetten - auch ein Rhinoze- 
roshornpokal des British Museum" trägt solch eine Fi- 
gur-sindin der Figurenkompositionfastidentisch. Die 
Fassungen schuf Hans Jakob Mair (um 1641 - 1719) in 
Augsburg, bald nach 1670. Gerade bei dem Berliner Po- 
kal möchte man in den Reliefs auch ulmische Einflüsse 
erkennen. - Während die den Deckel bekronende Put- 
tengruppe eines von Hans Ludwig Kienlen d.Ä. (gest. 
1653) in Ulm gemerkten Humpens in den Kungl. Husge- 
radskammaren, Stockholm, auf Augsburg zu weisen 
scheint, erinnert der Relieffries mit Chronos (Abb. 30a) 
etwas an die HeschIer-Werkstatt." - Verwandtschaft- 
Iiche Verbindungen z. B. durch die Goldschmiede gab 
es zwischen Ulm und Augsburg": 169a liefert ein 
Goldschmied Michael Hurfer von Augsburg nach Doz- 
burg. ein Hans Georg Hurterwird 1675 genannt, wobei 
offen ist, ob sie engere Bindungen in die Schweiz oder 
nach Ulm hatten. Neben Melchior I Gelb (um 1581 bis 
1654) stammte auch der ebenfalls in Augsburg tätige 
Matthias I Gelb (1597-1671) aus Ulm. Sie gehören 
wahrscheinlich zuJ. U. Hurdters AugsburgerVerwandt- 
18 Bacchusknabe. Elfenbein. Monogrammiert von J, L 
ter. Letztes Drittel des 17. Jahrhundets. Ehem. Kuns 
bemuseum. Berlin 
19 Sog. KienIen-Humpen. Zweite Ansicht von Abb. 1 
20 Venus und Amor. Deckelgruppe des sogen. l 
Humpens von Abb. 1,19 
21 Humpen mit Fischerszene. Fassung von Hans Ludw 
Ulm. Um 1665? Elfenbein. WerkstattJ. U. HurdteflM 
Ulm 
22 Humpen mlt Diana und Callisto. Fassung Joh. Adam 
d. Ä.. Ulm. zugeschrieben. Elfenbein. Ulm? Museuh 
23 Humpen mltPuttenreigen. Fassung Joh. Adam Kienl 
Ulm. Um 1G50l60? Elfenbein. Werkstatt J. U. Hurdt 
seum, Ulm 
24 Humpen mit Bacchus und seinem Gefolge. Fassur 
Ludwig Kienlen d. J., Ulm. Um 1660? Elfenbein J. U, 
und Werkstatt. Kunstgewerbemuseurn, Köln 
24a Der trunkene Bacchus. Zweite Ansicht des HI 
von Abb. 24 
15 
schmieds gibt einen terminus ante iür das äußerst pla- 
stisch tiet hinterschnittene Figurenrelief des Bechers 
mit dem Bacchanal (Abb. 29)? Der Stil dieses von Pe- 
telschen Einflüssen relativ unabhängigen Schnitzers 
bildet meiner Meinung nach neben dem Ferdinand Mur- 
manns eine der wichtigsten Voraussetzungen iür die 
Entwicklung und Bedeutung der Werkstatt des Johann 
Bernhard Strauss in Augsburg seit etwa 1650 sowie die 
davon ausgehende viellältige Produktion bis gegen das 
Ende des Jahrhunderts. 
Fürdas Verwenden derselben Prototypen, bisweilen so- 
garderselben hModelletr in Augsburg und in Ulm sei u. a. 
aufdie Deckeltigurdes Schwertziehenden aut dem Wie- 
ner Becher(Abb 29) vonWolfgang I John von vor 1634 
hingewiesen, die 7 als behelmter Mars! 7 auf dem 
vielleicht erst dreißig Jahre später entstandenen ellen- 
beingeschmückten Deckel eines Humpens der Samm- 
lung des Fürsten zu Salm-Salm autSchloß Anholt (Abb. 
30W wiederkehrt, dessen Wandungstries sehr an die 
Humpen der Hurdter-Werkstatt erinnert. 
Ahnliches gilt z.B. für die in der Qualität wte im plasti- 
schen Stil unterschiedlichen,erheblich später entstan- 
denen. typengleichen augsburgischen Pokale mit rei- 
chern Eltenbeinschmuck an Fuß, Kuppa und Deckel im 
Grünen Gewölbe. Dresden" bzw. im Berliner Kunstge- 
werbemuseum in Charlottenburg? Ihre bekrönenden, 
42 
 
20 
schalt von der Seite seiner Frau Anna Christina; ja. ein- 
zelne Figuren dieser Gold- und Silberschmiede. bei- 
spielsweise der Neptun einer Muschelkanne von 
1652153 im Kreml bzw. ein Satyr als Träger eines Berg- 
kristallpokals in Wien von Matthias l Gelb. erinnern im 
Stil an die Heschler-Hurdter-Werkstatt. Ob diese Bild- 
hauerauchfürGold-und Silberschmiedein Ulmarbeite- 
ten (zwei Pokalständerfiguren 1926 in Prtvatbesitzfg? 
