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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

chende Hilfe anbieten. Das Ideal wäre dagegen 
eine planmäßige Prophylaxe etwa in Form von 
regelmäßiger Kontrolle rund Untersuchung des 
vorhandenen Wandmalereibestandes auf akute 
Schäden und die Erarbeitung und Anwendung 
von Methoden zu deren rationeller Behebung. 
Durch Versuchsreihen werden verschiedenste Fe- 
stigungsmittel für Putz und Farbe getestet, be- 
stimmte Maltechniken usw. untersucht und diese 
Ergebnisse den an Ort und Stelle tätigen Restau- 
ratoren vermittelt. Die Einzeluntersuchungen und 
Versuchsreihen müssen aber auch hinsichtlich 
ihrer Konsequenzen für die allgemeine Praxis 
verarbeitet werden, denn die wichtigste Erfah- 
rung der letzten Jahre ist, daB mit einer Freile- 
gung die Konservierungsprableme erst begin- 
nen und daher systematische Voruntersuchungen 
und langfristige Schutzmethoden Vorrang erhal- 
ten müssen. 
Auf die letzte Konsequenz des Entdeckens und 
Freilegens von Wandmalereien, nämlich die 
Übertragung nach Abnahme auf einen neuen 
Bilduntergrund, muß sich die praktische Wand- 
bildrestaurierung innerhalb der Werkstätten be- 
schränken. Hier sind vor allem die Übertra- 
gungsmethoden ständig weiterzuentwickeln 
und zahlreiche neue Möglichkeiten auszuprobie- 
ren. Dies nicht nur wegen der stürmischen Ent- 
wicklung auf dem Kunststaffsektor, sondern auch 
in Anbetracht des gerne zu Unrecht einseitig auf 
den Begriff „Fresko" eingeengten Variations- 
reichtums der historischen Wandmalereitechni- 
ken. Zur Illustration mögen drei Beispiele aus 
der Antike bis ins 20. Jahrhundert dienen. 
Römische Wandmalerein hat man bei archäolo- 
gischen Ausgrabungen in Österreich bisher an 
mehreren Orten gefunden. Größere und auch 
qualitätsmäßig hervorragende Bruchstücke wur- 
den in den fünfziger Jahren auf dem Magda- 
lensberg in Kärnten und vor wenigen Jahren in 
Enns geborgen. Für Zusammensetzung, Konser- 
vierung und Herstellung eines neuen Bildträgers 
bis zur Rekonstruktion ganzer Wandabschnitte 
müssen archäologische wie restauratorische Er- 
fahrungen einander ergänzen (Abb. 9]. Für mit- 
telalterliche Wandmalereien hingegen, die sich 
vereinzelt bis in unsere Tage an Außenwänden 
von Bauten erhalten haben, wird allerdings ihre 
Übertragung in Innenräume durch Verwitterung 
und Umweltverschlechterung erzwungen. Derar- 
tige Maßnahmen an zwei überaus bedeutenden 
Bildzyklen haben in den letzten Jahren zwei 
Salzburger Restauratoren unter Mitwirkung der 
Werkstätten durchgeführt: in St. Dionysen bei 
BruckfMur wurde eine Darstellung der Anbetung 
der HI. Drei Könige (aus dem frühen T5. Jahr- 
hundert) und in Metnitz in Kärnten der einzige 
noch erhaltene spätmittelalterliche Totentanz ie- 
weils in das Kircheninnere übertragen. Während 
hier die Übertragung bis in feine Details der 
Zeichnung und des Oberflächenreliefs (Abb. 10) 
verlustfrei geglückt ist, mußten die Werkstätten 
andererseits leider an einer großen Zahl von 
älteren Übertragungen bereits zum zweiten Mal 
diese bedenkliche Operation, wenngleich auf 
verbesserte Weise, wiederholens. 
Die endgültige Konservierung und Neuübertra- 
gung des monumentalen Beethoven-Frieses von 
Gustav Klimt 1902 ist infolge der angewendeten 
Surrogattechnik und anderer technischer Schwie- 
rigkeiten eine derzeit erst mit einem Probestück 
begonnene Aufgabe eigener Art (Abb. lt). 
ln Zukunft ist gedacht, auch hier bei umfang- 
reichen Außenarbeiten fachlich wie auch perso- 
nell nach Bedarf und Problemstellung die Mög- 
lichkeiten der Werkstätten gezielt einzusetzen. 
Die Arbeiten an den großen, vor allem barocken 
Wandmalereizyklen mit ihren Kriegs- und Folge- 
schäden haben in den fünziger und sechziger
	        

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