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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 192 und 193)

er Karte der kunstwissenschaftlichen Forschung 
zs Reichsfürstentum und Erzbistum Salzburg fin- 
ran für die Zeit vom Tod des Leonhard von Keut- 
2h (1 51 9) bis zum Beginn der Regierung Wolf Diet- 
von Raitenau (1587) kaum Spuren eingetragen. 
e weiße Flachen über weite Teile kennzeichnen 
t noch die im 16. Jahrhundert liegenden Regie- 
:jahre des Raitenauers. 
lillCh hatte der Bauernkrieg von 1525 für alle Be- 
rungsschichten bösefinanzielle Folgemsogardas 
"nie Kirchensilberder Salzburger Stadtpfarrkirche 
bedeutenden Meisterwerken der mittelalter- 
t Goldschmiedekunst mußte abgeliefert werden 
erfiel der EinschmelzungÄ Auch waren die meisten 
eh übervoll von neuen Kunstwerken, im Chor der 
pfarrkirche stand seit 1498 eine vSummer spät- 
:her Kunst. das größte und auch teuerste allereuro- 
hen Schnitzretabel, das Alterswerk Michael 
ers? Und schließlich war v-in Salmurg ein offenes 
irdie Lehren Luthers gegeben"; Johann Sallaberger 
981 über "Das Eindringen der Reformation in 
urgr? höchst aufschiußreich berichtet. Aber über 
Salzburger Kunstschaffen im zweiten und dritten 
zl des 16. Jahrhunders, über das "Bilder in dieser 
rvissen wir fast nichts; einzig Wolfgang Steinitz hat 
in dieser Zeitschrift ausführlich mit dem i-Pro- 
m des Rittersaaies von Schloß Goldeggr? be- 
tigt. Für Neubauten und neue Ausstattungen ka- 
cherSakralraume mag wohl gelten, daß durch die 
mation irdie Kontinuität des künstlerischen Schaf- 
rördlichderAlpen unvermitteltund einschneidend 
brechen worden war. Die Werke der Kleinplastik 
es Kunsthandwerks aber vermochten (wohl auch 
zburg, Anm. d. V.) die hohe Qualität aus früheren 
ehnten zu bewahrenU Es wäre erst zu überprü- 
ib nicht manches von dem, was bisher nicht den 
IT) Zentren dieser Zeit wie Augsburg, Nürnberg 
Nien zuzuweisen war, was also als i-süddeutschu 
iialpenländischri durch die Sammlungsinventare 
art, vielleicht in Salzburg entstanden sein könnte. 
ange ReihewichtigerTischlernamen wurden 1978 
I Rupert Oberhofer veröffentlicht} Zahlreiche 
mhmiedewerkstätten sindoftüberJahrzehntehin- 
I nachweisbarÜ Die Bedeutung der Hafnerkera- 
vird seit Walcher von Moltheins Zeiten" immer 
ergewürdigt,wennauchmancheAttribuzIer-um 
fort Jacob Burckhardts zu verwenden - heute 
eines Zufallfundes in jeder Kachel und in jedem 
die Herkunft aus einer einzigen Werkstatt erken- 
rollen, was in keiner Weise gerechtfertigt ist und 
an anderer Steile ausführlich Stellung genommen 
ig auch seinen Grund gehabt haben, daß das Dom- 
rl bei derWahl des Johann Jakob von Kuen-Belasy 
ieuen Erzbischof am 25. November 1560 von die- 
ür seine Regierung wgrößte Sparsamkeit und Ein- 
eita forderte." Wir wissen zum Beispiel von meh- 
Goldschmieden dieser Zeit in Salzburg, die sich 
vegen des zu geringen Auftragsstandes nah ande- 
irthen heuslich nyderzuthuen gedenkenuf" Im 
1580 gab es in der Landeshauptstadt des Reichs- 
ntums überhaupt nur noch zwei Goldschmiede. 
