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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

von Schmalix ist der untersuchende Charakter allen Bil- 
dern gemein. wBei mir ist es so, daß ich wirklich bei kei- 
nem bestimmten ansetze. Es gibt eben Tintoretto, es 
gibt auch die Futuristen, es gibt auch den Kirchner, es 
gibt einfach soviele Leute, die ich versuche aufzuarbei- 
ten, oder von denen ich mich beeinflussen lassen? 
Interessant an diesem Zitatvon HubertSchmalix ist hier 
das gleichgestellte Nebeneinander verschiedener Ma- 
lerunterschiedlicherhistorischer Perioden, deren Bild- 
lösungen gleichrangig, ungeachtet der historischen 
Determiniertheit, behandeltwerden; spielen etwa inAr- 
beiten der späten siebziger Jahre strenge Schemata ei- 
ne Rolle (also weniger dekorative und figurale Motive), 
so kombiniert er in dem Bild iiFrühling in Wienu 1983 T 
tenschädel mit sich streckenden und reckenden Figu- 
ren, welche dieenglische Kunstkritik in den Zusammen- 
hang symbolistischer Traditionen rückte. 
irln meinerAnfangszeit hat furmich auch Maria Lassnig 
eine BedeutunggehabLvorallem imSelbstbewußtsein. 
Daß man noch malen kann, habe ich da gesehen. In die- 
ser Zeit, wo ich jemanden gebraucht habe, an den ich 
mich halten konnte, hat es eben Maria Lassnig gege- 
ben, wo ich gesehen habe, man kann heute auch malen, 
Aberneben Maria Lassnig auch die Deutschen Baselitz, 
Penck und vor allem Flichter. 
Im Unterschied zu einer ganz jungen Generation, deren 
rrpunkri-Vorstellungen und iiBad-Painting-lmagesii, ist 
Schmalix" Werk in seinerdurchdachten und organisier- 
ten Anlage das Produkt eines bewußten und keines- 
wegs (künstlichen oder aufgeregten) expressiven Vor- 
gehens. Auch das Bild mit seinem symbolischen Inhalt 
versteckt diese Botschaft durch die Malerei selbst, die 
distanziertund iiunbeteiligtir bleibt. Insofern unterschei- 
deter sich in seinerVorgangsweisevon Lassnig oderAt- 
tersee, die ganz deutlich verschiedenen Generationen 
zugehoren und für die das Autobiographische des Bil- 
des wesentlich ist. Christian Ludwig Attersee, wie viele 
österreichische Künstler ein Multitalent, als Zeichner 
von großem Eintluß (etwa auf Günter Brus), hat sich seit 
MittedersiebzigerJahreintensivmitgestischerMalerei 
auseinandergesetzt, die sich ursprünglich aus der 
Zeichnung entwickelt hat, Zeichnerische Abläufe wer- 
den spontan abgelöst und das Dargestellte iri unmittel- 
bare, stellvertretende Aktion übersetzt. Gerade aus ih- 
rer Unschärte, dem Changieren von eindeutig Identifi- 
zierbarem und malerischer Handlung (Handlung des 
Malers) bezieht die phantastische und märchenhafte 
WeltAttersees. die nichts lllustratives mehrbesitzt, ihre 
Qualität. Es ist diese Mischung aus Obession und ro- 
mantischer Ironie, welche die Malerei ni ht als Trans- 
portmittel einsetzt. literarische lnhalte zu übermitteln, 
sondern die Formder Malerei als Bestandteil einer ironi- 
schen Strategieversteht. Diese stark erotische Kompo- 
nente, bei Attersee auch Erbe seiner aktionistischen 
Zeit, fehlt trotz des großen Inventars an Körpern und Fi- 
guren den Bildern des 1950 geborenen Alfred Klinkan, 
der gerne im Zusammenhang mit der jüngeren Malerei 
genannt wird. Seine Kunst schließt jedoch meiner Mei- 
nung nach genau an den Arbeiten der Gruppe der riNeu- 
en Wirklichkeitii an, wobei Ktinkan die Art-Brut-Attitude 
dieser Künstler der sechziger Jahre, welche auch Ein- 
flüsse der Cobragruppe verarbeitet hatten, viel stärker 
zu dekorativen Mustern verarbeitet. Feststellbar ist ei- 
ne starke Redundanz der Bildinhalte, märchenhafte 
Gruppen und Szenen werden nun fast wie in der vpattern- 
artri dekorativ eingeebnet und gleichwertig behandelt. 
Der Dreischritt rhythmisch behandelter Farben schafft 
Bilder. über die das Auge gleitet, das sich nirgendwo 
festhalten kann. Seine Kunst steht in der Nachbarschaft 
Zeppl-Sperls, dessen naivere Figurationen hier durch 
12 Siegfried Anzinger, 
x-Herztüterl. 1982. 
AcryllLeinwand. 
194 x 349 crn 

	        

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