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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

 
rich Ocherbauer- Georg Kodolitsch 
le Altstadt als Wohn- und 
Wrtschaftsraum, als Stätte 
r Kultur und Freizeit 
n Beispiel Radkersburg 
' anderthalb Jahrzehnten etwa haben neben 
1 Einzelbaudenkmal auch erweiterte Begriffe 
Denkmalzone und des Ensembles Eingang 
die Nomenklatur der Denkmalpflege gefun- 
.„Schutz" und „Wiederbelebung" der histori- 
en Stadt- und Ortskerne waren wiederholt die 
men der Konfrontationen des Europarates. 
Frankreich wurde 1962 durch die „Loi Mal- 
x" das umfassendste Altstadt-Revitalisierungs- 
iekt Europas geschaffen. Der 1965 gegrün- 
e Fachverband ICOMOS (International Coun- 
of Monuments and Sites) bezieht sich aus- 
cklich auch auf „Situationen", im Bestreben, 
Baudenkmal nicht lediglich als isoliertes Ein- 
)biekt zu sehen und zu werten, sondern im 
1e der internationalen Charta von Venedig 
4 ebenso das städtische oder ländliche Denk- 
gebiet in die Definition des Denkmalbegrif- 
einzubeziehen. 
cheidenen Gemeinschaftsleistungen, die im 
fe der Zeit kulturelle Bedeutung und eine 
lisse Charakteristik erlangt haben, wird nicht 
dere Aufmerksamkeit zuteil wie den großen 
ikünstlerischen Schöpfungen. 
Österreich wurden Altstadterhaltungsgesetze 
Salzburg (1967), Wien (1972) und Graz 
'4) erlassen, die sich nicht auf restriktive 
stische Grundlagen beschränken, sondern 
h administrative und finanzielle Vorausset- 
gen für die Bewahrung und Nutzung der 
komplexe schaffen. Daß es dabei keines- 
ys, wie mitunter angenommen und interpre- 
t wird, lediglich um die Bereitstellung von 
ndenverkehrsattraktionen geht oder um die 
rahrung einer kulissenhaften Scheinwelt blo- 
Fassaden unter gänzlicher Opferung der 
struktur, mag das mit „Lebensraum Altstadt" 
umschriebene Motto des 1. Internationalei 
stadtkongresses in Graz im September 197 
deutlichen. Eine Altstadt wird lebensfähig 
ben, wenn es gelingt, der einst geforderten 
mischung" der Wahn-, Arbeits-, Geschäfts- 
tur- und Freizeitfunktionen entgegenzuv 
und die nicht zuletzt durch solche Verlag 
und Zersplitterung der einzelnen Funktione 
vorgerufenen Verkehrsfragen zu läsen. Das 
steht, bezeichnend für den menschlichen I 
dualismus, immer noch am Anfang aller s 
baulichen und planerischen Überlegungen. 
Kleinere Städte unterwerfen sich noturg 
leichter dem Wunsch und der Forderung 
ungeschmölerter Erhaltung, so sie nicht der 
verstandenen, doch häufigen und gerac 
ländlichen Bereich allzu willig aufgenomr 
Parole nach Fortschritt und Modernisierun 
jeden Preis, auch den der völligen Preisgal: 
eigenen Antlitzes, unterliegen. 
Die Stadt Radkersburg, im südöstlichsten 
kel Österreichs, direkt an der iugoslaw 
Grenze gelegen, durch die historisch-ge 
phische Geschlossenheit ausgezeichnet und 
eine gewisse, von der Randlage abhängige 
schaftliche Stagnation im 19. Jahrhundert 
Überfließen und Sprengen der historische: 
festigten Grenzen bewahrt, vermittelt das 
liche Beispeil einer alten, an geschichtliche 
eignissen reichen Grenzstadt, die gleichem 
sehenswert wie lebenswert erscheint. 
Der Name der Stadt leitet sich von der 
„Rategay" ab, die, südlich der Mur ge 
und schon im 12. Jahrhundert urkundlicl 
nannt, die im Talboden der Mur nach U 
führende Straße zu schützen hatte. Zu 
Füßen entstand im späten I2. Jahrhundei 
einer Murinsel die Siedlung, aus der zur 
des 13. Jahrhunderts der planmäßig angi 
wehrhafte Grenzmarkt am Ostrand der K 
tanischen Mark wurde. 1286 ist als Jah 
Stadterhebung überliefert. ln diesen Zei 
fällt die Errichtung der trapezförmigen 
mauer der Stadt, deren innere, bis heut 
wahrte Struktur ebenfalls auf die Grüne 
onlage zurückgeht: Westlich der Mittel 
verläuft die 500 Meter lange Nord-Süd-[
	        

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