B Kaspar Zeiringer, einer der beiden Meister, bei 
ehrlingsfreisprechung seines Sohnes Hans, die 
astens zwei Zeugen erforderte, ndarzue erpöten 
äunsern Caplan, Herrn Stefan Miterstater, und un- 
ilten Diener Hans Weingartner, derzeit Mösner in 
farra." Aber im selben Jahr wurde Georg von 
aurg Koadjutordes Erzbischofs, ein Mann. dessen 
icheundinnerkirchlicheIntentionen ebensowenig 
icht sind wie seine künstlerischen. Gleichwohl 
en letztere bedeutend gewesen sein. im Frühjahr 
erhielten der BildhauerMarx Erkingeraus Ulm und 
oldschmied Benedikt Obernauer das Salzburger 
irrecht, ferner beriet Georg von Kuenburg den 
teinschneider Michael Wierster und den bereits 
ational angesehenen Goldschmied Tobias Volck- 
n den Salzburger Hof. Am 14. Mai 1586 wurde Ge- 
)fi Kuenburg zum Nachfolger Johann Jakobs ge- 
wählt; am 23. Oktober erhielten wMichel Wirster, Stain- 
schneider, und Thobias Volgkhmair, Hofgoldschmidt, 
so selb die Consecrations- und Eintritt Tag in der Silber 
Camer aufgewartl und zuegehoifen haben, für ihre Be- 
mühung 7 Guldenr." 
Georg von Kuenburg verstarb jedoch bereits am 
25. Janner 1587, und am folgenden 3. Marz wurde der 
erst achtundzwanzigjährige Wolf Dietrich von Flaitenau 
auf den Thron der Salzburger Kirchenfürsten berufen. 
Wolf Dietrichs künstlerische Intentionen waren schon öf- 
ters Gegenstand der Forschung"; hier ist nur zu sagen, 
daß sich immer mehrdie Wichtigkeit seiner Projekte und 
Aufträge nicht nur für seine Zeit, sondern auch für die 
seiner Nachfolgerlm 17. und im frühen 18, Jahrhundert 
enlveist. Daß Michael Wierster" und Tobias Volckmerß 
auch am wConsecrations- und Eintritt Tagrx" des Erzbi- 
schofs Wolf Dietrich lin der Silber Camer zuegehoifen 
habenx, darf angenommen werden. (Daß die gesamten 
Zahlamtsjournale der Salzburger Hofkammer für die 
Zeit vom Beginn der Regierung Wolf Dietrichs bis zur 
Säkularisation des Erzstifts in den fünfziger Jahren des 
19. Jahrhunderts der Papiermühle in Lengtelden zum 
Einstampfen übergeben wurden", ist einer der beson- 
ders schmerzlichen Verluste für die Forschung.) In den 
Matrikelbüchern der Salzburger Dom- und Stadtpfarre 
wird Wierster sowohl als nMünzeisenschneidenUa wie 
als "Stainschneiderr" bezeichnet und ist bis Dezem- 
ber 1592" in Salzburg nachweisbar; über sein Werk 
wird noch zu sprechen sein. Tobias Volckmer aus 
Braunschweig hatte am 3. Mai 1586" das Salzburger 
Bürgerrecht erhalten und war gleichzeitig in die Zunft 
der Salzburger Goldschmiede aufgenommen worden. 
In der Eintragung fürdieTaufe seines Sohnes Tobias am 
2B. Mai 1586" wurde Volckmer als "Goldschmiedr be- 
zeichnet, bei der Taufe seiner Tochter Rebekka am 
15.Mai 158821 aber als "Goldschmidt Reverendissimirr. 