- Hier lehlen grundsätzliche Untersuchungen. in wel- 
chem Maße einheimische oder auswärtige Bildhauer 
Modelle lielerten und inwieweit man sich an Entwürfe 
von Malern (s. Schorer) orientierte. 
In den Kopltypen der Putten. im Figuren- und Gewand- 
stil scheinen mirdie Eltenbeinteiledesum 1660 von Phi- 
lipp Jakob ll und Abraham Drentwett in Augsburg gear- 
beiteten. edelsteinbesetzteh Wagens des Bacchus im 
lparmüveszeti Muzeum Budapest (Abb. 31)"" dem Stil 
David Heschlers und seiner Nachfolge in Ulm zumin- 
dest ebenso verwandt (vgl. I, Abb. 9) wie den zeitglei- 
chenArbeitendesinAugsburgtätigenJohannBernhard 
Strauss, dem Humpen in London von 1651 oder dem 
späteren Wiener Pokalf" 
Obgleich das sehr qualitätvolle Humpenreliel mit der 
Fahrt des Merkur in Stockholmu in den an J. B. Strauss 
erinnernden Figuren (Deckelstatuette) auch ulmische 
Elementez. B. in dem temperamentvollen Bewegungs- 
Anmeikurigen 69 - 98 (Anm. 69 7 79 s. Text S. 40. 41 
ß inv Nr 1977 9063. H 16cm 71014794. Beschau RI4732 - 
ben bei Christie's Geni, 9. Xi 19765 55,Nr 224. Farblatelt 
"I Haceriekienien, i92s.s 24,Abb.4l 7Ausst Kal Elienbel 
rdckiirbachi 0,19709 17.kat Nr 1U1.Abb s 40 7zuiet, 
se, H. Mayr, Verborgene Schätze aus Sieben Jahrhi 
Kunstgewerbemuseum, Köln 1977, s. 9611., Abbn (R1 4790. 
FF 47341 
11 inv Nr 0334 Dernriachst c Theuerkauri im Katalog der n: 
allerlichen Eliertbeinbildwerke der Skulplurengalerie seriin 
derebentallsam9 XI. 197strerchristie's.eeri1, versieigerlei 
hunipen rnit Neptun und Meeresgdtlern tkat s 55, N1 223. 
vor s. 55, N 19.5 cm) tsl Ulmer Herkunft, der i-iescnier Hurd 
stattuml650l60nahe.vorallemirnDeckelputtoaulüelphtndt 
Getäßlnv Nr 996a, vgl hierAnrn.67,Abb.2l,vergleichbar 
11 Theuerkauil, in Apollo, 19e7,s. 392L,Abb.i0 -Seh1ähr1lic 
glelch7 7 die Arbeiten des Francls van Bdssuit 
11 vgi Schetoid.1933,S 41 7u a.AlbrechtDu1ei,1471 7 19'. 
Kat Germanisches Naiidnairnuseurn, Nurnberg. 1972, s 
Nr 494, Abb. 
1' schadier, Petei, 1973. kat Nr 4,Abb 11,00 
13 AussteiiungvdnwerkenatterkunstausdemPrivatbesitzdert 
des Kaiser-Friedrich-Museums-Verelnes, 27 I. - 4. 111 . 191 
Nr. 25a. 7 Eine Ellenbeinscbale mit Fassung vcn Hans Ludwl 
d A 1907 in wien ausgestellt, vgl. Haberle, 1926, s 23.Anr 
1' Bertiner, Katalog Munchen 1926, katNr. 187l..Tat 107 
77 BmiineLKat Nr 134,159, Tat. 110 
YI Demnactist in dem vdrn venasser vorbereiteten Katalog dt 
lung. 7 .1. rhinesse. Appendik zum Elteribeinkatalog Rudoitl 
Magisterarceit. Murictien 1977, s 91 
1' Es scheinen sich treiden kdpien vor allem stiieiernente uirnis 
kuriil mir solchen des Pirundt-Kreises zu mischen 7 ich dar 
P Zansiia. Amsterdam. lur seine treundiiche Hille 
Iß inv. Nr SLP 144 70. schrnin, kataidg Barock-Plastik. Fia 
1929. s so, H 10 cm. ohne Abb. 
