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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

Emporen; 
Decke: 
Westen: Die Lebensalter. 
Osten: Die fünf Sinne. 
Vorhalten: 
Osten: drei Rundbilder. Die seitlichen mit Putten 
mit Früchten und Blumen, in der Mitte Raub 
der Astraea. 
Westen: drei Rundbilder. Die seitlichen mit Put- 
ten und Blumen, in der Mitte die Drei Grazien. 
Stiegenhaus: 
Decke: Allegorie des Überflusses, Reichtum und 
Wohlstand entfalten sich unter der Fahne der 
Pax. Abbundantia mit Füllhorn und Merkur 
lagern darunter; Fortuna schreitet, begleitet 
von zwei Genien, herbei. Die Einigkeit, unter- 
stützt von der Gerechtigkeit (Putten mit Ruten- 
bündel) stürzen Neid und Zwietracht. Fama 
verkündet den darunter stehenden Menschen, 
daß das neue goldene Zeitalter des Chronos 
begonnen hat. 
Wände (Grisaillemalerei): Opfer der Diana, 
Opfer der Kybele, Fluß Pram (zerstört). Stie- 
genabsätze: Diana, Jäger, Amme mit Kind, 
Türke, am Gitter lehnend. 
Das Schloß muß bald nach der Errichtung der 
Verwahrlosung preisgegeben worden sein, und 
vor allem die eindringende Feuchtigkeit hat sich 
auf die Malereien Überaus nachteilig ausge- 
wirkt. 1821 wurde es von Graf Maximilian von 
50 
Arco-Valley im Zuge des Ankaufes des gesam- 
ten Tattenbachschen Besitzes erworben 5. Um 
1900 nimmt die Denkmalpflege erstmals Notiz 
von dern Bau und seiner Ausstattungf. Zwei 
Jahre später meldet der Korrespondent Apothe- 
ker Eduard Kyrle aus Schärding der k. k. Central- 
Commission für Denkmalpflege, daB die Mole- 
reien im Schloß ihrem vollständigen Ruin ent- 
gegengehen7. Seine Mitteilung wird durch den 
lnspektionsbericht des Landeskonservatars von 
Salzburg, Hans Folnesics, vom 12. Oktober 1916 
bestätigt. Das schon damals von Mietparteien 
bewohnte Objekt findet er im Zustand völliger 
Verwahrlosung. Von einem der Wandbilder und 
an mehreren Stellen des Deckengemöldes sind 
Teile herabgefallen, andere in Ablösurlg begrif- 
fen. Das offenbar zwischen den beiden Welt- 
kriegen entfernte Olbild des Erbauers über der 
südlichen Festsaaltüre befand sich damals nach 
an Ort und Stelle. 1920 bezeichnet es der Kunst- 
historiker Rudolf Guby in seiner schon zitierten 
Arbeit' als „ein himmelschreiendes Verbrechen, 
daß sie (die Malereien Winks) allmählichem Ver- 
fall preisgegeben werden". Auch der Kunsttopo- 
graph Dagobert Frey meldet 1927 lakonisch: 
„Schlechter Erhaltungszustand, große Stücke ab- 
geblätterW." 
Seither hören wir nichts, bis die Gemeinde Zelll 
Pram 1938 bei der Landeshauptmannschaft den 
Plan vorträgt, das Schloß mit den etwa 40 Joch 
zugehörigen landwirtschaftlichen Gründen zu 
werben, es wegen Baufölligkeit abzubrechen 
hier ein neues Schulgebäude zu errichten, ' 
die sofortige Stellung unter Denkmalschutz 
Dezember 1938) zur Folge hatte. Auch dar 
wurde von dem Landeskanservator Erwin I 
nisch festgestellt, daß ein „beträchtlicher 
des Deckengemäldes des Festsaales bereits 
gebröckelt" sei. Ein neuer Alarmruf kam zu 
ginn des zweiten Weltkrieges von dem Heir 
forscher Otfried Kastner". 
Während des Krieges übergab Graf Anton l 
Valley das Schloß an die Gemeinde Rie 
(1941), welche einige Räume für Gemeinschi 
zwecke verwendete, so den Festsaal als T 
saal: lm Herbst 1943 hat dann die Reichsb 
das Objekt angekauft und die Dachflächen 
gebessert. Bei Kriegsende lagerte Eisenbi 
material im Festsaal. Die Bundesbahn als 
gender Verwalter hat das Bauwerk vorerst ' 
ter als Depot benützt, 1949 aber geräumt. 
Kurz vorher (Herbst 1948) macht die Gemei 
Zell a. d. Pram den Vorschlag, die einstwi 
treuhänderische Verwaltung zu übernehmen, 
bauliche Instandsetzung - vor allem im s 
gefährdeten Dachzonenbereich - zu besol 
und deponiert ihr Interesse am käuflichen 
werb. Maria Kapsreiter, die ehrenamtliche 
respondentin des Bundesdenkmalamtes, ur 
stützt die Werbekampagne für das künstleri 
Juwel des lnnviertels durch Eingaben an 
Unterrichtsminister und den Landeshauptman 
1950 erfolgt schließlich der Erwerb des Schlo 
aus dem Eigentum der Österreichischen Bun 
bahnen durch die Gemeinde Zell a. d. Pi 
Volksschule, Kindergarten und Mietparteien 
von da ab in dem Bauwerk untergebracht 
somit vorerst zumindest eine teilweise Revi 
sierung der Anlage sichergestellt. Die kl 
Ortsgemeinde (1974: 2013 Einwohner), we 
im Jahre 1953 durch den Ankauf der Filialki 
von Jebling aus Privatbesitz eine weitere d 
malpflegerische Aufgabe übernahm, hat dl 
eine vorbildliche Tat gesetzt und das Scl 
sowie die Kirche vor dem Verfall gerettet. 
außerordentliche Leistung wird auch durch 
Erfahrungen des folgenden Vierteliahrhund 
welche gezeigt haben, daß ihre Kräfte di 
Aufgabe auf die Dauer nicht gewachsen wc 
nicht geschmälert. 
ln mehreren Kampagnen wurden vom n: 
Eigentümer und der Denkmalpflege Anst 
gungen unternommen, dem Verfall der Bau 
stanz und der Malereien entgegenzuwirken: 
erste von 1950 bis 1953, wobei die Sichel 
des bildkünstlerischen Bestandes nur notdü 
vorgenommen worden ist". Eine Nachbehi 
lung mit neuerlichen Dachreparaturen er 
sich schon 1965 als notwendig. 
Aber schon ein Jahr später fällt ein ca. 
Quadratmeter großes Stück von der Dec 
malerei des Hauptraumes herab und bewirk 
Alarmzeichen eine neuerliche Anstrengung 
Gemeinde für die Bausubstanz sowie eine 
ßere, durch die Werkstätten des Bundesd 
malamtes geleitete Restaurieraktion, die 1 
auf die Galerien und das Stiegenhaus ü 
greift und bis ietzt noch nicht abgeschlo 
ist". 
Die Untersuchungen haben ergeben, daß 
schlechter Aufbau der Putz- und Malschichter 
den Decken und Wandzonen vorliegt. Die l 
ken sind in einer halbfreskalen Art auf äut 
mogerem und sandendem Feinputz gemal 
vielen Teilen wurde auch der Unterputz lo 
an anderen Stellen blätterte die Farbschicht 
Neben der lange andauernden Feuchtigkeit: 
wirkung dürften die Ursachen hiefür aucl 
dem unsoliden Aufbau des Putzes selbst lie
	        

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