Damit wird deutlich, daß bis zu dieser Zeit in Salzburg 
der Hofgoldschmied jeweils ein am Ort ansässiger Bür- 
gerwar, derdurch seine besondere Kunstfertigkeit Auf- 
träge des Landesfürsten erhielt, also nicht ein im per- 
sönlichen Umkreis des Fürsten tätiger Hofkünstler, 
sondern, um einen Ausdruck des 19. Jahrhunderts zu 
verwenden, im wesentlichen Hoflieferant war. Bei 
Volckmers Nachfolgern in dieser Funktion, bei Jonas 
Oslertag, Hans Karl und Paulus van Vianen, wird die ge- 
naue Umkehrung dieser Auffassung zu beobachten 
sein. 
Ernst Zinner hat eine Reihe astronomischer und geodä- 
tischer Instrumente verzeichnet, die Tobias Volckmer 
geschaffen und signiert hat." Unter den uns erhalte- 
nen sind aus Volckmers Salzburger Zeit neben einem 
Astrolab (Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe) 
ein vergoldetes Bergwerksgerät (British Museum), 
Büchsensonnenuhren in Oxford, London und Dresden 
sowie eine Meßplatte mit geometrischem Quadrat und 
drehbarem Kompaß überder Kreisteilung (Bayerisches 
Nationalmuseum) zu nennen. Volckmer hatte auch 
selbst geodatische Vermessungen vorgenommen; das 
Salzburger Landesarchiv wie das Bayerische Haupt- 
staatsarchiv besitzen Landkarten von seiner Hand. 
1616 hatte Volckmer nach den notwendigen Vermes- 
sungen die Kartengrundlagen für den 1617- 1619 er- 
folgten Bau der Soleleitung von Reichenhall nach 
Traunstein geschaffen, weine großartige meßtechni- 
sche Leistungw." 
Mit dem Humanismus hatten die Naturwissenschaften 
die entscheidenden Antriebe erhalten, die sie aus der 
mittelalterlichen Gebundenheit lösten. Das Experiment 
und die exakte Forschung bestimmten nun die Arbeits- 
methode undtührten zurEntwicklungderwissenschaft- 
lichen Instrumente. In Nürnberg, in Augsburg und am 
Hof Kaiser Rudolfs Il. in Prag wurden die besten und 
kunstreichsten Gerate ihrer Zeit hergestellt, mit denen 
aber die Instrumente des Salzburger Hofgoldschmie- 
des in jeder Weise konkurrieren können. Es entsprach 
der Zeit, daß man diese Geräte nicht nur ihre Funktion 
erfüllen ließ, sondern sie wie und als einen kostbaren 
Gegenstand schmückte. 
Ein Astrolab, ein historisch astronomisches Meß- und 
Beobachtungsgerät, besteht im Prinzip aus einer senk- 
recht aufgehängten Scheibe, aufder eine stereographi- 
sche Polarprojektion des Sternenhimmels sowie der 
Grundkreise der astronomischen Koordinatensysteme 
(Horizont, Meridiane sowie der auf dem Rand im 360" 
eingeteilte Äquator) eingraviert ist, und einem darüber 
angebrachten konzentrisch drehbaren Netz, das durch 
die Ekliptik in gleicher Projektion und durch ein System 
von Streben gebildet wird. deren Spitzen die entspre- 
chende Position bestimmter Fixsterne markieren. So- 
bald durch Drehung des Netzes die Fixsternmarkierun- 
gen mit den beobachteten Örtern auf der Scheibe zur 
Deckung gebracht sind, laBf sich aufder Randskaia der 
Scheibe die jeweilige Nachtstunde ablesen. Anderer- 
seits können fürjede beliebige Stunde die Örter und der 
Auf- und Untergang der Gestirne abgelesen werden. 
Das hierabgebildete Meisterwerk Volckmers soll inVer- 
bindung mit Tycho de Brahe für Kaiser Rudolf ll. ge- 
schaffen worden sein, was aber nicht beweisbar ist"; 
Vielmehr können die astronomischen und astrologi- 
schon Interessen Wolf Dietrichs von Raitenau nicht au- 
ßer acht gelassen werden. Bei der Arbeit Volckmers ist 
die (versilberte Kupfer-)Scheibe in einen (wahrschein- 
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