I1 inv. Nr. 4469. 7 U.a.H Müller, in. AugsbulgerBarbck A1 
Augsburg 1959, s 321, unter Kat Nr 466 -rneuerkaui1, 
Priundi, in- Anzeiger des Germanischen Naticinalmuseums i 
1974,s.ss,Anm 153,131 7i1.seiirig.DiekunstderAugsuur 
schmiede 1529- 136a, Muncnen 1990, 1. s. 110 
I1 inv Nr 4490.7Augsuurgersardck. 1969, s 321. kat. Nr.- 
35.7sehng, 1960.19 110. ll,Abb 410.111, Nr 1342 
I! Die Bau- und Kunstdenkrnälervon wesiiaieri. 46. w naives. 
kreis Burken. Munsier 1954,s 94, Nr. 5, Abb.S 92 
I1 J L sudnsei. Das Giune Gewolbe zu Dresden. IV. Ellenbeii 
1932,s 6a. Tat 14a -se1ing,19a0,1i1.s.21d1,Nr 1657 
I: Dievdmveriasserin DieElraridenbulgisch-PreußischeKunst 
i9eriin19s1,s lB71.Kat N1.102,AboOllengeIasseneFrag 
SUng des Meisterzeicheris HlM durch n. Sellng, 1950. iii. 
Nr 1657, S.21.Beschau Nr 10711570). i,s 104 zugunsten 
lost. 
II Theuerkaull. Plrundl. 1974, s. 95, Anm. 181,Abb 59 
I1 inv. Nr HGK ss 144, H 23,0 cni. 7 A. Julius, Jean Cavalier c 
andra eiienbeinssnidere, upsaia, stdckhctm 1926, s 47, tig 
II Vgl. im idigenden Thieme. Becker, XVill, 1925, s. 175, und u 
1930, l,S 277.ii. Abb 409.415,111,Nr.1414(M Gelb) 
III Häberle. t92s.s 251 .Abb s 7Einwerteresindiz1ureine sr 
bindung zu dem Heschtev-Hurdter-Kreis scheint das von Matt 
vGoldschmieds Gesell-r lui seinen Vater Georg Gelb gezeic 
burriblatt mii Adam und Eva zu sein, das 1993 im seriiner Kur 
auitauchieuaaieriee Bassenge Alte kunsi, Auktion 42, 2 13 
s 35, Nr 4630. Abb s 36) 
"" Selirig.i9BO,l,S ii5.283.il.Abb.465.iil,S l92,Nr 1525 - 
dievdnn krugeneiienaern. Dresden1967.s a0 Abb 22eiw 
nus in schwerin 
I1 v Pniiipdcvich, eiiencein. 19927, Abb. 191 11 7 1993 irn H 
1656 datierter, ungeiaßter Ellenbeinzylinder. sdihecy, Lcnr 
196310611.LdrdßstcrciHevertkataicds 351 ,Nr 312,4iartr 
durigen, H. 10.1 cm 
I1 lnv. Nr. HGK ss 146. Slalens Historiska Museum - JliilUS. 
119.11 (rnußle i2heißen) 7 Der PHO, PD oder PHD(ltgieil)g 
wdhi von Philipp Jakob I brentwettAugsuurgtum 1593 7165 
lel-iumperilnv Nr HGK sst45 : Juiiuscavaiiehiig 11.lr( 
scher Zusammenhänge Oiienbal lruhei, urn oder na 
entstanden Vgi Sel1ng.lll,S 147.Nr 12745 
'I DasSlutklehltbeiSeling, iii, 19009 21s1.Nr 1657 inder 
WerkeH .1 Mairsaberauchbeid H Manniich undJ Miiier 7 
ke curatdr Dr 1-1 Lepa. stdckhdim. iur alle Hilfe 
I1 kaimar tans Museum, lnv Nr. 25,372, H 41 cm 7 JUiii 
s 401,119 a 
I; inv Nr KH 13,14 34cm 7Ft.kruger,Ei1enaetn.1967.Abt 
II in Jahrbuch der Hamburger kunstsaniniiungen 23, 1979 
Abb 137161 a Kat Nr s 7vgi AussLKal sarcckniastii 
deutschland. Hamburg, Museum iur kunst und Gewerbe 197 
unter Kat Nr 129 e Tardy, lvoires, Abb s 1st 
"Y H OISEH, Aeldre Udcriiandsk Skulptur, Stalens Museum lOl h 
penhagen, 1989, I, S 125, ll, Abb 155 7 Vgl C Theuerkai 
DobberrnanntiriddoachimHennen ,inAIleu11drr1odeIlneKi 
1979, s 24.Anm es 
II lnv Nr 9521992 -M A Longhurslßatalogueollvoiyßarv 
(Olli and Aiaeri Museum. ii London 1929. s, 91, ohne Abb - 
cherem Reltei ein Humpen in Budapest, Judit kavasz. Oriri 
Ekszeiekyes az Esleihazy KlnCS, iparrriuveszeii Muzeu 
Abb. 25 (Deutsch, 17 Jahrhundert)
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.